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Zunahme der Corona-Fälle: Senat will Entwicklung abwarten

20.10.2020 - Die Corona-Pandemie breitet sich in Hamburg so schnell wie zur Hochzeit im März aus. Dennoch zögert der Senat mit erneuten drastischen Einschränkungen für das öffentliche und private Leben. Auch die Opposition spricht sich unisono gegen strengere Regeln aus.

  • Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg hat am Dienstag die stärkste Zunahme von Corona-Infektionen seit Ende März registriert. Die Fallzahl stieg sprunghaft um 204 Fälle, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Das ist der dritthöchste Anstieg in der Hansestadt seit Beginn der Pandemie. Nur am 23. und 24. März waren mehr Ansteckungen festgestellt worden. Der kritische Sieben-Tage-Wert kletterte von 50,6 auf 55,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kündigte an, sollte dieser Wert auch am Mittwoch über 50 liegen, werde der Senat über weitere Einschränkungen beraten. Laut Beschluss von Bund und Ländern dürften sich bei einer solchen Infektionsrate nur noch zehn Personen zu privaten Feiern im öffentlichen und privaten Raum treffen. Derzeit dürfen in Hamburg noch 25 Menschen im Freien und 15 im privaten Bereich gemeinsam feiern.

Der Senat will in den nächsten Tagen auch entscheiden, ob wie angekündigt der Fischmarkt und der Winterdom stattfinden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die für November geplante Kirmes auf dem Heiligengeistfeld genehmigt werde, sei sehr niedrig, sagte Tschentscher. Der Fischmarkt hatte nach siebenmonatiger Pause Ende Oktober wieder öffnen sollen. Auch die Veranstaltung der Weihnachtsmärkte ist nach Tschentschers Worten fraglich. «Es ist nur vertretbar, Weihnachtsmärkte zu organisieren, wenn das Infektionsgeschehen das zulässt.»

Zunächst müsse aber abgewartet werden, wie sich die kürzlich beschlossenen Einschränkungen auswirkten. Die aktuellen Zahlen spiegelten das noch nicht wider. Seit vergangenem Samstag gilt in der Hamburger Gastronomie eine Sperrstunde zwischen 23.00 und 5.00 Uhr. Berufs- und Oberstufenschüler müssen seit Montag auch im Unterricht Masken tragen. Seit vergangener Woche sind Menschen auf einigen Straßen und öffentlichen Plätzen zu bestimmten Zeiten verpflichtet, Mund und Nase bedecken.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sprach sich gegen weitere Einschränkungen für Kitas und Schulen aus. Diese könnten nicht als Haupttreiber des Infektionsgeschehens angesehen werden. Darüber hinaus lägen inzwischen zahlreiche Studien vor, nach denen Kinder und Jugendliche sehr wesentliche Leidtragende der ersten massiven Kontaktbeschränkungen waren. «Und auch das müssen wir in den Abwägungsprozess der Maßnahmen einbringen», sagte Leonhard.

Innensenator Andy Grote (SPD) erklärte, dass die Regeln für Veranstaltungen zunächst nicht weiter verschärft werden sollen. Bereits seit dem Überschreiten des Sieben-Tage-Werts von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner würden keine Sportveranstaltungen mit über 1000 Zuschauern im Freien mehr erlaubt. Grote schloss aber weitere Einschränkungen nicht aus.

Die starke Zunahme der Corona-Infektionen kann nach den Worten von Leonhard nicht mit der gestiegenen Anzahl von Tests erklärt werden. Derzeit würden in Hamburg täglich 11 000 bis 12 500 Menschen getestet. Zwei Prozent der Tests seien positiv. Im Sommer habe diese Positivrate bei 0,2 Prozent gelegen.

Demnächst sollen in Hamburg auch Antigen-Schnelltests zum Einsatz kommen, wie die Senatorin ankündigte. Diese seien hilfreich, um Pflegeheime und Krankenhäuser besser zu schützen. Derzeit gebe es drei größere Corona-Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen im Bezirk Harburg, in Wandsbek und in Hamburg-Nord. Allein in Harburg haben sich nach Angaben der Sozialbehörde 27 Bewohner und fünf Mitarbeiter der Einrichtung in Harburg infiziert.

Nach Ansicht der CDU-Bürgerschaftsfraktion muss ein Herunterfahren der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens in Hamburg mit aller Kraft verhindert werden. Die vorbeugenden und behutsamen Anpassungen der Corona-Regeln seien der richtige Weg, erklärte Fraktionschef Dennis Thering. Diese müssten jedoch verständlich bleiben und auch vor Gericht Bestand haben. «Das Wirrwarr der letzten Tage ist da nicht besonders hilfreich, um die breite Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für die Regeln aufrecht zu erhalten», meinte Thering.

«Es reicht jetzt mit diesen Alleingängen, diesen einsamen Entscheidungen und Beschlüssen des Senats, von denen alle anderen Hamburgerinnen und Hamburger dann nur über Pressekonferenzen erfahren», erklärte die Kovorsitzende der Linksfraktion, Sabine Boeddinghaus. Sie forderte die Einbeziehung der Zivilgesellschaft in einem Corona-Rat, in dem neben Vertretern des Senats und der Bürgerschaft auch Wissenschaftler, Gewerkschafter, Arbeitgeber und Mitglieder von Migrantenorganisationen sitzen sollten.

Auch die AfD-Fraktion warnte vor weiteren Einschränkungen. «Wir fordern Freiheit für die Bürger, statt unsäglichen Verboten, und setzen mit den geltenden Abstandsregelungen auf mehr Eigenverantwortlichkeit!», erklärte der gesundheitspolitische Sprecher Thomas Reich.

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