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Stickoxid-Belastung in sechs hessischen Städten zu hoch

11.02.2020 - Müssen sich weitere Kommunen in Hessen auf Fahrverbote einstellen? Neue Daten zur Stickstoffdioxid-Belastung zeigen, dass die Anstrengungen für eine bessere Luftqualität bisher nicht ausreichen.

  • Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin in Hessen. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin in Hessen. Foto: Andreas Arnold/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wiesbaden (dpa/lhe) - Sechs hessische Städte haben im vergangenen Jahr mit ihrer Stickstoffdioxid-Belastung die zulässigen Grenzwerte überschritten. Das ergab die am Dienstag in Wiesbaden veröffentlichte Bilanz des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) für 2019. Demnach gingen die NO2-Werte zwar hessenweit in den Kommunen zurück, der europäische Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft wurde aber dennoch teils deutlich gerissen. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) würdigte die Fortschritte, machte aber auch deutlich, dass weitere Anstrengungen notwendig sind.

Die Auswertung stützt sich laut HLNUG auf weit über 60 Messstellen, darunter 36 feste Luftmessstationen sowie nunmehr auch zahlreiche Passivsammler-Messstellen, die meist an den schwerer belasteten Straßen installiert sind. Alleine in Frankfurt wurden demnach im Jahresmittel an sechs Messstellen überhöhte Stickstoffdioxid-Werte registriert. Am höchsten fiel er in Hessens größter Stadt am Börneplatz aus, wo sich der Jahresmittelwert sogar von 50 Mikrogramm im Vorjahr auf 51 Mikrogramm erhöhte.

Hessenweit noch höher lag der Wert nur in Darmstadt am Passivsammler Hügelstraße mit 55 Mikrogramm, nach 67 Mikrogramm im Vorjahr. In der südhessischen Stadt gilt an zwei Hauptverkehrsadern ein Fahrverbot - das bisher einzige im Land.

Limburg registrierte an der Messstelle Schiede I im vergangenen Jahr ein Jahresmittel von 52 Mikrogramm (Vorjahr: 54 Mikrogramm). In Wiesbaden erreichte der höchste Messwert an der Schiersteiner Straße 45 Mikrogramm, nach 47 Mikrogramm im Vorjahr. In Offenbach lagen die Höchstwerte an zwei Passivsammlern an der Mainstraße und der Unteren Grenzstraße bei jeweils 45 Mikrogramm (Vorjahr: 46 und 44 Mikrogramm). Auch der Jahresmittelwert in Alsfeld lag im vergangenen Jahr mit 42 Mikrogramm über dem europäischen Grenzwert.

Dagegen seien in Kassel bereits im dritten Jahr in Folge die Grenzwerte eingehalten worden, hieß es vom HLNUG. Auch in Fulda und Marburg gebe es mittlerweile keine Grenzwertüberschreitung mehr. Umweltministerin Hinz erklärte, dies zeige, dass die Maßnahmen wirkten. Trotzdem gebe es mancherorts noch hohe Überschreitungen. «Deshalb werden wir auch weiterhin geeignete Maßnahmen gemeinsam mit den belasteten Städten auf den Weg bringen.»

Dazu gehören beispielsweise mehr Radwege, bessere Nahverkehrsangebote und der Einsatz von Elektrobussen. Auch weitere Fahrverbote sind im Gespräch. Für Frankfurt etwa hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) ein flächendeckendes Fahrverbot für ältere Diesel zwar als unverhältnismäßig bezeichnet, doch muss die Mainmetropole Maßnahmen zur Reduzierung angehen. Dazu gehört auch, dass Stadt und Land Fahrverbote auf Einzelstrecken prüfen.

Von einigen wenigen solcher abschnittsweisen Fahrverbote sei voraussichtlich auszugehen, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Generell rechne er mit einer weiter sinkenden Belastung. Bis Ende des Jahres müsse das Land Maßnahmen vorlegen, wie die Grenzwerte im Jahr 2021 eingehalten werden könnten. Dazu könnten auch Pförtnerampeln zur Regulierung des Verkehrsflusses oder Schnellbusse aus dem Umland zu U-Bahn-Stationen gehören. Frankfurt gehört wie Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und Limburg zu den 38 Kommunen bundesweit, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verklagt hatte.

Derweil gab das Umweltbundesamt (UBA) bekannt, dass die Belastung durch Diesel-Abgase bundesweit weiter zurückgeht. Nach der UBA-Auswertung - bei der allerdings fast nur automatisch messende Stationen berücksichtigt sind und die Daten aus rund 130 Passivsammlern noch fehlen - wurde der NO2-Grenzwert im vergangenen Jahr noch an einer von fünf verkehrsnahen Messstationen überschritten - im Vorjahr war der Anteil noch mehr als doppelt so hoch.

Allerdings wird der zulässige Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nach der UBA-Auswertung weiterhin in mindestens 19 deutschen Städten gerissen. Auch auf der Liste des UBA finden sich mit Wiesbaden, Limburg und Frankfurt alleine drei hessische Städte. «Wir freuen uns über die teilweise gesunkenen Werte», sagte DUH-Chef Jürgen Resch. Allerdings hätten gerade die noch nicht ausgewerteten Messstationen bisher hohe Belastungen angezeigt. Zudem sei die Belastung etwa im Innenstadtbereich von Frankfurt, wo der Wind keine so große Rolle spiele, gleich geblieben.

Die Umweltorganisation BUND mahnte ebenfalls, die Luftqualität bleibe weiter ein gravierendes Problem. «Auch eine regelmäßigere Einhaltung der Grenzwerte heißt nicht, dass keine nennenswerten Belastungen mehr vorliegen.»

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