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Interview über Homosexuelle: Professor erneut vor Gericht

17.07.2020 - Nach provokativen Aussagen über Homosexuelle steht ein Kasseler Professor erneut vor Gericht. Er ist wegen Volksverhetzung angeklagt. Der Biologie kündigt an, seine Aussagen zu belegen.

  • Der Wissenschaftler Ulrich Kutschera zeigt im Gerichtssaal sein Buch "Das Gender-Paradoxon". Foto: Göran Gehlen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Wissenschaftler Ulrich Kutschera zeigt im Gerichtssaal sein Buch "Das Gender-Paradoxon". Foto: Göran Gehlen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera muss sich wegen seiner umstrittenen Aussagen über Homosexuelle erneut vor Gericht verantworten. Am Montag (20. Juli) beginnt die Verhandlung vor dem Amtsgericht Kassel. Ein erster Prozess war im vergangenen Sommer geplatzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung vor.

Kutschera ist Evolutionsbiologe an der Universität Kassel. Die Vorwürfe gegen ihn beziehen sich auf ein Interview, das 2017 auf dem katholischen Internetportal kath.net erschien. Es drehte sich um das Thema «Ehe für alle», also Eheschließungen unter Personen gleichen Geschlechts. Unter anderem hatte Kutschera erklärt: «Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen.» An anderer Stelle sprach er bei Homo-Männerpaaren mit Adoptivsohn unter bestimmten Umständen von einem möglichen «Horror-Kinderschänder-Szenario».

Wegen der Aussagen hatten mehrere Homosexuelle und Kasseler Studentenvertreter Anzeige gegen Kutschera erstattet. Die Anklage wirft ihm vor, unter dem Vorwand angeblicher «biowissenschaftlicher Fakten» Homosexuellen eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern zuzuschreiben.

Kutschera steht bis heute zu seinen provokativen Aussagen. «In der Hauptverhandlung werde ich unter Vorlage wissenschaftlicher Dokumente belegen, dass alle meine Aussagen zur «Ehe für alle» und dem «Kindesadoptionsrecht» sachlich korrekt sind.» Er sei dankbar dafür, vor Gericht die Öffentlichkeit über die Themen «Pädosexualität», «Vater- bzw. Mutter-Entbehrung» und das «Kindeswohl» aufklären zu dürfen. «Die gegen mich erhobenen Anschuldigungen weise ich mit Bezug auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit zurück. Als politisch neutraler Selbstdenker und international tätiger Evolutionsforscher werde ich die «Biologie des Menschen» gegenüber der Gender-Ideologie verteidigen.»

Bereits der erste wegen Terminproblemen geplatzte Prozess hatte ungewöhnlich begonnen. Kutschera ließ statt einer Erklärung biowissenschaftliche Definitionen vorlesen, zudem beantragte die Verteidigung, sein Buch «Das Gender-Paradoxon» als Beweis einzuführen. «Erst nach Einführung des Buches wird ersichtlich werden, dass Äußerungen auf biologischem Fachwissen beruhen», hatte sein Anwalt erklärt. Das Kutschera auch Gegenwind von Wissenschaftlern bekommt, wurden beim ersten Prozess deutlich. Ein 51-jähriger Zeuge, der Arzt, Kulturwissenschaftler und Psychotherapeut war, bezeichnete die Äußerungen als «unqualifizierte Aussagen eines Pflanzenbiologen».

Zusammen mit den Vorwürfen wird auch eine angebliche Unfallflucht Kutscheras verhandelt. Weil der Professor für einige Studenten und die homosexuelle Szene als Reizfigur gilt, wird wieder mit erheblichem Andrang zu dem Prozess gerechnet. Zum Auftakt sind elf Zeugen geladen, ein Fortsetzungstermin Anfang August ist vorgesehen.

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