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Rettungsdienste beklagen niedrige Hemmschwelle bei Notrufen

15.10.2019 - Die Vorstellung, dass der Krankenwagen nach einem Unfall auf sich warten lässt, ist beängstigend - aber keineswegs völlig aus der Welt gegriffen. In Hessen fehlen Rettungsdiensten vielerorts Sanitäter. Ein Grund sehen Experten in der neuen Ausbildung.

  • Die Aufschrift «Notarzt» steht auf dem Intensivtransporthubschrauber Eurocopter SA 365 N der Johanniter. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Aufschrift «Notarzt» steht auf dem Intensivtransporthubschrauber Eurocopter SA 365 N der Johanniter. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wiesbaden (dpa/lhe) - Für die meisten Bürger ist es eine Selbstverständlichkeit: Wenn ein Notfall es erfordert, muss ein Krankenwagen her. Bislang können die hessischen Rettungsdienste nach eigenen Angaben diesen Anspruch erfüllen, doch der Personalmangel stellt sie vor große Herausforderungen. Das Problem sei bei allen Rettungsdiensten im Land sichtbar, sagte der Bereichsleiter der Rettungsdienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hessen, Günter Ohlig, der Deutschen Presse-Agentur.

«Dies hat vielfältige Ursachen», erklärte Ohlig. Einen wesentlichen Grund sieht er in der veränderten Ausbildung der Rettungsassistenten. Diese wurden bis Ende 2015 zwei Jahre lang ausgebildet. Seit 2016 ist eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter verpflichtend. Bisherige Rettungsassistenten sollen sich bis Ende 2020 zum Notfallsanitäter weiterbilden lassen. Grundlage ist das 2014 auf Bundesebene in Kraft getretene Notfallsanitätergesetz. Hauptgrund für die Umstellung sei es, die «medizinische Erstversorgung» zu verbessern, hieß es in einer Erklärung des hessischen Sozialministeriums.

Die längere Ausbildung reißt nach Angaben des DRK Lücken in die Personaldecke der Rettungsdienste. Faktisch zwei Jahre lang hätten die Anbieter nur wenige fertig ausgebildete Rettungsassistenten - nach dem alten Berufsbild - und Notfallsanitäter - nach dem neuen Berufsbild - hinzubekommen, erläuterte Ohlig. Bei etwa 250 Auszubildenden pro Jahr könne man den Personalmangel nach 2014 in etwa beziffern. «Für Hessen bedeutete dies, dass hierdurch bereits ein Personalminderbestand von circa 500 Kräften entstanden ist.» Hinzu kämen anfängliche Schwierigkeiten in den Jahren ab 2015, sofort genügend Notfallsanitäter auszubilden.

Noch können die Rettungsdienste den Personalmangel auffangen. Die Johanniter profitieren nach eigener Aussage von Ehrenamtlichen, die bei Versorgungsspitzen erhebliche Unterstützung lieferten. Die Malteser können «mit sehr viel organisatorischem Aufwand, übertariflicher Bezahlung und einer hohen Belastung der vorhandenen Mitarbeiter» die Rettungsarbeit bewältigen, wie ein Sprecher des Hilfsdiensts erläuterte. Beim DRK leistet laut Ohlig das vorhandene Personal Zusatzschichten, um die Besetzung der Krankenwagen zu gewährleisten.

Die hessische Politik verkenne das Problem nicht, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums für Soziales und Integration. Zum Zeitpunkt der Umstellung sei jedoch nicht absehbar gewesen, dass es hierdurch zu einer Verschärfung der Problems kommt. Mit einer höheren Ausbildungszahl für Notfallsanitäter will das Ministerium den Engpässen entgegen wirken. Wie das konkret aussehen soll, prüfe die Landesregierung derzeit in Zusammenarbeit mit den Rettungsdienstschulen und den Trägern, hieß es von Seiten des Ministeriums.

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