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Radprofessuren für Hessen, Forscher: Kfz-Verkehr nimmt ab

06.02.2020 - In Hessen werden drei Professuren mit Schwerpunkt Radverkehr eingerichtet. Durch ihre Arbeit soll Fahrradfahren in Deutschland attraktiver werden. Doch gelingen könne das nur, wenn man auch auf andere Verkehrsmittel schaue, sagt ein Verkehrswissenschaftler.

  • Eine Radfahrerin fährt vor der morgendlichen Skyline der Stadt auf einer Brücke über den Main. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Radfahrerin fährt vor der morgendlichen Skyline der Stadt auf einer Brücke über den Main. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin/Kassel/Frankfurt/Wiesbaden (dpa/lhe) - Die neuen Fahrrad-Professuren in Hessen sollten nach Ansicht des Kasseler Verkehrswissenschaftlers Carsten Sommer den Fokus nicht allein auf das Fahrrad legen. «Wir wollen nicht von einer autogerechten zu einer rein fahrradgerechten Stadt - das wäre falsch», sagte der Leiter des Fachgebietes Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Uni Kassel auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Er sieht die Zukunft in einer Verknüpfung von Rad- und Fußverkehr, öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing.

Am Donnerstag bewilligte das Bundesverkehrsministerium in Berlin offiziell die Zuschüsse für die Einrichtung von sieben Fahrrad-Professuren an deutschen Hochschulen. Maximal gibt es für fünf Jahre einen jährlichen Höchstbetrag von 400 000 Euro je Professur. Diese sollen soweit möglich noch in diesem Jahr besetzt werden. Drei sind in Hessen geplant: an der Hochschule Rhein Main in Wiesbaden, an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) und an der Uni Kassel. Für letztere hat Sommer das Konzept ausgearbeitet.

Das Aufgabenfeld der Professuren berührt laut Sommer nicht nur Verkehrsfragen. «Die Frage ist: Wie wollen wir leben, wie sollen unsere Städte aussehen?», sagt er. Deren Struktur sei bisher viel zu stark auf das Auto ausgerichtet. Sommer sieht die Zukunft im Leitbild einer «Stadt der kurzen Wege». «Es wird weiter Kfz-Verkehr geben, aber dieser wird deutlich zurücktreten.»

Dass erst jetzt Radprofessuren eingerichtet werden, habe mehrere Gründe. «Im Verkehrswesen hat man früher vor allem auf das Auto und öffentliche Verkehrsmittel geschaut.» Jetzt merke man, dass spezielle Fragen zum Radverkehr an Bedeutung gewinnen. Zudem werde vor allem dort geforscht, wo es viele Fördermittel gebe - und das sei im Radverkehr bisher nicht der Fall gewesen.

Eine Herausforderung für die neuen Professuren sieht Sommer im Bereich Verkehrssicherheit: «Wir haben viele Radverkehrstote.» Sein Konzept sieht zudem als Schwerpunkte Planung und Entwurf von Anlagen des Rad- und Fußverkehrs vor sowie die Integration von Mikromobilität - das sind beispielsweise E-Roller. Auch Radverkehr im ländlichen Raum ist ein Schwerpunkt.

Auch neue Studienmöglichkeiten sollen sich mit der Verkehrswende befassen. In Kassel wird es einen interdisziplinären Masterstudiengang «Mobilität, Verkehr, Infrastruktur» geben. Die Hochschule Rhein Main will einen neuen kooperativen Masterstudiengang mit der Frankfurter UAS, der Hochschule Darmstadt und der Technischen Hochschule Mittelhessen aufbauen, in dem die für eine Verkehrswende relevanten Kompetenzen vertieft gelehrt werden.

Der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD) setzt Hoffnungen in die neuen Radprofessuren. «Das Fahrrad hat in Deutschland ungeheuren Aufholbedarf», erklärte Sprecher Heiko Nickel. Im Vergleich zu den Niederlanden und Dänemark fehle es in den Kommunen an Fachwissen. «Da gibt es unheimlich große Wissenslücken, zum Beispiel wie eine fahrradfreundliche Kreuzung aussieht.» Es sei gut, dass es jetzt Spezialprofessuren gebe, die den Radverkehr als Schwerpunkt hätten und Wissen zu diesen Spezialthemen zusammenfassten.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bezeichnete die Einrichtung der Professuren als «ein wichtiges Signal für ein fahrradfreundlicheres Bundesland Hessen». Die in der Vergangenheit begonnene gute Zusammenarbeit mit hessischen Hochschulen wolle der ADFC ausbauen und intensivieren.

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