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Weltkriegsbombe: Experte hofft auf Einsicht für Evakuierung

05.07.2019 - Für Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst ist es zwar ein Déjà-vu, doch niemals Routine: Am Sonntag wird unweit der Europäischen Zentralbank eine 500-Kilo-Bombe entschärft. Tausende müssen ihre Wohnungen verlassen.

  • Ein Umleitungsschild vor der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: Boris Roessler © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Umleitungsschild vor der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: Boris Roessler © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Evakuierung, Umleitungen und Absperrungen: Experten des Kampfmittelräumdienstes wollen an diesem Sonntag in Frankfurt eine 500 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfen. Nachdem es vor knapp zwei Jahren bei der Entschärfung einer noch größeren Bombe Verzögerungen durch Anwohner gegeben hatte, die partout nicht ihre Wohnungen in der Sicherheitszone verlassen wollten, hoffte René Bennert vom hessischen Kampfmittelräumdienst am Freitag auf Einsicht. Um so schneller könne das gesperrte Gebiet wieder freigegeben werden, sagte er am Freitag.

Der US-Sprengkörper war vor rund zehn Tagen bei Bauarbeiten in der Nähe der Europäischen Zentralbank gefunden worden. Da die Bombe an ihrem Fundort stabil lag, musste sie aber nicht unmittelbar nach ihrer Entdeckung entschärft werden.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt, bei dem der Kampfmittelräumdienst angesiedelt ist, hat die Bombe zwei mechanische Zünder an Kopf und Heck. Der Sprengstoffanteil sei mit 145 Kilogramm zwar etwas geringer als bei anderen Sprengbomben, aber dafür gebe es bei dieser Bombe mehr Splitter. Voraussichtlich soll die Bombe mit einer Wasserstrahl-Schneideanlage entschärft werden. Da die Bombe kopfüber im Boden steckt, könnte es eine Herausforderung darstellen, an den Kopfzünder zu gelangen, räumte Bennert ein. Angst sei bei dem explosiven Job kein Thema, wohl aber Vorsicht: «Sonst wird man leichtsinnig und dann macht man Fehler.»

Ehe der Kampfmittelräumdienst mit der Entschärfung beginnt, muss aber sichergestellt sein, dass sich außer den Sprengstoffexperten niemand mehr in der Sperrzone aufhält, die für die Entschärfung eingerichtet wird. Dafür müssen rund 16 500 Menschen ihre Wohnungen im Frankfurter Ostend, aber auch in Teilen Sachsenhausens verlassen. Bis 8.00 Uhr soll das Gebiet evakuiert sein.

Vor allem die schwerstpflegebedürftigen Bewohner eines Pflegeheims in der Sperrzone sollen bereits am Samstag in anderen Heimen oder Krankenhäusern untergebracht werden, unter ihnen auch Wachkomapatienten. Auch drei Altenwohnanlagen liegen nach Angaben der Feuerwehr in dem von der Evakuierung betroffenen Gebiet.

Wer aufgrund von Krankheit oder anderen Einschränkungen nicht in der Lage sei, aus eigener Kraft den gesperrten Bereich zu verlassen, sollte sich bis spätestens Freitagmittag über das Bürgertelefon der Feuerwehr melden. Bis Freitagmittag gab es nach Angaben eines Feuerwehrsprechers mehr als 300 Anmeldungen für Transporte von Menschen, die mit dem Krankenwagen aus ihren Wohnungen gebracht werden müssen. Auch für sie sollte es schon am Samstag losgehen.

Rettungskräfte, Polizei und Hilfsorganisationen sind am Sonntag mit rund 700 Mitarbeitern im Einsatz. Für sie sei die Arbeit nach der Entschärfung der Bombe noch lange nicht vorbei, betonte Rainer Heisterkamp, Leiter der Pressestelle der Frankfurter Feuerwehr. «Es wird noch einmal eine Mammutaufgabe sein, die Bewohner des Pflegeheims und alle, die einen Transport aus der Sicherheitszone brauchten, in ihre Wohnungen zurückzubringen.

Die Feuerwehr riet allen von der Evakuierung Betroffenen, wichtige persönliche Dokumente wie Personalausweis, Führerschein oder medizinische Unterlagen mitzunehmen. Auch notwendige Medikamente sollten unbedingt eingepackt werden. Haustiere könnten dagegen in den Wohnungen bleiben. Dann solle aber auf jeden Fall sichergestellt werden, dass sie auch dann genug Futter und Wasser haben, falls sich die Rückkehr ihrer Besitzer verzögere.

Für alle, die nicht bei Freunden oder Verwandten außerhalb der Sperrzone unterkommen können, gibt es ab Sonntagmorgen eine Betreuungsstelle im Zoogesellschaftshaus. Der Zoo selbst, der unmittelbar an das Evakuierungsgebiet angrenzt, bleibt an dem Tag geschlossen. Auch Giraffen, Menschenaffen und Huftiere, deren Gehege am nächsten an der Zone liegen, sollen nach Angaben einer Zoosprecherin in den Tierhäusern bleiben.

Freier Eintritt in die Städtischen Museen und in den Palmengarten soll unterdessen diejenigen, die ihre Wohnungen für die Bombenentschärfung verlassen müssen, auf andere Gedanken bringen.

Die Entschärfung der 500-Kilo-Bombe im Frankfurter Ostend hat auch Auswirkungen auf den Nah- und Fernverkehr der Bahn.

Auch der Luftraum über Frankfurt ist von der Bombenentschärfung betroffen - die Auswirkungen auf den Flugverkehr hängen jedoch auch von der Wetter- und der Windsituation ab, wie die Deutsche Flugsicherung am Freitag mitteilte. Bei Ostwind seien die in den Osten führenden Abflüge betroffen, die teilweise den betroffenen Luftraum umfliegen müssen. Bei Westwind wiederum könnte es zu einer veränderten Anflugsituation kommen, hieß es. Die Landebahn Nordwest könne dann nicht genutzt werden, mit Verzögerungen sei zu rechnen.

Die Frankfurter Feuerwehr hat mittlerweile reichlich Erfahrung im Umgang mit Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Bombenentschärfungen, für die mehrere tausend Anwohner ihre Wohnungen verlassen mussten. Besonders aufwendig war im September 2017 die Evakuierung vor der Entschärfung einer 1,8 Tonnen schweren Bombe: Damals mussten rund 65 000 Frankfurter aus ihren Wohnungen, auch ein Kinderkrankenhaus mit Frühgeborenenstation musste geräumt werden. Für die größte Evakuierungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg waren mehrere tausend Polizisten, Feuerwehrleute und Helfer im Einsatz.

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