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Sturmtief «Sabine» fegt über Hessen: Zugausfälle und Schäden

10.02.2020 - Ein Kran kracht auf den Frankfurter Dom, Pendler müssen sich in Geduld üben und an zahlreiche Schulen fällt der Unterricht aus. Doch zumeist sind die Folgen des Orkantiefs in Hessen glimpflich. Ist das Gröbste vorbei?

  • Die Plane eines Strohballens weht im Sturm. Foto: Uwe Zucchi/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Plane eines Strohballens weht im Sturm. Foto: Uwe Zucchi/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Orkantief «Sabine» fegt über Hessen hinweg. Auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berg des Bundeslandes, sei am frühen Montagmorgen eine Windgeschwindigkeit von 145 km/h gemessen worden, berichtete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. In Frankfurt kippt ein Kran auf das Dach des Doms. In anderen Teilen des Landes wurden vereinzelt Menschen verletzt.

FRANKFURTER DOM: Ein Baukran stürzte auf das Dach des Frankfurter Doms und richtete schwere Schäden an. Verletzt wurde niemand. Auch nach dem Vorfall bestehe keine Gefahr, sagte ein Feuerwehrsprecher am Montag. Die Kirche sei weiträumig abgesperrt und der Kran stecke fest. Voraussichtlich könne er erst am Mittwoch entfernt werden, erklärte Dombaumeisterin Julia Lienemeyer. «Es wäre bei dieser Wetterlage viel zu gefährlich, das jetzt schon zu tun.» Der Kran werde abgesichert und das Loch im Dach provisorisch geschlossen. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte in einem Video: «Wir werden alles machen, dass das schnell repariert wird.» Die genau Schadenssumme konnte zunächst nicht beziffert werden.

SCHULFREI: In Hessen fand nach Angaben des Kultusministeriums an rund 90 Prozent der Schulen im Land kein Unterricht statt. Hunderttausende Schüler habe das betroffen, sagte ein Ministeriumssprecher. In der Regel seien die Schulen aber nicht komplett geschlossen worden, sondern meist habe es ein aus der Not geborenes Betreuungsangebot gegeben. «Viele Eltern haben ja nicht damit gerechnet, dass die Schule ausfällt», sagte der Sprecher. Jede Schule habe frei entscheiden können, ob der Unterricht trotz Unwetter stattfindet.

BAHNVERKEHR: Die Deutsche Bahn hatte den Regionalverkehr in Hessen bis morgens 08.00 Uhr eingestellt, den Fernverkehr sogar bis 10.00 Uhr. Am Frankfurter Hauptbahnhof stand seit Sonntagabend ein Aufenthaltszug bereit, in dem Reisende auch übernachten konnten. «Die haben das hier prima organisiert», sagte eine Reisende, die auf dem Weg in die Schweiz in Frankfurt gestrandet war.

Länger blockiert waren die Strecken Bad Vilbel-Stockheim und die Dreieich-Bahn zwischen Buchschlag und Dieburg. Auf der ICE-Strecke Frankfurt-Köln wurden die Züge am Bahnhof Limburg Süd ohne Halt weitergeleitet, nachdem sich Teile der Überdachung gelockert hatten. Größere Sturmschäden seien nicht festgestellt worden. Am Nachmittag waren alle Strecken wieder frei. Mit Verspätungen im Zugverkehr sei weiter zu rechnen. «Das wird uns den ganzen Tag noch begleiten», sagte die Sprecherin.

FLUGHAFEN: Der Frankfurter Flughafen meldete einen «den Umständen entsprechenden» geordneten Betrieb. Das galt für die Flüge, die auch durchgeführt wurden. Allerdings hatten bereits im Vorfeld mehrere Airlines vorsorglich Flüge gestrichen. Einem Sprecher zufolge gab es am Montag 210 Annullierungen bei ursprünglich geplanten 1310 Starts und Landungen. Bereits am Vortag waren Flüge gestrichen worden.

