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Wohnhaus mit Gas gesprengt: Besitzer bekommt Gefängnisstrafe

14.11.2019 - Eine gewaltige Explosion verwandelte im Frühjahr ein Wohnhaus in Südhessen in ein Trümmerfeld. Für ein Gericht steht nun fest: Der Eigentümer hat das Gebäude in die Luft gejagt.

  • Ein Schild weist auf den Eingang des Landgerichts Darmstadt hin. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild weist auf den Eingang des Landgerichts Darmstadt hin. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Darmstadt (dpa/lhe) - Rund acht Monate nach der absichtlich verursachten Explosion eines Wohnhauses in Südhessen hat das Landgericht Darmstadt den Eigentümer zu acht Jahren Haft verurteilt. Der 60 Jahre alte Angeklagte hatte nach Überzeugung der Richter am Morgen des 22. März sein Wohnhaus in Birkenau (Kreis Bergstraße) mit einer Gasexplosion gesprengt. Das Einfamilienhaus, das völlig zerstört wurde, sollte an jenem Morgen vorm Amtsgericht zwangsversteigert werden. Die Richter verhängten die Gefängnisstrafe am Donnerstag unter anderem wegen vorsätzlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

Verletzt worden war damals niemand, umherfliegende Trümmer beschädigten aber Nachbargebäude. Durch die Detonation waren nach Angaben der Polizei Gebäudeteile bis zu 30 Meter hoch und 50 Meter weit durch die Luft geschleudert worden. Insgesamt entstand ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und drei Monate Haft gefordert, die Verteidigung hingegen auf Freispruch plädiert.

Die Staatsanwaltschaft verwies unter anderem auf zwölf im Haus verteilte Propangasflaschen, in zwei Räumen ausgeschüttetes Benzin sowie eine in den Trümmern entdeckte Zündvorrichtung mit DNA-Spuren des Angeklagten. «Die war die Nadel im Heuhaufen, und die haben wir gefunden», sagte Oberstaatsanwalt Knut Happel.

Auch das Gericht ging von einer geplanten Sprengung aus. Ein Gutachter habe die Tat als «vollständige, perfekte Explosion» beschrieben, sagte der Vorsitzende Richter Mathis Dreher in der Urteilsbegründung und erinnerte an die Gasflaschen und das Benzin. Das zeige planvolles Handeln. «Ihr Haus, das sollte ihnen niemand durch ein Zwangsversteigerungsverfahren nehmen», beschrieb der Richter die Denkweise des Angeklagten. «Das sollten alle sehen und verstehen am Tag der Zwangsversteigerung.»

Der Anwalt des Mannes kritisierte hingegen, die Ermittler und die Staatsanwaltschaft hätten nur in Richtung des Angeklagten ermittelt. Es sei nicht bewiesen, dass er es gewesen sei, der die Gasflaschen im Haus verteilt habe. Der Anwalt hielt es auch für möglich, dass die Explosion aus Versehen ausgelöst wurde. Der Angeklagte selbst hatte bestritten, sein Haus gesprengt zu haben. Er war zwei Tage nach der Detonation auf dem von Trümmern übersäten Grundstück festgenommen worden.

Den Ermittlungen zufolge hatten Mutter sowie die Bank des Angeklagten im Februar 2018 die Zwangsversteigerung beantragt. Der Verkehrswert des Hauses war auf 200 000 Euro geschätzt worden.

Zum Tatmotiv hatte Oberstaatsanwalt Happel auf das psychiatrische Gutachten über den 60-Jährigen hingewiesen. Der Gutachter hatte beim Angeklagten eine «kombinierte Persönlichkeitsstörung» mit narzisstischen und paranoiden Zügen diagnostiziert. Der Mann sei einer, der alles besser wisse, hatte der Gutachter im August vor Gericht ausgesagt. Ein Abgang mit einem großen Knall würde laut dem Arzt zu einem Narzissten passen.

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