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Mahnwache nach Hanau: Steinmeier gedenkt der Opfer

20.02.2020 - «Wir sind bei Ihnen, wir fühlen mit Ihnen», ruft eine Frau einer sichtlich erregten Frau mit Kopftuch zu. Die Szene spielt sich kurz vor der Mahnwache nach der Hanauer Gewalttat ab. Die Stadt rückt an diesem Abend ein Stück weit zusammen, mit Worten, Kerzen und Blumen.

  • F.-W. Steinmeier (2.v.l), Bundespräsident, und seine Frau E. Büdenbender (2.v.r) halten Kerzen. Foto: Boris Roessler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    F.-W. Steinmeier (2.v.l), Bundespräsident, und seine Frau E. Büdenbender (2.v.r) halten Kerzen. Foto: Boris Roessler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin/Hanau (dpa) - Nach der Gewalttat in Hanau hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Mahnwache auf dem Markt der hessischen Stadt zu Zusammenhalt aufgerufen. «Was geschehen ist, das schlägt eine tiefe Wunde in diese Stadt», sagte er am Donnerstagabend auf dem gut gefüllten Marktplatz. «Eine Wunde, die nur heilen wird, wenn wir Gemeinsamkeit nicht nur in der Stunde des Schreckens zeigen, sondern auch an den Tagen, die kommen und auf Dauer zeigen.» Nach Polizeiangaben waren rund 5000 Menschen bei der Mahnwache.

Während der Rede Steinmeiers sowie der Reden des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und des Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky (SPD) waren immer wieder «Nazis raus»-Rufe zu hören, andere forderten die Herausgabe der «NSU-Akten». Steinmeier hatte vor der Mahnwache die Tatorte des mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlags von Mittwochabend besucht. Gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender traf sich Steinmeier im Rathaus auch mit etwa 20 Angehörigen von Opfern.

Ein Deutscher hatte in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der 43-jährige Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. «Nichts kann diese sinnlose Tat erklären», sagte Steinmeier. Sie mache fassungslos, traurig und auch zornig. Der Bundespräsident sprach von einem Terrorakt und stellte ihn in eine Reihe mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dem Anschlag in Halle. Sprache bereite allzu häufig Gewalt den Weg. «Achten wir auf unsere Sprache, in der Politik, in den Medien und überall in der Gesellschaft.»

Bouffier sprach auf der Bühne am Hanauer Markt von einem «Tag des Schreckens» und einem «Tag des Grauens». Gerade jetzt gelte es, zusammenzustehen. Dieses Verbrechen, das unter anderem «rassistischen Wahnvorstellungen» gefolgt sei, müsse Menschen Angst machen. An die Besucher gerichtet sagte Bouffier: «Wir lassen und nicht spalten.» Zu Beginn der Mahnwache hatte sich OB Kaminsky für eine «Welle der Anteilnahme» aus aller Welt bedankt, die Hanau erreicht habe.

Wenige Meter hinter der Bühne legten Menschen am Denkmal der Brüder Grimm Blumen nieder und zündeten Kerzen an - ebenso am nur wenige hundert Meter entfernten Heumarkt, einem der Tatorte aus der Nacht. Dort war die Stimmung zeitweise aufgeheizt, Passanten diskutierten miteinander. Ein Mann sagte, die fortdauernde «Islam-Hetze» im Land habe mit zu der Tat in Hanau beigetragen, dafür erntete er so manchen Applaus. Andere Menschen trauerten still, zeigten sich fassungslos. «Es hätte jeden treffen können», meinte eine Besucherin der Mahnwache nachdenklich.

Vor der Bühne am Marktplatz hielten einige Menschen Fotos von Opfern hoch. Ein paar Meter weiter stand eine Gruppe mit Plakaten. «75 Jahre nach Auschwitz - nie wieder Faschismus» ist darauf zu lesen oder auch «Rassismus tötet». Zu ihnen zählt Frederik Fauth, der sich auch für Fridays for Future engagiert. Ihm gehe es darum, Anteilnahme mit den Opfern zu zeigen, nun sei der Rassismus auch in Hanau angekommen.

«Man muss verhindern, dass die vergiftete Atmosphäre weiter vergiftet wird», sagte der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel zum Kampf gegen Hass im Internet und sozialen Medien. Er hatte einige der Verletzten im Krankenhaus besucht und mit dem Vater eines getöteten jungen Mannes gesprochen. «Er sagte, es ist ein Trost, dass der Bundespräsident und der Ministerpräsident gekommen sind. Aber das bringe seinen Sohn auch nicht zurück.»

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