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Lufthansa und Tui kämpfen in Coronakrise um Existenz

19.03.2020 - Die Coronakrise trifft Luftverkehr und Touristik als erste Branchen. Selbst große Konzerne wie Lufthansa und Tui stürzen in heftige Turbulenzen. Kurzarbeit alleine wird zum Überleben nicht ausreichen.

  • Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Coronakrise zwingt die Lufthansa und den Reisekonzern Tui in den Existenzkampf. Die Vorstände beider Unternehmen setzen deshalb auf einen strikten Sparkurs und Kurzarbeit für viele tausend Mitarbeiter. Angesichts komplett weggebrochener Buchungen und ungewisser Dauer der Pandemie verlangen Verbände und Politiker zudem direkte Staatshilfen. Allein die Fluggesellschaften brauchten global rund 200 Milliarden Dollar (185 Mrd Euro) Nothilfe, wie der Airlineverband IATA am Donnerstag in Genf erklärte. Mehrere Tourismusunternehmen verlängern den Reisestopp. Branchenprimus Tui Deutschland sagte sämtliche Reisen bis zum 23. April ab.

Die Lufthansa und ihre Töchter wollen zunächst mit einem beispiellosen Sparprogramm durch die Coronakrise kommen. Der Dax-Konzern legt nahezu die gesamte Flotte still, schickt Zehntausende Mitarbeiter in die Kurzarbeit und wirbt um milliardenschwere Staatshilfen. Diese würden immer wahrscheinlicher, je länger die Krise andauere, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Wie lange sein Unternehmen durchhalten kann, wollte er nicht prognostizieren. «Wir wissen nur, dass wir es länger durchhalten als andere.» Man habe aber auch schon mit der bundeseigenen KfW-Bank über die Möglichkeiten gesprochen.

Bei Tui Deutschland sollen die Beschäftigten für ein halbes Jahr in Kurzarbeit gehen. Die mit dem Management vereinbarte Regelung greife für die Zeit vom 1. April bis zum 30. September, hieß es in einer Information des Konzernbetriebsrats. Das Unternehmen will demnach über die gesamte Phase verschieden hohe Anteile von Kurzarbeit in verschiedenen Bereichen einführen. Einzelheiten würden derzeit noch verhandelt, war am Donnerstag aus der Zentrale in Hannover zu hören. Tui hat bereits beschlossen, Staatsbürgschaften zu beantragen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) setzte sich für rasche staatliche Hilfen ein. Tui sei eigentlich kerngesund, sagte er der dpa. Der Nachfrageeinbruch wegen der Pandemie und die erzwungenen Streichungen seien nun aber bedrohlich: «Jetzt ist innerhalb kürzester Zeit das ganze Geschäftsmodell infrage gestellt.»

Nach Hochrechnungen des Branchenverbandes DRV summiert sich der Ausfall bei den deutschen Veranstaltern und Reisebüros allein bis Ende April auf mehr als 4,8 Milliarden Euro und werde weiter steigen. «Ein Schutzschirm für die Reisewirtschaft ist jetzt dringend notwendig. Die Politik ist gefordert, diese Umsatzausfälle mit einer Beihilfe auszugleichen», forderte DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Nach der Krise werde nicht nur die globale Branche, sondern auch das Unternehmen Lufthansa ein anderes sein, sagte Spohr bei der Bilanzvorlage für 2019 in Frankfurt. «Wir haben eine kleinere Lufthansa-Gruppe vor uns.» Für die Hauptreisezeit im Sommer wagte der Manager wie für das gesamte Geschäftsjahr keine Prognose. Um die Fixkosten zu senken, plant der Konzern Kurzarbeit von mehreren zehntausend Beschäftigten, will allerdings möglichst geringe Zuschüsse oberhalb der Sozialleistungen zahlen. Je weniger Zuschuss fließe, desto mehr Beschäftigte könnten an Bord bleiben, erklärte Spohr. Es sei Unternehmensziel, möglichst alle 140 000 Beschäftigten weiter zu beschäftigen. In Deutschland sei bereits Kurzarbeit für 31 000 Kabinen-Mitarbeiter der Lufthansa AG beantragt. Möglich sei Kurzarbeit für den vollen Arbeitsumfang über ein ganzes Jahr.

Nächste Woche seien nur noch 50 Flüge pro Tag plus einige Eurowings-Verbindungen geplant, schilderte Spohr die Situation. Interkontinentalflüge starteten nur noch von Frankfurt und dreimal pro Woche mit der Swiss ab Zürich. «Der Flugplan von 1955 sah genauso aus wie der, den wir in der kommenden Woche fliegen.» Rund 700 der 763 Flugzeuge in der Konzernflotte stehen dann über viele Flughäfen verteilt am Boden. In Frankfurt wird dafür eine Landebahn gesperrt.

Als einziger Betriebsteil floriert noch die derzeit voll ausgelastete Frachttochter Lufthansa Cargo. «Die Nachfrage steigt täglich», sagte Spohr. Das Unternehmen prüfe daher den Fracht-Einsatz verschiedener Langstreckenjets aus der Passagierflotte. Zusätzlich sind die Kranich-Jets wie auch die Tui-Flieger im Charter-Einsatz für die Luftbrücke der Bundesregierung, um gestrandete Touristen nach Hause zu holen. «Wir wollen uns daran nicht gesundstoßen», sagte Spohr.

Das Lufthansa-Management versucht, das Geld zusammenzuhalten. Die Aktionäre sollen auf die Dividende verzichten, Boni werden möglicherweise in Form von Aktien ausgegeben. Die Lufthansa hat sich neue Kredite gesichert und verfügt laut Spohr einschließlich einer Kreditlinie über flüssige Mittel von 5,1 Milliarden Euro. Zudem könne die Lufthansa Flugzeuge im Wert von 10 Milliarden Euro als Sicherheit bei Banken einbringen. «Unsere Bilanz ist stärker, die Eigentumsquote ist höher als bei fast allen unserer Wettbewerbern.»

Der Lufthanseat macht sich Sorgen um Europas Fluggesellschaften und ihre künftige Rolle. Die Weltwirtschaft schrumpfe, und die Luftfahrt werde von solchen Entwicklungen normalerweise doppelt so stark getroffen. China habe seine Fluggesellschaften in der Krise weitgehend verstaatlicht, die USA gewährten den heimischen Fluglinien erhebliche Finanzhilfen, und selbst die seit Jahren insolvente italienische Fluglinie Alitalia kommt wieder in staatliche Hände.

Im abgelaufenen Jahr musste die Lufthansa wegen einer Preisschlacht im Europageschäft und gestiegener Kerosinpreise einen herben Gewinnrückgang hinnehmen. Während der Umsatz um 2,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro stieg, sackte der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) um 29 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro zusammen. Der Nettogewinn brach sogar um 44 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein, war aber immerhin noch das drittbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte.

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