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Erste Kommunen sprechen Wassernotstand aus

11.08.2020 - Den Rasen bewässern, mehrfach kalt Duschen bei der Hitze und Urlaub daheim in Pandemie-Zeiten: Der Wasserverbrauch steigt. Erste Kommunen ziehen die Reißleine und verbieten Verschwendung. Wer dennoch unnötig den Hahn aufdreht, muss möglicherweise tief in die Tasche greifen.

  • Eine Pflanze wächst auf trockenem und rissigem Boden. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Pflanze wächst auf trockenem und rissigem Boden. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Böden trocken, die Wiesen braun und Pflanzen lassen ihre Köpfe hängen. Die Hitze drückt und die Wasserhähne laufen. Erste hessische Kommunen sprechen bereits von Notständen bei der Wasserversorgung und Versorger und Verbände mahnen zum umsichtigen Gebrauch. «Auch aufgrund der eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten in diesem Sommer wird mit Auswirkungen auf den Verbrauch gerechnet», sagte eine Sprecherin des Hessischen Umweltministeriums mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie. Die kleine Gemeinde Grävenwiesbach, Schmitten oder Weilrod im Taunus zogen bereits die Reißleine und stellten den «Trinkwassernotstand» fest. In anderen Gemeinden könnte dies drohen. In Kronberg oder Oberursel steht die Wasserampel auf Rot, ein Schritt vor dem Notstand.

Neben der Verschwendung und Speicherung ist es dann unter anderem für folgende Zwecke verboten, Trinkwasser zu nutzen: Gärten, land- und forstwirtschaftlich genutzte sowie befestigte Flächen bewässern, Schwimmbecken befüllen oder die Fahrzeuge waschen. Dieses Verbot erstreckt sich nach Angaben der Stadt Grävenwiesbach über das gesamte Gemeindegebiet zunächst bis Ende August. Gleiches gilt für Schmitten oder Weilrod. Wer dennoch unzulässigerweise den Hahn aufdreht, muss möglicherweise tief in die Tasche greifen. «Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis 5000 Euro geahndet werden», heißt es in der erst im vergangenen Jahr erlassen Gefahrenabwehrverordnung von Schmitten.

In Hessen wird nach Angaben des Umweltministeriums 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zufolge sind wegen der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre die Grundwasserstände verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Ende Juli seien die Grundwasserstände an 60 Prozent der Messstellen unterdurchschnittlich gewesen.

Versorger mahnen: «Bei länger anhaltender Trockenheit kann es zu vorsorglichen Einschränkungen der Trinkwasserversorgung kommen. Deshalb sollten alle Bürgerinnen und Bürger stets prüfen, wann und für welchen Zweck das hochwertige Lebensmittel Trinkwasser verwendet wird», sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke (ZMW), Karl-Heinz Schäfer. Es solle etwa darauf verzichtet werden, Pools zu befüllen oder das Auto zu waschen. Der ZMW, der rund 500 000 Menschen in 27 mittelhessischen Gemeinden versorgt, habe bereits Anfang Juni zum Wassersparen aufgerufen.

Die Trinkwasserversorgung sei im ZMW-Gebiet derzeit nicht gefährdet. «Die Trinkwassernachfrage hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Gerade die letzten beiden Rekordsommer 2018 und 2019 mit ständiger Hitze und Dürre haben zunehmend gravierende Folgewirkungen», sagte Schäfer. Und auch dieser Sommer sei zu warm. «Die niedrigen Grundwasserstände aufgrund der geringen Niederschlagsmengen in den letzten zwei Jahren sind überregional festzustellen.»

Auch der Wasserversorger Entega in Südhessen mahnt: «Grundsätzlich sollte man sparsam und bewusst mit dem Trinkwasser umgehen.» Gerade an den heißen Sommertagen sollte man in den Spitzenverbrauchszeiten zwischen 7.00 Uhr und 9.30 Uhr und abends zwischen 18.00 Uhr und 21.00 Uhr keine großen Wassermengen, etwa um ein Schwimmbecken zu befüllen, abzapfen, sagte Sprecher Michael Ortmanns. Diese würden sich auf die ohnehin schon hohen Verbrauchswerte addieren und könnten zu Überlastungen und Druckreduzierungen der Versorgungsnetze führen.

Entega versorgt rund nach eigenen Angaben rund 240 000 Menschen Wasser. Der durchschnittliche Verbrauch im Versorgungsgebiet liege bei 40 000 Kubikmetern pro Tag, an Spitzentagen im Sommer bei rund 70 000. Nach Angaben des hessischen Städte- und Gemeindebunds haben sich bereits viele Gemeinden genötigt gesehen, ihre Bürgerinnen und Bürger darauf hinzuweisen, dass sie größere Wasserentnahmen anmelden. Der Geschäftsführer David Rauber sagte auch mit Blick auf den Urlaub zu Hause in Zeiten der Pandemie: «Die Schwimmbäder sind inzwischen aber vielerorts wieder offen. Sie werden auch stets mit einem hohen Hygienestandard betrieben. Deshalb kann man nur appellieren, die öffentlichen Schwimmbäder zu nutzen, soweit sie wieder geöffnet worden sind.» Auch das Umweltministerium geht davon aus, dass die eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten in diesem Sommer Auswirkungen auf den Verbrauch haben.

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