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Berater kritisiert Missstände im Klinikum Höchst

11.09.2019 - Wie schlimm waren die Missstände am Frankfurter Klinikum Höchst? Ein externer Berater legt jetzt seinen Zwischenbericht vor. Das Krankenhaus hat bereits reagiert.

  • Das Gebäude der Psychiatrie auf dem Gelände des Klinikums in Frankfurt-Höchst. Foto: Boris Roessler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Gebäude der Psychiatrie auf dem Gelände des Klinikums in Frankfurt-Höchst. Foto: Boris Roessler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wiesbaden/Frankfurt (dpa/lhe) - Fixierte Patienten, Überbelegung, Personalmangel: Nach Berichten über Missstände in der Psychiatrie des Klinikums in Frankfurt-Höchst hat ein externer Berater einen Zwischenbericht vorgelegt. Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) sieht in der Aufklärungsarbeit aber auch eine Chance für die psychiatrische Versorgung in ganz Hessen. Eine aktuelle Umfrage von Verdi macht derweil auf die prekäre Personalsituation in psychiatrischen Krankenhäusern aufmerksam.

Konkret kritisierte der von der hessischen Landesregierung beauftragte Experte Hans Joachim Kirschenbauer etwa die Stationsüberbelegung, fehlende Therapieangebote und die Chefarztvisite in Höchst: Eine moderne Psychiatrie sollte sich mehr mit den Patienten und den Angehörigen auseinandersetzen und diese mit einbeziehen, «das wird schwierig, wenn man nicht miteinander redet», sagte er am Mittwoch bei der Präsentation seines Berichts in Wiesbaden. Dagegen könne er etwa die angeprangerten Hygienemängel nicht bestätigen. Auch hob er den Willen zur «rückhaltlosen und transparenten» Aufklärung aller Beteiligten hervor.

In einem Beitrag des Fernsehsenders RTL hatte im März eine verdeckt arbeitende Reporterin über Missstände in dem Frankfurter Krankenhaus berichtet. Die Geschäftsführung der Klinik hatte daraufhin «erhebliche Mängel» eingestanden.

Für Kritik hatten auch Fixierungsszenen in dem Beitrag gesorgt. Diese gezeigte Fixierung sei aber für ihm «im grünen Bereich» gewesen, sagte Kirschenbauer. Der Beitrag habe Hintergründe zu dem Fall nicht gezeigt. Derweil wertete das Sozialministerium die Maßnahmen vom Frühjahr 2018 aus - dem Zeitpunkt der Filmaufnahmen. Die Prüfungen hätten ergeben, dass alle Fixierungen Folge einer ärztlichen Indikation waren, sagte Sozialminister Klose.

Er wies aber auch darauf hin, dass damals noch nicht das Urteil des Bundesverfassungsgerichts galt, wonach Patienten für längere Zeit nur nach einer richterlichen Entscheidung fixiert werden dürfen. Die Obersten Richter in Karlsruhe entschieden zudem, dass ein fixierter Patient durchgehend durch pflegerisches oder therapeutisches Personal überwacht werden müsse.

Die Klinik reagierte derweil mit ersten Verbesserungen, etwa bei der räumlichen Situation, beim Beschwerdemanagement oder im Aufnahmeverfahren der Patienten. Geschäftsführerin Dorothea Dreizehnter erklärte zudem, dass die Eins-zu-eins-Betreuung der Fixierten seit «etlichen Monaten» durch geschultere Kräfte geleistet werde. Laut einer Antwort auf eine SPD-Anfrage im Landtag gibt es am Klinikum Höchst im Durchschnitt 17 Fixierungen im Monat.

Klose sieht in der Aufklärungsarbeit in Höchst auch eine Chance für ganz Hessen: «Ich glaube, dass wir aus diesem konkreten Fall Schlüsse ziehen können für die Arbeit mit der psychiatrischen Versorgung insgesamt», sagte er. So komme es drauf an, noch stärker vom Patienten aus zu denken. Von allen Beteiligten angeprangert wurde zudem die schlechte personelle Situation, die schnell zu einer Überforderung der Mitarbeiter führe. «Wir spüren sehr deutlich den Fachkräftemangel», sagte Klinik-Chefin Dreizehnter.

Erst am Dienstag hatte die Gewerkschaft Verdi mit einem Aktionstag auf die prekäre Personalsituation in Psychiatrien aufmerksam gemacht. Laut einer Umfrage der Gewerkschaft können sich mehr als drei Viertel der Beschäftigten nicht vorstellen, bei der derzeitigen Personalsituation bis zur Rente in der Psychiatrie zu arbeiten. Wegen Personalengpässen in der Psychiatrie kommt es demnach regelmäßig zu Übergriffen auf Beschäftigte und zur Zwangsfixierung von Patienten.

«Eine Reduktion von Fixierungen strebt sicher jede Klinik an», sagte Kirschenbauer. Er verwies auf eine Pilotstudie zur Verminderung von Zwang und Gewalt, an der das Klinikum Höchst seit Mitte August teilnehme. Das sei ein «wichtiger erster Schritt». Der endgültige Bericht des Experten soll Ende des Jahres fertig sein.

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