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Hessentag feiert Festzug zum Abschluss: 862 000 Besucher

17.06.2019 - Ausgelassene Stimmung zum Abschluss des Hessentags: Ein Festzug durch Bad Hersfeld präsentiert die Vielfalt des Landes, mit Trachten und regionalen Spezialitäten. Auch die Bilanz kann sich sehen lassen. Es kamen mehr Besucher als erwartet - 862 000.

  • Der Motivwagen „Lullusfest Verein“ ist beim großen Festumzug auf dem 59. Hessentag auf der Festmeile. Zuschauer, hinter der Absperrung stehend, wohnen dem Festumzug bei. Foto: Swen Pförtner © dpa - Deutsche Presse-Agentur...

    Der Motivwagen „Lullusfest Verein“ ist beim großen Festumzug auf dem 59. Hessentag auf der Festmeile. Zuschauer, hinter der Absperrung stehend, wohnen dem Festumzug bei. Foto: Swen Pförtner © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bad Hersfeld (dpa/lhe) - Zum Abschluss des 59. Hessentags ist in Bad Hersfeld ein stimmungsvoller Festzug über die Bühne gegangen. Die rund 140 Teilnehmer-Nummern zeigten mit ihren Motivwagen, Fuß- und Trachtengruppen die Vielfalt des Landes und seiner Traditionen. Stadt und Land zogen eine positive Bilanz zu dem am Sonntag zu Ende gegangenen, zehntägigen Landesfest: Nach Angaben der hessischen Staatskanzlei wurden 862 000 Menschen in der osthessischen Kur- und Festspielstadt gezählt. Die Kommune hatte im Vorfeld mit rund 700 000 Besuchern kalkuliert.

«Der Hessentag hat gehalten, was er versprochen hat. Er war faszinierend lebendig», lobte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Die Besucher hätten während der Festtage eine «wunderbare Atmosphäre» erlebt. Bad Hersfeld habe die Veranstaltung «meisterlich gestemmt». Und Bouffier betonte: Der Hessentag habe nichts von seinem Ursprungsgedanken verloren. Er bringe Menschen zusammen. «Er unterhält, informiert und vereint Tradition, Gegenwart und Zukunft.» Für ihn sei der Hessentag «ein Stück Heimat».

Der Hessentag wird seit 1961 gefeiert und ist Deutschlands ältestes Landesfest, das ursprünglich nach dem Zweiten Weltkrieg Neubürger und Einheimische vereinen sollte. Aber auch in der Gegenwart könne er bei der Integration mitwirken, sagte Bouffier der Deutschen Presse-Agentur: «Wir haben jetzt wieder viele Menschen, die in unser Land gekommen sind und hier heimisch werden sollen.» Der Hessentag könne helfen, «innere Verbundenheit» aufzubauen. Auch der Bad Hersfelder Bürgermeister (parteilos) zog eine positive Bilanz: Es sei «eine sehr erfolgreiche und friedliche Großveranstaltung» gewesen.

Zum Ende des Hessentags erlebten die Besucher mit dem Festzug einen der letzten Höhepunkte. An der 2,1 Kilometer langen Strecke durch die Innenstadt standen die Zuschauer und applaudierten den Teilnehmer-Gruppen. Städte, Vereine und Institutionen präsentierten sich. Da auch viele Musik- und einige Karnevalsvereine dabei waren, hatte der Umzug etwas von Fastnacht. Als eine Bergmannskapelle vor der Ehrentribüne das Steigerlied spielte, erhoben sich auch zahlreiche Minister und Mitglieder der hessischen Landesregierung in der ersten Reihe und klatschten rhythmisch mit.

Der Ministerpräsident griff auch mal selbst zum Taktstock und dirigierte ein Polizei-Orchester. Bouffier, der an der Ehrentribüne viele Hände schüttelte und für Fotos posierte, bekam massenhaft Präsent-Körbe mit regionalen Spezialitäten überreicht. 3000 Teilnehmer liefen im Festzug mit. Zehntausende Zuschauer verfolgten das bunte Treiben entlang der Strecke.

Zuschauer-Magneten waren während des Hessentags die Konzerte. Zu den Highlights zählten die Auftritte von Silbermond, Roland Kaiser, ZZ Top, die Kelly Family und FFH Just White, einer Party ganz in weiß.

Am Sonntagabend setzte Rea Garvey mit seinem Abschlusskonzert noch ein letztes Ausrufezeichen hinter einen gelungenen Hessentag. In der 15 000 Zuschauer fassenden Arena im Jahnpark brachte er die 11 000 Fans in Stimmung und präsentierte zahlreiche Hits wie «Is it love?», «Can't Stand the Silence» und «Oh my Love». Er scherzte mit dem Publikum, bedankte sich für die Unterstützung und frotzelte: «Ihr wart laut, aber so laut nun auch wieder nicht - wir haben keine Rückmeldung von der Polizei bekommen.» Garvey zeigte auch eine ernsthafte und nachdenkliche Seite und sensibilisierte sein Publikum für den Klimaschutz. Auf einer Videoleinwand ließ er einen Clip der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Gretas Thunberg einspielen.

Bouffier sagte, der Hessentag sei «ein einmaliges Ereignis der Begegnung, des Sehens und Wiedersehens». Neben vielen Info-Angeboten und Möglichkeiten zum Diskutieren biete es auch Raum für geselliges Beisammensein und zum Feiern. Damit reagierte der Landesvater auch auf Kritik am Hessentag. Der Bund der Steuerzahler in Hessen hatte das Ausmaß des Volksfestes kritisiert.

Der Steuerzahler-Bund monierte: «Was in den 1960er Jahren als bescheidenes Fest an einem Wochenende begann, ist zu einer zehntägigen Party ausgeufert, die aus unterschiedlichen öffentlichen Kassen mit rund 20 Millionen Euro subventioniert wird.» Es sei längst kein heimeliges Fest mehr zur Stärkung der hessischen Identität.

In einem Interview mit der «Hersfelder Zeitung» (Montag) verwies Bouffier auf die zahlreichen positiven Effekte für die Stadt. «Nicht zu vergessen ist der ganz beachtliche Imagegewinn. Bad Hersfeld war zehn Tage in aller Munde.» Und: «Gar nicht in Euro zu messen, ist vor allem die Zusammengehörigkeit, das Wir-Gefühl, das bei einem Hessentag entsteht.» Zudem habe der Hessentag einen herausragenden Impuls für eine nachhaltige Stadtentwicklung gegeben. «Die Investitionen des Landes in die Infrastruktur sind enorm», sagte Bouffier. Sechs Millionen Euro seien in der Stadt investiert worden. «Der Hessentag rechnet sich für die ausrichtenden Städte», befand Bouffier. Die nächsten drei Hessentage finden in Bad Vilbel (2020), Fulda (2021) und Haiger (2022) statt.

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