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Susanna-Prozess: Ali B. könnte erneut gewalttätig werden

26.06.2019 - In der Schlussphase des Prozesses um den Mord an der Mainzer Schülerin Susanna stellt eine Psychiaterin ihr Gutachten zu dem Angeklagten vor. Sie macht deutlich: Von dem 22-jährigen Ali B. sind weitere Straftaten zu erwarten.

  • Ali B. im Landgericht Wiesbaden. Foto: Boris Roessler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ali B. im Landgericht Wiesbaden. Foto: Boris Roessler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wiesbaden (dpa) - Der Angeklagte im Mordprozess Susanna könnte sich nach Einschätzung einer Gutachterin erneut junge Mädchen als Opfer suchen. Von ihm seien weitere schwere Sexualstraftaten zu erwarten, sagte die Psychiaterin am Mittwoch vor dem Landgericht Wiesbaden. Auch Raub und Körperverletzung seien denkbar. Ali B. kann ihrer Ansicht nach sein Verhalten steuern und ist einsichtsfähig. Er könnte demnach von der Kammer als schuldfähig angesehen werden.

Der irakische Flüchtling steht vor Gericht, weil er die 14-jährige Susanna im Mai 2018 vergewaltigt und ermordet haben soll. Der 22-Jährige hat gestanden, die Mainzer Schülerin erwürgt zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet Ali B.. Die Plädoyers werden für den 2. Juli erwartet. Das Urteil soll am 10. Juli gesprochen werden.

In ihrem Gutachten hatte die Psychiaterin dem 22-Jährigen eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit psychopathischen Zügen attestiert. Das Gutachten soll für das Gericht eine Entscheidungshilfe sein, ob beispielsweise eine Sicherungsverwahrung nach Ende der Haftzeit notwendig ist.

Besonders gefährlich ist laut Gutachterin, dass Ali B. hochgradig manipulativ vorgehe und ohne Empathie nur seine Bedürfnisse erfüllen wolle. Bei der Tat sei es ihm nicht um Susanna gegangen, sondern um Sex. Nur kurze Zeit nach der Tötung Susannas habe er bereits andere Mädchen nach intimen Fotos gefragt. Ein Innehalten oder Nachdenken habe es nicht gegeben. Mindestens eine Zeugin hatte im Prozess ausgesagt, Ali B. habe sie aufgefordert, ihm intime Fotos von sich zu schicken. Die Straftat sei für Ali B. nicht kulturell motiviert gewesen. «Es wäre falsch, das ausschließlich auf den kulturellen Migrationshintergrund zurückzuführen», heißt es in dem Bericht.

Ob eine Therapie und die Haft sich positiv auf den jungen Mann auswirken könnten, sei nicht sicher. Allerdings sei der Angeklagte noch jung genug, um auf ihn einwirken zu können. Immerhin gebe es erste Anzeichen dafür, dass Ali B. Scham empfinde und sich auch in die Situation anderer hineinversetzen könne. So seien ihm die Aussagen von Susannas Mutter und seiner Ex-Freundinnen vor Gericht peinlich gewesen. «Das geht in die richtige Richtung», erklärte die Gutachterin. Eine Therapie könnte jedoch sogar kontraproduktiv sein. Psychopathische Täter könnten dadurch lernen, ihre Opfer künftig noch besser zu manipulieren, schilderte die Psychiaterin.

Noch sitzt Ali B. in Einzelhaft. Ob er sich unter normalen Haftbedingungen eher angepasst verhält oder eine Gruppe von Mithäftlingen um sich schart, um sie anzuführen, ist der Expertin zufolge nicht vorhersehbar. «Er kann sich auf jeden Fall kontrollieren, im Moment verhält er sich geradezu vorbildlich.»

Seit dem 19. März steht Ali B. wegen einer weiteren Straftat vor dem Landgericht: Er soll zweimal eine Elfjährige vergewaltigt haben, bei einem Vorfall mit einem wesentlich jüngeren Mittäter. Dieser Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nach Angaben eines Gerichtssprechers wird dieses Verfahren vor der Jugendkammer noch bis Oktober dauern. Ein Urteil sei bisher nicht absehbar.

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