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Frankfurter Awo-Geschäftsführer tritt zurück

12.12.2019 - Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Sonderprüfungen und Neuwahlen sind anberaumt. Nun folgt eine personelle Konsequenz bei der Frankfurter Awo. Auch Oberbürgermeister Feldmann sah sich im Stadtparlament kritischen Fragen gegenüber.

  • Das Logo der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist an einem Gebäude im Ostend der Stadt zu sehen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Logo der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist an einem Gebäude im Ostend der Stadt zu sehen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Nach Kritik wegen überhöhter Gehälter und teurer Dienstwagen bei der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Der Zeitpunkt sei gekommen, an dem dieser Schritt «für die Arbeiterwohlfahrt und die laufende Diskussion meines Erachtens hilfreich sein wird», heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung Richters. Der in der Affäre ebenfalls mit Vorwürfen konfrontierte Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) räumte unterdessen Fehleinschätzungen ein.

Die «ständigen personalisierten Angriffe in den Medien» hätten ihn schwer getroffen, erklärte Richter. Er könne und wolle sich dem nicht länger aussetzen. Gleichwohl nehme er die Vorwürfe ernst, erklärte Richter, und verwies auf Maßnahmen, die die Awo ergriffen habe, darunter Sonderprüfungen durch den Bezirksverband sowie Wirtschaftsprüfer und eine vorgezogene Neuwahl des Präsidiums als Aufsichtsgremium.

Es seien auch Fehler öffentlich gemacht worden, dazu zählten die bisherige Dienstwagenrichtlinie und mangelnde Kommunikation. Mit seinem Schritt sei aber kein Schuldanerkenntnis verbunden, erklärte Richter. Kürzlich erhobene Mobbingvorwürfe wies er zurück. Richter wäre nach Angaben des Kreisverbands zum Jahresende in den Ruhestand gegangen; seine Nachfolge soll im Januar geregelt werden.

Der Frankfurter Awo-Kreisverband steht seit Wochen in der Kritik. Es laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Betruges und der Untreue mit Geldern der Stadt. Hinzu kommen Medienberichte über Luxus-Dienstwagen und ungewöhnlich hohe Gehälter für einige Mitarbeiter. Anfang Dezember hatte der Verband erste Konsequenzen angekündigt, etwa eine Überarbeitung der Dienstwagenrichtlinie, auch das Gehaltsgefüge und Eingruppierungen sollen überprüft werden.

In dem Zusammenhang war auch der Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann in die Kritik geraten, unter anderem, weil seine heutige Ehefrau als Leiterin einer Awo-Kindertagesstätte einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekam. Dies bestätigte Feldmann am Donnerstag auf entsprechende Fragen von Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung. Seine Frau habe den Dienstwagen auch noch während einer Elternzeit genutzt.

Hier wäre im Nachhinein betrachtet sicherlich «mehr Sensibilität angebracht» gewesen, sagte Feldmann. Er selbst habe keinen Einfluss auf die Bezahlung seiner Frau gehabt - deren Höhe ebenfalls kritisiert wird - und sei davon ausgegangen, dass diese angemessen gewesen sei und sich die Awo an tarifliche Bestimmungen halte.

Feldmann sagte, er bedauere, zu lange zu den Vorwürfen geschwiegen zu haben. Sie hätten ihn erschüttert und müssten aufgeklärt werden. Stellten sie sich als zutreffend heraus, müssten Konsequenzen gezogen werden.

Der Awo-Bundesverband erklärte zu Richters Rücktritt: «Wir nehmen diesen Schritt als Konsequenz aus den bisherigen Entwicklungen zur Kenntnis. Seine Prüfung wird der Awo-Bundesverband unverändert fortsetzen», erklärte Vorstandschef Wolfgang Stadler. Auch der Wiesbadener Kreisverband steht in der Kritik wegen ungewöhnlich hohen Gehältern einiger Mitarbeiter - und enger personeller Verflechtung mit dem Frankfurter Verband.

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