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Streit um Neckermann-Pleite: Dämpfer für Insolvenzverwalter

02.04.2019 - «Neckermann macht's möglich» - dieser Slogan hatte im Jahr 2012 endgültig ausgedient. Das klägliche Ende des führenden Versandhändlers im Wirtschaftswunder-Deutschland hat noch ein Nachspiel vor Gericht.

  • Auf «fünf vor zwölf» steht eine Uhr an einem geschlossenen Farbrikverkauf von Neckermann. Foto: Boris Roessler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auf «fünf vor zwölf» steht eine Uhr an einem geschlossenen Farbrikverkauf von Neckermann. Foto: Boris Roessler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa) - Im Prozess um die Neckermann-Pleite vor fast sieben Jahren hat Insolvenzverwalter Michael Frege einen deutlichen Dämpfer erhalten. Zur Prozesseröffnung am Dienstag ließ die 21. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt klar erkennen, dass sie seine Klage gegen das frühere Management des Versandhändlers aus mehreren Gründen kritisch sieht.

Nach Auffassung der Insolvenzverwaltung soll im Frühjahr 2012 die damalige Geschäftsführung um Henning Koopmann zu lange mit dem Insolvenzantrag gewartet haben. Rund 19,8 Millionen Euro verlangt die Verwaltung von den Managern und auch von den zwölf Aufsichtsräten zurück, weil das Geld nach ihrer Auffassung längst nicht mehr hätte ausgegeben werden dürfen. Den Aufsichtsratsmitgliedern, unter ihnen auch Arbeitnehmervertreter, werfen die Kläger vor, ihre Überwachungspflichten verletzt zu haben.

Das Gericht verlangte nun von der klagenden Kanzlei CMS eine genauere Aufstellung der angeblich unberechtigten Zahlungen und brachte das Problem der möglichen Verjährung im Jahr 2017 bei einer unvollständigen Klage zur Sprache. Der Vorsitzende Richter zeigte sich auch kritisch zum behaupteten Zeitpunkt, an dem die Pleite klar erkennbar gewesen sein soll.

Der Insolvenzverwalter nennt dafür den 23. Mai 2012, als der Neckermann-Eigentümer Sun Capital ein Konzept der Gewerkschaft Verdi zur Fortführung abgelehnt hatte und seinerseits Bedingungen für eine weitere Finanzspritze von rund 25 Millionen Euro aufstellte. Darin war unter anderem ein «Null-Sozialplan» enthalten, in dessen Folge rund 1400 Beschäftigte ohne Abfindungen entlassen werden sollten. Dies sei zuvor noch nie da gewesen und für Verdi nicht annehmbar gewesen, meinte der Anwalt des Insolvenzverwalters.

Das Gericht sieht dies vorläufig anders. Der Vorsitzende Richter Lars Iffländer nannte die anschließenden Güteverhandlungen mit Verdi und weiteren Sanierungsbemühungen als starke Indizien, dass noch eine «positive Fortführungsprognose» bestanden habe. Diese würde gegen einen Insolvenzantrag sprechen. Tatsächlich hat das Unternehmen den Antrag erst am 18. Juli 2012 eingereicht.

Insolvenzverwalter Frege kritisierte nach der Verhandlung die gerichtlichen Hinweise. Das Gericht habe nicht genügend berücksichtigt, dass bei einer Fortführungsprognose fundierte betriebswirtschaftliche Berechnungen über mehr als ein Jahr nötig seien, um zu beurteilen, ob Neckermann eine Chance zum Überleben gehabt hätte. Letzte verzweifelte Verhandlungen seien typisch, wenn Unternehmen straucheln.

Das Gericht fällte am Dienstag zunächst keine Entscheidung und regte erneut einen Vergleich an. Am 3. September soll weiter verhandelt werden.

Der einstmals größte Versandhändler der Bundesrepublik hatte das Internet zwar schnell als Vertriebskanal erkannt, aber nicht auf die Umbrüche reagiert, die permanente Verfügbarkeit und Preistransparenz bedeuteten. Wie der einstige Hauptkonkurrent Quelle war auch Neckermann dem Amazon-Konzept nicht gewachsen.

Neckermann.de existiert inzwischen nur noch als Portal des einstigen Konkurrenten Otto. Das Frankfurter Logistikzentrum wie der Übergrößen-Versender «Happy Size» wurden an Investoren veräußert, nur wenige der mehr als 2000 Neckermann-Beschäftigten kamen dort unter. Zum Stand des Insolvenzverfahrens mit rund 45 000 Gläubigern machte CMS mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben.

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