Nach Sabotage an ICE-Strecke: Urteil wird verkündet

29.03.2021 Ein Mann soll an einer ICE-Strecke etliche Schrauben von den Schienen gelöst haben - über 400 Züge fuhren über die losen Bahngleise. Nur wenige mehr, und es hätte zu einer Katastrophe kommen können.

Mit Handschellen wird der Angeklagte in einen Verhandlungssaal vom Landgericht Wiesbaden geführt. Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Rund ein Jahr nach der Sabotage an der ICE-Schnellstrecke Frankfurt-Köln wird heute im Wiesbadener Landgericht das Urteil gegen einen 52-jährigen Mann verkündet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor und plädierte auf eine Haftstrafe von 13 Jahren. Der Rechtsanwalt des Angeklagten forderte einen Freispruch, da die Täterschaft seines Mandanten nicht bewiesen sei.

Laut Anklage soll der mehrfach vorbestrafte Mann Mitte März 2020 bei Niedernhausen über 250 Schrauben von den Schienen abmontiert haben, um so einen Zug entgleisen zu lassen. Mehr als 400 Züge passierten an mehreren Tagen in hohem Tempo die gefährliche Stelle, bis zwei ICE-Lokführer am 20. März aufmerksam wurden. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus, dass auf einer Strecke von rund 80 Metern die Gleise lose waren.

Nach Auskunft eines Sachverständigen in dem rund zwei Monate dauernden Prozess wäre ein ICE entgleist, wenn weitere 5 bis 30 Züge über die Schienen gefahren wären. Dies hätte zu einer Katastrophe mit mehreren Toten geführt. Der Angeklagte war zur Tatzeit obdachlos gewesen. Wenige Tage nach der Entdeckung der losen Gleise wurde er in Köln festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

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