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Studie: unnötige Hirnuntersuchungen an Heimkindern

28.02.2019 - Schwalmstadt (dpa/lhe) - Zahlreiche Heimkinder und Patienten der Hephata Diakonie in Hessen sind einem Forschungsbericht zufolge vor Jahrzehnten unnötigen Hirnuntersuchungen ausgesetzt gewesen. Hintergrund sei das Forschungsinteresse des bis 1963 an der Klinik in Schwalmstadt-Treysa tätigen Chefarztes Prof. Willi Enke (1895-1974) gewesen, teilte das Hessische Diakoniezentrum Hephata am Donnerstag unter Berufung auf eine Untersuchung von Medizinhistorikern mit. Auch unter Enkes Nachfolger sei es bis 1968 noch zu medizinisch nicht notwendigen Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen gekommen.

  • Die Hephata-Kirche, aufgenommen auf dem Gelände des Hephata-Diakoniezentrums in Treysa (Hessen). Foto: Boris Roessler/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Hephata-Kirche, aufgenommen auf dem Gelände des Hephata-Diakoniezentrums in Treysa (Hessen). Foto: Boris Roessler/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Medizinhistoriker Prof. Volker Roelcke von der Universität Gießen hatte für die Studie mit Unterstützung des Historikers Karsten Wilke von der Universität Bielefeld rund 2000 Akten ehemaliger Patienten und Heimkinder gesichtet.

Es ging dabei um sogenannte Pneumencephalographien. Das sind den Angaben zufolge Röntgenaufnahmen, bei der Schädel und Gehirn untersucht werden, indem mit einer Kanüle Luft in den Kopf gefüllt werden, damit der Kontrast besser wird. Für Patienten sei diese Untersuchung fast immer mit erheblichen Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Übelkeit oder Erbrechen verbunden. Insbesondere bei Kleinkindern könne es auch zu tödlichen Komplikationen kommen.

In 23 Fällen gehen die Forscher davon aus, dass die Untersuchungen auf Forschungsinteresse zurückzuführen waren. Da viele Patientenakten nicht mehr vorhanden seien - üblicherweise werden sie nach 30 Jahren vernichtet - liege die Gesamtzahl aber vermutlich weitaus höher.

Der Vorstandssprecher der Hephata Diakonie, Maik Dietrich-Gibhardt, sagte zu dem Bericht der Forscher: «Mit diesem Ergebnis bestätigt sich der Ausgangsverdacht, wonach Enke als Chefarzt ihm anvertraute Kinder und Jugendliche unnötigerweise Schmerzen und Gefahren ausgesetzt hat, um mit den Ergebnissen der Untersuchungen seine mehr als fragwürdigen medizinischen Thesen zu dem von ihm unterstellten Zusammenhang zwischen frühkindlichen Hirnschädigungen und so genannter Schwererziehbarkeit zu untermauern.» Er bat Betroffene im Namen des Unternehmens um Entschuldigung.

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