Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

«Flut von Verstößen» in Naturschutzgebieten in Corona-Krise

09.07.2020 - Raus in die Natur - das klingt erst einmal gut. Nicht aber, wenn seltene Pflanzen zertrampelt und Tiere gestört werden, die bereits auf der roten Liste stehen. Bußgelder und Appelle sollen Abhilfe schaffen.

  • Landschaftslotse Torsten Jens geht auf dem Bohlenweg durch die Schwanheimer Düne. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Landschaftslotse Torsten Jens geht auf dem Bohlenweg durch die Schwanheimer Düne. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Bohlenpfad führt durch Kieferngehölz und Sandmagerrasen. Hohe Artenvielfalt mit seltenen Tieren und Pflanzen machen die Schwanheimer Düne in Frankfurt aus. «Ein ganz besonderer Ort», so die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Donnerstag über das etwa 58 Hektar große Naturschutzgebiet. Doch der Stolz über die seltenen Binnendünen wird überschattet von zahlreichen Verstößen durch Besucher gerade während des Corona-Lockdowns.

Spaziergänger verließen die ausgewiesenen Wege, in den sensiblen Sandflächen wurde gelagert und gegrillt. «Es wurden geschützte Tiere gefangen und mitten in der Brutzeit wurden Eingänge von Nistkästen verstopft, so dass vermutlich viele Tiere ihr Leben lassen mussten», sagte die Schutzgebietbeauftragte Heidi Wieduwilt. Derzeit gehe sie nicht an Wochenenden und abends in das Schutzgebiet, «weil ich es nicht ertrage».

Um die «Flut von Verstößen» einzudämmen, sollen nun sogenannte Landschaftslotsen der Naturschule Hessen vor allem an Wochenenden auf Kontrollgänge gehen. Auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden im Einsatz sein und notfalls Bußgelder verhängen, kündigte Heilig an. Bereits im Frühjahr begann Umweltlotse Torsten Jens mit diesen Kontrollgängen. Überall hätten Menschen links und rechts des Bohlenwegs im geschützten Gebiet gesessen, gepicknickt oder hätten Hunde frei laufen lassen, obwohl es sich um ein Brutgebiet seltener Vögel handele.

Finanziert werde der Einsatz der Lotsen mit Hilfe des Regierungspräsidiums Darmstadt, sagte Heilig. «Bei allem Verständnis, dass die Menschen in der aktuellen Corona-Zeit verstärkt in die Natur drängen, muss doch notfalls mit Bußgeldern daran erinnert werden, dass es Grenzen gibt», erinnerte sie an die Schutzbestimmungen für das empfindliche Gebiet.

Die Schwanheimer Düne sei kein Einzelfall, sondern wegen ihrer Lage in der Großstadt Frankfurt nur besonders exemplarisch, sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Darmstadt. Überall im Ballungsraum Rhein-Main lasse sich Fehlverhalten in den Naturschutzgebieten beobachten.

Nun, da die Coronabestimmungen gelockert seien, sei es nicht mehr ganz so massiv wie während des Lockdowns, fügte die Sprecherin hinzu. «Aber jetzt kommen die Ferien, und angesichts der Corona-Lage werden vermutlich viele Menschen nicht in den Urlaub fahren und verstärkt Gebiete in der Nähe ihres Wohnorts aufsuchen.» Von Entspannung der Lage könne also keine Rede sein. Betroffen seien übrigens nicht nur Naturschutzgebiete, sondern auch andere sensible Bereiche, wie etwa die Hochwasserdeiche an Rhein und Main. Da werde auch schon mal mit dem Auto gefahren, Müll oder Kompost abgeladen, eine Sitzstange für Greifvögel sei zerbrochen worden.

Als problematisch hat sich der Andrang auf Naturschutzgebiete nicht nur im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet erwiesen. «Im Naturschutzgebiete Lahnaue zwischen Atzbach, Dutenhofen und Heuchelheim sind in den letzten Wochen neue Trampelpfade entstanden», sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Gießen zur Situation in Mittelhessen. Zur Unterstützung der Naturschutzwacht sei nun ein privater Dienstleister unterwegs, unter anderem um auf den Leinenzwang für Hunde hinzuweisen. Einige der Besucher empfänden das als übertriebene Gängelung und reagierten aggressiv, hieß es.

«Trotz der ausreichend aufgestellten Schilder missachten viele Besucher das Wegegebot und lassen ihre Hunde im Schutzgebietsbereich freilaufen. Sehr auffällig ist darüber hinaus, dass mehr Müll als sonst üblich in den Wäldern entsorgt wird», sagte der Sprecher über Meldungen der Forstämter Romrod und Kirchhain. Probleme mit nicht angeleinten Hunden, Müll nach Picknicken und regelrechten Grillgelagen seien auch aus anderen Naturschutzgebieten gemeldet worden. Im Regierungspräsidium Kassel wurde vor allem im Ballungsraum Kassel ein Ansturm auf Natur- und Naherholungsgebiete verzeichnet, unter dem letztlich Tiere und Pflanzen zu leiden hätten - auch wenn nicht alle so selten sind wie die in der Schwanheimer Düne anzutreffenden Flechten. «Wenn da einer drübertrampelt, ist alles kaputt, was in Jahrzehnten gewachsen ist», klagte Naturschützerin Wieduwilt. Denn die empfindlichen Flechten wachsen pro Jahr gerade mal einen Millimeter.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren