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Mit gestohlenem Lkw in Limburg Autos gerammt: Motiv unklar

08.10.2019 - Der Vorfall von Limburg weckt Erinnerungen an die Terroranschläge in Berlin und Nizza - aber auch an die Amokfahrt von Münster. Die Hintergründe sind noch völlig offen. Klar ist: Ein Syrer fuhr den gestohlenen Lastwagen, der in Limburg in mehrere Autos krachte.

  • Ein Lastwagen ist im hessischen Limburg auf mehrere vor einer roten Ampel vor dem Landgericht stehende Fahrzeuge aufgefahren. Foto: Sascha Ditscher/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Lastwagen ist im hessischen Limburg auf mehrere vor einer roten Ampel vor dem Landgericht stehende Fahrzeuge aufgefahren. Foto: Sascha Ditscher/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Limburg/Berlin (dpa) - Der Mann stahl einen Lastwagen, rammte damit mehrere Autos und verletzte acht Menschen - doch die Hintergründe des Vorfalls von Limburg haben am Dienstag weiterhin Rätsel aufgegeben. «Auch wenn der Tathergang an die schrecklichen Anschläge von Nizza oder Berlin erinnert, ist das Motiv des festgenommenen Mannes nach wie vor unklar», sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Der tatverdächtige Syrer habe nach derzeitigen Erkenntnissen keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene gehabt.

Die für Terrorermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft verzichtete am Dienstag darauf, den Limburger Fall an sich zu ziehen. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde auf Anfrage.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist der 32-Jährige, der seit 2015 in Deutschland lebt und seit 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus hat, bisher mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen. Er war am späten Montagnachmittag in der hessischen Kleinstadt mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren und hatte sie ineinander geschoben. Dabei wurden neben dem Täter acht Menschen leicht verletzt.

In Berlin war der Tunesier Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast, zwölf Menschen wurden damals getötet. Im Sommer 2016 starben in Nizza 86 Menschen bei einer Lkw-Attacke auf der Uferpromenade. Keinen Terror-Hintergrund hatte eine Gewalttat in Münster: Dort hatte im April 2018 ein Amokfahrer in der Innenstadt vier Menschen getötet, mehr als 20 teilweise lebensgefährlich verletzt und sich anschließend selbst erschossen. Der Mann galt als psychisch labil.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt teilte mit, es werde zu Limburg in alle Richtungen ermittelt. Derzeit könnten insbesondere zum Tatmotiv noch keine Angaben gemacht werden. Es bestehe der Verdacht eines versuchten Tötungsdelikts, der schweren Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle. Der Tatverdächtige sollte noch am Dienstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Nach dpa-Informationen besaß er eine Aufenthaltserlaubnis, die allerdings am 1. Oktober abgelaufen war. Ob er sich bei der zuständigen Behörde bereits um eine Verlängerung gekümmert hatte, war zunächst nicht bekannt. Angaben soll der 1987 geborene Syrer noch keine gemacht haben.

Für ein terroristisches Motiv gebe es bislang noch keine Hinweise, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, hieß es in Sicherheitskreisen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Vormittag in Luxemburg auf die Frage nach möglichen Hinweisen auf einen Terroranschlag: «Da wird ermittelt, und ich kann Ihnen zur Stunde noch nicht sagen, wie diese Tat zu qualifizieren ist.»

In der Nacht zum Dienstag durchsuchte die Polizei nach Angaben von Oberstaatsanwalt Badle die Wohnung des Tatverdächtigen im südhessischen Langen - rund 80 Kilometer von Limburg entfernt. An der Aktion war dem Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach zufolge ein Spezialeinsatzkommando (SEK) beteiligt. Eine weitere Wohnung eines Angehörigen der Familie des Tatverdächtigen wurde laut Generalstaatsanwaltschaft im Kreis Limburg-Weilburg durchsucht - wo genau, wollte die Behörde nicht sagen. Es seien unter anderem Mobiltelefone und USB-Sticks sichergestellt worden. Bei dem Familienangehörigen soll es sich Ermittlerkreisen zufolge um den Cousin des 32-Jährigen handeln.

Badle sagte weiter, der Beschuldigte habe sich nach derzeitigem Stand vor der Tat bei dem Familienangehörigen aufgehalten, dieser sei wiederum am Montag ebenfalls in Tatortnähe gewesen. Der Täter hatte den eigentlichen Fahrers des Lastwagens laut Generalstaatsanwaltschaft gewaltsam aus der Fahrerkabine gezogen. Dann fuhr er mit dem Laster wenige Meter, bis er nahe einer Kreuzung ungebremst auf vor ihm stehende Fahrzeuge auffuhr. Sieben Pkw und ein Kleintransporter wurden zusammengeschoben. Beamte der Bundespolizei, die zufällig in ihrer Freizeit in der Nähe waren, nahmen den Syrer fest und übergaben ihn der Polizei.

Die «Frankfurter Neue Presse» hatte den eigentlichen Fahrer des Lasters am Montagabend so zitiert: «Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt.» Als er vor einer roten Ampel wartete, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lasters aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt, so der Fahrer. «Was willst Du von mir?», habe er den Mann gefragt. «Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt», heißt es weiter.

Der Zeitung zufolge soll der Tatverdächtige, der bei der Kollision am Steuer saß, von Passanten erstversorgt worden sein. Dabei soll er laut den Passanten mehrmals «Allah» gesagt haben, wie ein Reporter berichtete.

Das Logistikunternehmen Pfenning mit Sitz in Heddesheim im baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis, dem der Lkw gehört, teilte auf seiner Homepage mit, der Laster sei auf einer Auslieferungstour gewesen. «Unserem Fahrer geht es den Umständen entsprechend», hieß es weiter in der Mitteilung. «Unsere Gedanken gelten ihm sowie den Geschädigten.»

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