Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Polizei kann künftig an moderner Anlage Schießen üben

03.08.2020 - Um besser für Terroranschläge und Amoklagen gerüstet zu sein, wurde Hessens Polizei aufgerüstet und bekam neue Gewehre. Für Schießübungen - auch mit dem neuen G38 - wurde nun eine modernisierte Anlage wiedereröffnet.

  • Ein Sicherungsschütze (l) und ein Präzisionsschütze des SEK liegen bei einer Übung auf dem Schießstand. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Sicherungsschütze (l) und ein Präzisionsschütze des SEK liegen bei einer Übung auf dem Schießstand. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Beim «Boxdrill» stehen die Polizisten des Überfallkommandos dicht an dicht hintereinander. Ihre G38-Gewehre halten sie eng vor den Körper, jeweils der erste Beamte in der Reihe legt die Waffe an und schießt - bevor er an die hintere Position zurückrennt. Bei Terrorlagen oder Amokläufen sei es wichtig, dass sich die Kollegen sicher in der Formation bewegen, erklärte Denis Altvater vom Frankfurter Überfallkommando. Damit im Ernstfall die Abläufe stimmen, kann die hessische Polizei künftig in Lorch im Rheingau an einer frisch modernisierten Freiluftanlage den Einsatz von Schusswaffen üben.

Die Landesregierung hatte den Schießstand mit rund drei Millionen Euro auf den neusten Stand bringen lassen. Auf der 25-Meter-Anlage kann nun auch mit Fahrzeugen geübt werden, um realitätsnah den Einsatz von Mitteldistanzwaffen wie etwa dem G38 zu proben, wie das Innenministerium am Montag mitteilte. Seit Frühjahr 2020 werden 1500 dieser Waffen ausgeliefert. Die Gewehre sind für den polizeilichen Einsatz so modifiziert worden, dass nur der gezielte Einzelschuss möglich ist, nicht das sogenannte Dauerfeuer.

«Mit der modernen Mitteldistanzwaffe geben wir den Kolleginnen und Kollegen landesweit die notwendige Durchschlagskraft im Kampf gegen Schwerverbrecher und gefährliche Fanatiker an die Hand», erläuterte Innenminister Peter Beuth (CDU). «Anschlags- und Amoktaten mit schwer bewaffneten Tätern haben auf schreckliche Weise verdeutlicht, dass die Polizei auch für solche Szenarien gerüstet sein muss.» Der Schießstand in Lorch ermögliche nun optimale Bedingungen für die Aus- und Fortbildung. Neben Lorch gebe es in Hessen einen weiteren Freiluftschießstand und rund 40 Raumschießanlagen, sagte Beuth.

Nach Einschätzung der hessischen Gewerkschaft der Polizei (GdP) mangelt es an ausreichenden Übungsmöglichkeiten. Landesweit bestehe die Problematik, dass nicht in jedem Flächenpräsidium ausreichende Trainingskapazitäten zur Verfügung ständen, kritisierte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Jens Mohrherr in Wiesbaden. «Vor dem Hintergrund der derzeit 3000 Studierenden darf auch nicht unberücksichtigt bleiben, dass auch der Polizeinachwuchs trainiert werden muss.» Die Verknappung der Kapazitäten werde voraussichtlich zunehmen.

Bei der hessischen Polizei seien in den zurückliegenden Jahren einige Schießstätten wegen technischer Überalterung und absehbar unwirtschaftlicher Sanierung geschlossen worden, erläuterte Mohrherr. Es müsse schneller für ausreichenden Ersatz gesorgt werden.

«Die polizeiliche Lage seit den Terroranschlägen von Paris, Nizza und Brüssel haben ein Umdenken in der polizeilichen Schießausausbildung und der technischen Ausstattung mit sich gebracht», erklärte der Gewerkschafter. Die Einführung einer Mitteldistanzwaffe fordere ein permanentes Training. «Hier stehen leider nicht umfassend geeignete Einsatztrainingszentren landesweit zur Verfügung», erklärte Mohrherr.

In Lorch übt das Überfallkommando unterdessen, das G38-Gewehr aus verschiedenen Positionen heraus abzufeuern: Auf das Kommando der Ausbilder hin schießen die Beamten abwechseln stehend, liegend oder kniend. Es ist laut, Patronenhülsen fliegen durch die Luft.

Ein paar Meter weiter übt ein Spezialeinsatzkommando (SEK) auf einer 300-Meter-Bahn. Das Szenario: Ein Mann schießt aus einem Gebäude heraus, er lässt sich trotz Verhandlungen nicht davon überzeugen, aufzugeben. Daraufhin rückt das SEK an. Immer in Dreier-Teams nähern sich die Männer mit ihren Gewehren dem Täter, suchen Schutz hinter Holzwänden. Geprobt wird dabei auch ein Fall, den alle möglichst vermeiden wollen: Ein Polizist wird angeschossen.

Unter dem Deckungsfeuer eines anderen Teams bringen die SEK-Männer ihren Kollegen in Sicherheit. Wenige Minuten später sind die Schüsse verhallt, die Waffen wieder gesichert. Die Polizisten ziehen ihre schweren Helme ab und stehen ruhig nebeneinander in dem Wald des Geländes oberhalb des Rheingaus. Es ist spürbar, wie die Anspannung von ihnen abfällt. Auch wenn alles nur eine Übung ist.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren