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Marx: Synodalversammlung ist «guten Schritt vorangekommen»

02.02.2020 - Ein Bischof spricht von einer «Zukunftswerkstatt». Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland soll einen hierarchiefreien Raum ermöglichen. Nicht alle sind glücklich darüber.

  • Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Nach der ersten Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland sieht der Münchner Kardinal Reinhard Marx den gestarteten Reformprozess «einen guten Schritt vorangekommen». «Die Erwartungen - und vielleicht auch die Befürchtungen - waren riesig», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag zum Abschluss der Plenarversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt. «Das Anliegen aller, die Kirche voranzubringen, war spürbar.»

Mit dem Synodalen Weg sei ein geistliches Experiment in Gang gebracht worden, mit einer sehr freimütigen und offenen Interpretation der kirchlichen Ordnung und Gesprächen auf Augenhöhe zwischen Bischöfen und Laien, sagte Marx, der in der kommenden Woche Papst Franziskus über den bisherigen Verlauf informieren will.

Die katholische Kirche in Deutschland hat als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal einen Reformprozess gestartet, den Synodalen Weg. Oberstes Organ dabei ist die aus 230 Bischöfen, Gläubigen und Vertretern verschiedener Berufe in der Kirche besetzte Synodalversammlung.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode nannte den am Donnerstagabend eröffneten Gesprächsprozess eine «großartige Zukunftswerkstatt unserer Kirche». Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sprach von einem zeitgerechteren Bild der Kirche. Wenn in den folgenden Versammlungen erst in die thematische Arbeit über die Themen Macht in der Kirche, Ämter von Frauen oder Sexualität eingestiegen werde, werde es allerdings wohl schwieriger werden, Mehrheiten zu finden.

Diese positive Einschätzung wurde allerdings nicht von den konservativen Vertretern unter den Bischöfen geteilt. Alle seine Befürchtungen seien eingetreten, sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki dem «Domradio» - etwa dass gewissermaßen ein protestantisches Kirchenparlament geschaffen werde. «Protestantisch» sei kein Schimpfwort, sagte Marx zu dieser Äußerung, und Sternberg wandte sich gegen «Hierarchievorstellungen aus dem 19. Jahrhundert». Er nehme aus den bisherigen Abstimmungen den Eindruck mit: «Es gibt eine überwältigende Mehrheit, die wirklich Veränderungen will.»

Zuvor hatten am Samstag durchaus kontroverse Diskussionen den letzten Tag der Synodalversammlung geprägt. Die 230 Teilnehmer des Reformprozesses Synodaler Weg sprachen in Frankfurt über Sexualität, Zölibat und die Position von Frauen in der Kirche. Dabei gab es auch bei Vertretern der Bischöfe unterschiedliche Positionen.

«Verheiratete Priester zuzulassen heißt nicht, den Zölibat abzuschaffen», sagte Bischof Bode über seine persönliche Meinung zum Thema Ehelosigkeit bei Priestern. «Ich bin für beides, zur bewussten Entscheidung zum Zölibat.» Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp versicherte, er lebe gerne den Zölibat, «mit allen Höhen und Tiefen».

Zahlreiche Wortmeldungen prägten vor allem die Diskussion über Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche. «Frauen kommen mit Macht und sie sind hier, mitten unter uns», sagte eine Teilnehmerin. Es gehe nicht nur um die Frauenfrage, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit der Kirche, sagte Claudia Lücking-Michel vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. «Das Weiterbestehen der Kirche hängt davon ab. Die Frauen gehen, wir haben nicht mehr so viel Zeit.»

Für eine Aufhebung des Zölibats sprach sich erneut auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer aus. «Ich wünsche mir viel mehr Frauen in der Kirche und als ersten Schritt die Zulassung von Frauen als Diakonin», sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ein Ende des Zölibats könnte die katholische Kirche attraktiver machen, so die CDU-Chefin.

Lob für die ersten Beratungen des Synodalen Wegs gab es von Beobachtern aus Nachbarländern und anderen christlichen Kirchen: «Jeder Beobachter spürt: Es geht hier nicht um Kleinigkeiten», sagte Thies Gundlach, der die Synodalversammlung als Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beobachtete, am Samstag in Frankfurt. «Sie trauen sich eine Operation am offenen Herzen - Chapeau!» Auch wenn keines der Gesprächsthemen die Machtverteilung in der Kirche, die Rolle der Frau oder die Sexualmoral die Ökumene behandle, seien sie alle «ökumenisch höchst relevant».

Justizministerin Christine Lambrecht verwies mit Blick auf die Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche auf geltendes Recht. «Kirchenrecht bricht nicht unsere Strafprozessordnung und Staatsanwaltschaften können selbstverständlich auch in kirchlichen Einrichtungen durchsuchen und auch beschlagnahmen», sagte die SPD-Politikerin am Sonntag in der ZDF-Sendung «Berlin direkt». «Wir kennen keine Geheimarchive und das werden wir auch genauso durchsetzen.»

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