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Fahrrad-Boom dauert an: Werkstätten und Radwege füllen sich

05.04.2021 - Das Fahrrad macht sich auf, ein erneutes Rekordjahr hinzulegen. Der Ausbau von Radwegen und Abstellanlagen hinkt dabei hinterher. Grund seien jahrzehntelange Versäumnisse der Politik, erklärt der Fahrrad-Verband ADFC.

  • Nicolo Quagli, Mechaniker in der Werkstatt des Frankfurter Fahrradladens Per Pedale, wartet ein E-Bike. Foto: Arne Dedert/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Nicolo Quagli, Mechaniker in der Werkstatt des Frankfurter Fahrradladens Per Pedale, wartet ein E-Bike. Foto: Arne Dedert/dpa/Aktuell © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Pandemie hat dem Fahrrad auch in Hessen enormen Rückenwind verschafft. Immer mehr Menschen steigen aufs Fahrrad, sei es zum Pendeln oder zum Freizeitsport. Die Nachfrage übersteigt auch in diesem Jahr die Kapazitäten bei Händlern und Werkstätten: Schon gibt es Lieferschwierigkeiten und Wartelisten. Auch der Ausbau der zum Radeln nötigen Infrastruktur hinkt hinterher, wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisiert. Ein Überblick über die Situation.

TRENDS

E-Bike, E-Bike, E-Bike - das scheint 2021 angesichts weiter eingeschränkter Reisemöglichkeiten wegen der Corona-Pandemie der große Trend zu bleiben. Gekauft wurden nach Angaben der Branchenverbände ZIV und VDZ vergangenes Jahr vor allem hochwertige und teure Fahrräder, die Verbände rechnen mit anhaltend hoher Nachfrage. Gefragt sind Pedelecs, deren Motor Unterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde leistet - zunehmend auch in sportlicher Version als Mountainbike oder Rennrad. Immer häufiger gekauft werden auch Lastenfahrräder mit Batterie-Unterstützung, allerdings eher in den Städten als auf dem Land.

LÄDEN

Die Auswahl in den Läden schrumpft bereits. Inhaber berichten von Lieferzeiten einiger Modelle bis in den November hinein. «Brenzlig» nennt etwa Doris Schumacher von Fahrrad Ambrosius in Wiesbaden die Situation, viele Modelle seien in diesem Jahr gar nicht mehr nachzubestellen. «Die Nachfrage ist ungebrochen», sagt Peter Leibe, Geschäftsführer von Per Pedale in Frankfurt. Vergangenes Jahr habe er ein Umsatzplus von 50 Prozent gemacht, das Lager sei am Ende leer gewesen. In diesem Jahr rechnet er mit 30 Prozent plus im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Er habe sogar Kunden, die eigens aus Braunschweig und Freiburg nach Frankfurt kämen, um ihr Wunschmodell kaufen zu können.

WERKSTÄTTEN

Repariert werden in beiden Läden vorrangig Räder, die auch dort gekauft wurden. Leibe berichtet von einer Wartefrist von derzeit rund einer Woche, würde er die zehn Arbeitsplätze in seiner Werkstatt aufstocken, wäre immer noch genug zu tun. Ersatzteile seien allerdings nicht wie gewohnt verfügbar. Fahrrad-Ambrosius berichtet von teils monatelangen Lieferfristen, auch hier gibt es mehr Anfrage an die Werkstatt, als zu bewältigen sei. Die Werkstätten sind derzeit offen, die Läden dürfen nur unter strengen Corona-Auflagen Kunden bedienen. Beratung findet per Telefon oder Video statt.

INFRASTRUKTUR

Derzeit sei so viel Geld für den Ausbau von Radwegen vorhanden, wie noch nie zuvor, sagt ADFC-Landesgeschäftsführer Norbert Sanden. Die Kommunen müssten die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Summen aber auch abrufen und anfangen, zu planen. Im Mitte März veröffentlichten ADFC-Fahrrad-Klimatest kam von 106 hessischen Ortschaften das Gros nicht über eine Note 4 hinaus. Fortschritte gab es zwar für Frankfurt und Wiesbaden. Die Verkehrswende müsse aber überall stattfinden, nicht nur in den großen Städten, erklärte der ADFC. «Der Radverkehr wurde jahrzehntelang auf allen Ebenen vernachlässigt», sagte Sanden. Nun müsse aufgeholt werden, so dass sich das veränderte politische Klima in Sachen Rad- und Fußverkehr rasch vor Ort in konkreten Verbesserungen niederschlage.

AUSBLICK

Klar ist: Aus den Reihen der Radfahrerinnen und Radfahrer wird weiter politischer Druck kommen. Zum einen von Initiativen, die Radentscheide in Gang setzen - zuletzt kam Groß-Gerau hinzu, die Unterschriftensammlung läuft seit Mitte Februar. Unter anderem in Frankfurt waren so erhebliche Investitionen in den Ausbau von Radwegen angestoßen worden. Und dann bereiten mehrere Verbände eine Abstimmung auf Landesebene vor. Im Zentrum wird ein Verkehrswendegesetz stehen, mit dem die Förderung umwelt- und klimafreundlicher Verkehrsmittel durchgesetzt werden soll.

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