VERLETZTE: Eine Radfahrerin wurde am Montagmorgen auf einer Landstraße bei Buseck (Kreis Gießen) von einer Windböe erwischt, stürzte und erlitt schwere Verletzungen. Wie die Polizei berichtete, will ein Zeuge beobachtet haben, wie die Böe das Rad mitsamt seiner Fahrerin ein Stück angehoben hatte. Die 65-Jährige kam in ein Krankenhaus. In Darmstadt musste ein Autofahrer einem umgeknickten Baum ausweichen und landete mit seinem Wagen in einem Teich. Der Mann wurde der Polizei zufolge leicht verletzt. Nahe Eppstein (Main-Taunus-Kreis) traf ein umstürzender Baum ein Auto während der Fahrt. Der 54 Jahre alte Fahrer wurde eingeklemmt und schwer verletzt. Er musste von der Feuerwehr befreit werden.

SCHÄDEN: Landesweit wurden Schäden gemeldet, die sich aber meist in Grenzen hielten. Oftmals ging es um umgestürzte Bäume, Schilder und Baugerüste oder weggewehte Trampoline und sogar eine Dixi-Toilette. Auch Autos wurden durch abfallende Äste oder umstürzende Bäume getroffen. In Niddatal-Ilbenstadt wurde das Metalldach des Betriebsgebäudes der Kompostierungsanlage abgedeckt. «Glücklicherweise konnte schnell ein Dachdecker gefunden werden», teilte der Wetteraukreis mit.

GLÜCK IM UNGLÜCK: In Sinntal (Main-Kinzig-Kreis) hatten zwei Polizisten Glück im Unglück: Sie wurden in der Nacht zur Landesstraße 2304 gerufen. Nahe Altengronau blockierte ein umgestürzter Baum die Fahrbahn. Als sie ausgestiegen war, krachte ein weiterer Baum auf ihren Streifenwagen. Die Beamten kamen unverletzt und mit dem Schrecken davon. Der Sachschaden beträgt aber mehr als 10 000 Euro, wie der Polizeisprecher mitteilte.

WINDENERGIE: Durch die hohen Windgeschwindigkeiten produzierten Windkraftanlagen enorme Mengen Energie. Der Windstrom habe zeitweise den kompletten Bedarf im Netzgebiet gedeckt, sagte eine Sprecherin der Energie Netz Mitte in Kassel. Zudem habe man noch überschüssigen Strom in das vorgelagerte Hochspannungsnetz abgeben können. Ein Problem für das Netz sei die große Energiemenge nicht gewesen. Die Oberhessische Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (OVAG) teilte die Einschätzung. Sie versorgt unter anderem den Vogelsbergkreis, in dem viele hessische Windräder stehen.

WALD: Die Waldbesitzer in Hessen warnen davor, in den nächsten Tagen den Wald zu betreten. Das könne jetzt lebensgefährlich sein, teilte der hessische Waldbesitzerverband mit. «Viele Wege sind durch umgestürzte Bäume unpassierbar. Die Bäume liegen kreuz und quer übereinander und stehen unter Spannung», hieß es. «Vom Sturm angeschobene, aber stehen gebliebene Bäume können jederzeit ohne Vorwarnung umstürzen.» Welche Schäden «Sabine» dem ohnehin schon durch Hitze, Borkenkäfer und vergangene Stürme gebeutelten Wald hinzugefügt hat, sei noch nicht abzuschätzen, sagte Verbandsgeschäftsführer Christian Raupach. «Wir hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.»

AUSBLICK: Das Gröbste ist vorbei, aber es bleibt stürmisch - so in etwa lässt sich der Wetterausblick auf die kommenden Tage zusammenfassen. Am Dienstag zeigt sich der Himmel stark bedeckt. Dabei gibt es laut Deutschem Wetterdienst immer wieder schauerartige Niederschläge, die sich vereinzelt auch in tieferen Lagen mit Schnee vermischen können. Dazu kommen stürmische Windböen. Auch schwere Sturmböen mit kräftigen Schauern schließt der DWD nicht aus.

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