Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

A49-Ausbau: Zusammenstöße mit Waldbesetzern drohen

13.07.2020 - Der Ärger nach dem Gerichtsurteil zum Weiterbau der A49 ist kaum verraucht, da kündigt sich der nächste Konflikt an. Im Herbst ist mit Rodungen in Forstgebieten zu rechnen. Waldbesetzer wollen das verhindern. Kommt es zu Eskalationen wie im Hambacher Forst?

  • Ein blaues Herz als Zeichen des Protestes ist im Dannenröder Forst an einen Baum gesprüht. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein blaues Herz als Zeichen des Protestes ist im Dannenröder Forst an einen Baum gesprüht. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zwischen Umweltschützern, die sich gegen den geplanten Ausbau der Autobahn 49 in Mittelhessen wehren, und den Behörden kündigt sich ein gewaltiger Konflikt an. «Der Protest geht sicher auch nach den Urteilen vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weiter», sagte Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis «Keine A49» der Deutschen Presse-Agentur. Sie sieht eine Konfrontation heraufziehen zwischen Ordnungsbehörden und Waldbesetzern, die im Dannenröder Forst gegen Rodungen kämpfen. «Das wird ein zweiter Hambacher Forst. Am Tag der Räumung werden bei uns bestimmt 1000 Leute im Wald stehen. Die Unterstützer-Gruppen sind sehr gut vernetzt», sagte Bündnissprecherin Schlemmer, zugleich mittelhessische Grünen-Kommunalpolitikerin.

Ein Blick nach NRW zum Verständnis: Der Hambacher Forst gilt seit 2018 als Symbol des Kampfes zwischen Klimaschützern und Kohlebranche. In dem Wald leben laut Polizei rund 100 Aktivisten. Dort kam und kommt es immer wieder zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Die Waldbesetzer haben Baumhäuser gebaut.

Der Hambacher Forst sollte ursprünglich für den Braunkohle-Tagebau gerodet werden. In einem der größten Polizei-Einsätze der nordrhein-westfälischen Geschichte wurde das Waldstück im Herbst 2018 geräumt. 86 Baumhäuser wurden zerstört. Schließlich verständigten sich Bund, Länder und Energiekonzerne Anfang dieses Jahres im Zuge der Kohle-Einigung darauf, dass der Wald doch erhalten bleiben soll.

Wie viele Waldbesetzer sich im Dannenröder Forst aktuell aufhalten, der vom Autobahn-Ausbau gefährdet ist - dazu machte das Aktionsbündnis keine Angaben, aus «taktischen Gründen», wie Schlemmer sagte. Sie rechnet damit, dass die Zahl schnell steigen werde, wenn Räumungen und Rodungen in dem Waldgebiet beim Homberg (Ohm) anstehen.

Das hessische Verkehrsministerium hatte angekündigt, dass mit dem Bau der umstrittenen Etappe von Stadtallendorf nach Gemünden/Felda noch in diesem Jahr begonnen werde. Es ist ein Teilstück der Autobahn, die Gießen mit Kassel verbinden soll. Die dafür in Mittelhessen vorgesehenen Rodungen in Wäldern seien ab Oktober möglich, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Es könnte ein heißer Herbst werden.

Ähnlich wie das Aktionsbündnis «Keine A49» sieht es auch ein Klimaschützer und Sprecher von «Fridays for Future»: «Realistisch betrachtet wird es wohl eskalieren und Bilder wie im Hambacher Forst geben. Die Waldbesetzer wollen den Forst schützen und erhalten. Die werden sich nicht verjagen lassen», sagte Jaspar Reimann. Er kündigte für September eine große Demo an einem noch unbekannten Ort an.

Beim Dannenröder Forst handelt es sich laut Umweltschützern um einen 250 Jahre alten Mischwald. Die Waldbesetzer bekräftigten zuletzt «den Wald unter dem Einsatz unserer Körper zu schützen». Die Aktivisten erklärten laut einer Mitteilung der Gruppe «Wald statt Asphalt», dass es ein Skandal sei, dass in Deutschland weitere Autobahnen gebaut würden - in Anbetracht der Klimakrise.

Unterstützung bekamen sie unter unter anderem vom hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen). Die Organisation ist eine von acht Gruppen, die unter dem Dach des Bündnisses «Keine A49» steht. Dabei sind auch der Naturschutzbund (Nabu) und weitere lokale Schutz- und Aktionsgemeinschaften, die sich dem Gleental, Ohmtal oder Burgwald widmen.

Der BUND unterlag erst im Juni in einem wegweisenden Prozess vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (Az.: BVerwG 9 A 22.19 und 9 A 23.19). Auch ein privater Grundstücksbesitzer beteiligte sich. Sie wollten zusammen eine Baufortsetzung verhindern. Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, sagte: «Planungsdinosaurier wie die Autobahn A 49 gefährden die Zukunft. Der Klimawandel ist bereits eine akute Gefahr für unsere Wälder. Nötig ist deshalb eine schnelle Konzentration aller Mittel auf die Verkehrswende.» Der BUND forderte die Landesregierung auf, die Pläne aufzuschieben.

Der geplante und umstrittene Autobahnabschnitt führt von Stadtallendorf-Nord über 17,5 Kilometer nach Süden zum Ohmtal-Dreieck und knüpft dort an die A5 an. Weiter nördlich befindet sich noch ein weiterer Planungsabschnitt: Er führt über 13,3 Kilometer von Stadtallendorf-Nord nach Schwalmstadt. Ein noch weiter nördlich verlaufendes Teilstück ist bereits im Bau. Es ist 11,8 Kilometer lang und verbindet dann Schwalmstadt mit Neuental. Es soll Mitte des Jahres 2022 fertig sein, wie eine Sprecherin der Bauherrin DEGES (Deutsche Einheits- und Fernstraßen GmbH) mitteilte.

Bei einigen Kommunen und Landkreisen kommen die Autobahnpläne gut an. Sie sprechen von einer Weiterentwicklung der Wirtschaftsstandorte, von weniger lärmendem Durchgangsverkehr und Abgasen in betroffenen Orten, von einer besseren Anbindung für Pendler und Touristen.

Die Gegner hingegen argumentieren unter anderem, dass die geplante Trasse durch ein Wasserschutzgebiet führe, das auch für die Trinkwasserversorgung im Rhein-Main-Gebiet bedeutsam sei. Der BUND befürchtet, dass es durch die tiefe Gründung von Brückenbauten zu Verunreinigungen des Grundwassers kommen könnte. Auch Barbara Schlemmer vom Aktionsbündnis «Keine A49» sagte: «Es gibt erhebliche Bedrohungen für das Grundwasser.» Die Kosten für Sicherungsmaßnahmen würden in die Millionen gehen. «Die Kunden müssen dann letztlich mit Mehrkosten rechnen.»

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren