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Massenhafter Datenklau: Anklage gegen 22-Jährigen aus Hessen

26.05.2020 - Der Fall hatte für viel Aufsehen gesorgt. Ein junger Mann aus Hessen veröffentlichte teils sensible Daten von zahlreichen Politikern und Prominenten im Netz. Nun wurde Anklage gegen den 22-Jährigen erhoben.

  • Die beleuchtete Tastatur eines Laptops spiegelt sich im Bildschirm. Foto: Silas Stein/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die beleuchtete Tastatur eines Laptops spiegelt sich im Bildschirm. Foto: Silas Stein/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Fall eines massiven Online-Angriffs auf etwa 1000 Politiker und Prominente hat die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen einen 22 Jahre alten Deutschen erhoben. Der Beschuldigte soll unter anderem im Dezember 2018 persönliche Daten, darunter die von 993 Politikern, über den Twitter-Account «@_0rbit» mit dem Nutzernamen «G0d» als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Auch Prominente und Journalisten waren betroffen. Zunächst hatte die «taz» berichtet.

Die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten hatte damals für viel Aufsehen gesorgt. Besonders betroffen war Grünen-Parteichef Robert Habeck. Aber auch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war ein Datensatz - unter anderem mit Faxnummer und einer E-Mail-Adresse - aufgetaucht. Beim sogenannten «Doxxing» geht es Tätern vor allem darum, den Schutz der Privatsphäre zu verletzen und möglichst viele personenbezogene und vertrauliche Daten zugänglich zu machen.

Im konkreten Fall waren via Twitter Links auf Textdokumente veröffentlicht worden, in denen wiederum die vertraulichen Informationen standen. Außerdem waren in den Textdokumenten Links zu vertraulichen Dateien enthalten. Dabei handelte es sich um Scans von Ausweisdokumenten, PDF-Dateien von Briefen, Screenshots von Chat-Verläufen und andere sensible Inhalte.

Laut der am Dienstag bekannt gemachten Anklage soll der Mann zudem zwischen August 2015 und Januar 2019 in 73 Fällen personenbezogene Daten (insbesondere Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten, Bildaufnahmen und Kommunikation) von Politikern, Journalisten und Prominenten ausgespäht haben. In weiteren Fällen soll er die bereits von Dritten ausgespähten Zugangsdaten von Geschädigten auf einer illegalen und von US-amerikanischen Behörden im Januar 2020 abgeschalteten Hacker-Webseite angekauft haben. Zudem wird ihm versuchte Erpressung von sechs Bundestagsabgeordneten vorgeworfen. So soll er versucht haben, unter Androhung der Veröffentlichung der Daten Bitcoins im Wert von 900 Euro zu erpressen.

Die Anklage beim Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Alsfeld wurde laut Generalstaatsanwaltschaft wegen des «Verdachts des Ausspähens und der Veränderung von Daten, der Vorbereitung des Ausspähens von Daten, der Fälschung beweiserheblicher Daten, der Datenhehlerei, der falschen Verdächtigung, des Vortäuschens von Straftaten, der versuchten Erpressung sowie wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz» erhoben.

Der mutmaßliche Täter war im Januar 2019 in Hessen vorläufig festgenommen worden. Er hatte damals gestanden, die Daten aus Ärger über Politiker und Prominente veröffentlicht zu haben.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner zeigte sich erstaunt über die lange Dauer. Die Anklageerhebung mehr als ein Jahr später lasse stutzig werden, sagte sie der «taz». Der Fall sei keineswegs harmlos: «Das Sammeln und Ausspähen von privaten Daten um Menschen bloßzustellen ist keine Recherche, sondern soll die Betroffenen verletzen und ein Überlegenheitsgefühl bedienen.»

Der Fall hatte damals weite Konsequenzen. Habeck kündigte kurz darauf an, sich als Konsequenz aus dem Ärger um Wahlkampf-Tweets und den Datendiebstahl von Twitter und Facebook zu verabschieden. Die Bundesregierung versprach, die Cyber-Sicherheit verbessern - etwa durch das Errichten eines «Cyber-Abwehrzentrum plus».

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