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Mit Beil und Axt: Gericht verhandelt Attacke auf Ehefrau

12.05.2020 - Eine 31-Jährige wird in Limburg brutal getötet. Täter soll ihr Mann sein. Der Prozess dreht sich um den Vorwurf des Mordes. Oder hatte der Angeklagte noch etwas anderes geplant?

  • Der Eingang zum Landgericht in Limburg. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Eingang zum Landgericht in Limburg. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schockierende Szenen mitten in Limburg: Ein Mann beschleunigt im vergangenen Oktober sein Auto auf fast 90 Stundenkilometer und lenkt es in Richtung Bürgersteig. Dort ist seine Ehefrau unterwegs, die der 34-Jährige nach Auffassung der Staatsanwaltschaft «in Tötungsabsicht» mit dem PS-starken Wagen erfasst. Die 31-Jährige schleudert mehr als 20 Meter durch die Luft und knallt auf den Boden. Ihr Mann soll dann mit einem Küchenbeil und einer Axt auf ihren Kopf und Hals eingeschlagen haben - etwa 18 Mal. Er steht nun unter anderem wegen heimtückischen und aus niedrigen Beweggründen begangenen Mordes vor dem Landgericht Limburg.

Zu Beginn des Prozesses am Dienstag kündigte die Verteidigung eine Aussage des Angeklagten für den nächsten Verhandlungstag an und betonte, dass der Fall auch anders gelagert sein könnte als von der Staatsanwaltschaft angenommen. Die Anklage geht davon aus, dass der 34-Jährige seine Frau dafür habe bestrafen wollen, dass diese ihn mit den gemeinsamen beiden Kindern verlassen und sich seinen Wünschen widersetzt habe.

Die Schlüsse der Ermittler seien «keineswegs zwingend», erklärte Rechtsanwalt Wolfgang Stahl für seinen Mandanten. Es werde sich im Verlauf des Prozesses zunächst herausstellen, dass sich die Tat «als der gescheiterte Versuch eines sogenannten erweiterten Suizids darstellt». Der 34-Jährige habe sich dazu am Tattag erst sehr kurzfristig entschlossen. Es erscheine daher naheliegend, dass der Angeklagte die Tat «im Zustand verminderter Schulfähigkeit begangen haben dürfte». Der Staatsanwaltschaft zufolge schätzt ein Gutachter den Angeklagten als voll schuldfähig ein.

Die Familie hatte in Rheinland-Pfalz gelebt. Zum Zeitpunkt der brutalen Attacke wohnte die 31-Jährige aber mit den Kindern in einem Limburger Frauenhaus. Der Angeklagte soll einen Privatdetektiv engagiert haben, um den Aufenthaltsort seiner Frau herauszubekommen.

Am Tag des Angriffs hatte der Mann, der deutscher Staatsangehöriger ist, die 31-Jährige laut Anklage zunächst beobachtet. Nachdem er mit dem - angemieteten - Wagen auf sie zugefahren und mit ihr kollidiert war, krachte das Auto gegen einen Zaun und eine Hauswand. Passanten eilten herbei, um zu helfen - sie gingen von einem Unfall aus. Der 34-Jährige soll sie mit einer Schreckschusspistole vertrieben und dann unter Beschimpfungen seine Frau weiter attackiert haben. Er ließ sich schließlich widerstandslos festnehmen.

Das Opfer soll bereits bei der Kollision tödliche Verletzungen erlitten haben. Die Liste der Brüche und Wunden ist lang, die die Anklageschrift aufführt. Der 34-Jährige musste im Gerichtssaal mehrfach schlucken, während der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Passagen verlas. Der Angeklagte hatte im Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen zunächst geschwiegen. Dem Gutachter gegenüber habe er die Tat eingeräumt, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Attacke auf offener Straße hatte Entsetzen in Limburg und darüber hinaus ausgelöst. Sie war zwischenzeitlich auch im Internet zu sehen - die Staatsanwaltschaft prüfte danach, ob sich die Person, die die Bluttat gefilmt und online gestellt hatte, strafbar gemacht hatte.

Der Prozess wird am 20. Mai fortgesetzt. Dann soll es auch um die familiären Hintergründe des Angeklagten gehen, wie ein Gerichtssprecher sagte. Das Urteil wird nach bisheriger Planung im Juni erwartet. Wegen der Corona-Beschränkungen ist die Zahl der Besucherplätze im Gerichtssaal begrenzt.

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