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Awo Bundesvorstand kritisiert Versagen in Frankfurt

17.12.2019 - Nach Krise und Negativschlagzeilen beim Frankfurter Kreisverband der Awo ist jetzt auch der Bundesverband mit einer eigenen Prüfung vor Ort. Der Imageschaden ausgerechnet zum 100. Geburtstag des Verbands ist enorm.

  • Wilhelm Schmidt (M), Präsident der Arbeiterwohlfahrt (Awo), nimmt zur Prüfung der Vorgänge Stellung. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Wilhelm Schmidt (M), Präsident der Arbeiterwohlfahrt (Awo), nimmt zur Prüfung der Vorgänge Stellung. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Feierstimmung sieht anders aus. Wenige Tage nach dem Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sind Prüfer des Bundesverbands nach Frankfurt gekommen. Der Frankfurter Kreisverband steht seit Wochen in der Kritik. Es laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts des Betruges und der Untreue mit Geldern der Stadt. Auch das Finanzamt prüft den Frankfurter Verband. Hinzu kommen Medienberichte über Luxus-Dienstwagen, teure Hotelübernachtungen und ungewöhnlich hohe Gehälter für einige Mitarbeiter. Der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter war am vergangenen Donnerstag zurückgetreten.

«Der ideelle Schaden ist wahrscheinlich gar nicht in Ziffern zu fassen», sagte Wolfgang Stadler, der Vorstandsvorsitzende des Awo-Bundesverbandes, am Dienstag in Frankfurt. Der Bundesvorstand werde konsequent an Lösungsmöglichkeiten arbeiten, «weil wir die Zustände für unerträglich halten. Sie müssen beendet werden und es muss ein Schadenersatz geltend gemacht werden für den Schaden, der der Arbeiterwohlfahrt entstanden ist.»

Awo-Präsident Wilhelm Schmidt sprach von «Verfehlungen, die wir nicht hinnehmen können.» Geld, das womöglich veruntreut worden sei, wolle der Bundesverband «bis zum letzten Cent» zurückholen. Zudem habe der zuständige Bezirksverband bei der Aufsicht versagt. Die Vertreter des Bundesverbands versicherten, der Verband unterstütze die laufenden Untersuchungen der Stadt, der Staatsanwaltschaft und des Finanzamts, das eine Betriebsprüfung und eine Lohnsteuerprüfung vornehme.

Auch wenn die Prüfung noch nicht abgeschlossen sei, gebe es jetzt schon Forderungen, sagte Stadler. «Wir fordern eine komplette Entflechtung sämtlicher Beziehungen zwischen den Kreisverbänden Frankfurt, Wiesbaden und der Johanna Kirchner-Stiftung und weiterer Gesellschaften.» Wenn erst der entstandene wirtschaftliche Schaden ermittelt sei, werde er von den dafür verantwortlichen Personen zurückgefordert. «Wir fordern eine Veränderung sämtlicher Arbeitsverträge auf ein angemessenes Niveau und gezahlt aus einer Quelle.»

Hauptamtliche sollten zudem keine weiteren Zusatzzahlungen durch Ehrenamtspauschalen mehr erhalten. Auch die Verträge mit ausgeschiedenen Funktionären sollten überprüft werden, sagte Stadler. Ausdrücklich appelliere der Bundesverband an die Delegierten der Kreiskonferenz im Januar, dem Vorstand des Kreisverbands keine Entlastung zu erteilen. «Das sollten sie tunlichst erst dann tun, wenn die gesamte Prüfung abgeschlossen ist», sagte er.

Zwei Tage lang hatten Prüfer die ordnungsgemäße Geschäftsführung unter die Lupe genommen, mit dem Präsidium und Mitarbeitern des Frankfurter Kreisverbands gesprochen, sagte Selvi Naidu, die Leiterin des Prüfungsteams und Finanzvorstand der Awo. Da nicht alle Unterlagen geliefert worden seien, habe bisher aber noch nicht alles geprüft werden können. Es seien allerdings schon jetzt Verstöße gegen die Governance-Prinzipien festgestellt worden, insbesondere bei Meldepflichten an das Aufsichtsorgan bei Honorarverträgen und der Ausgestaltung der Geschäftsführerverträge. Das Prüfungsteam und die zurückgetretenen ehrenamtlichen Revisoren seien schon «tief beeindruckt, um nicht zu sagen, erschüttert von dem, was sie jetzt schon an Material zur Verfügung gestellt bekommen haben.»

Stadler rügte zögerlichen Aufklärungswillen beim Frankfurter Kreisverband. Die Prinzipien des Verbandes - etwa zu Zusatzverdiensten und Verflechtungen - seien offenbar in Frankfurt und wohl auch in Wiesbaden verletzt worden. «Wir konnten den Eindruck nicht verdrängen, dass nicht im Interesse der Arbeiterwohlfahrt gehandelt wurde.» Besonders wichtig: «Die Gehaltsstrukturen, die wir bisher gesehen haben, sind vollkommen unangemessen.» Dazu komme ein für die Prüfer noch nicht vollständig überschaubares System von Verflechtungen, «wo bestimmte Menschen immer wieder Schlüsselfunktionen eingenommen haben und damit auch jegliche Kontrollfunktion außer Kraft gesetzt haben.» Der Bundesverband werde sehr deutlich und konsequent für Aufklärung der Vorgänge sorgen.

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