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Verbände sehen Mangel in Altenpflege, mehr Infektionen

26.03.2020 - Die Wirtschaft kämpft. Die einen wollen Kurzarbeit, die anderen hoffen auf mehr Arbeiter. Bei den Corona-Infektionen zeichnet sich weiter keine Entspannung ab, darum will auch die Kirche den Menschen in der Zeit ohne Sozialkontakte weiter den Rücken stärken.

  • Undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme, die vom U.S. National Institutes of Health im Februar 2020 zur Verfügung gestellt wurde, zeigt das Virus, das COVID-19 verursacht. Foto: Uncredited/NIAID-RML/via Ap/dpa/Archivbild ©...

    Undatierte elektronenmikroskopische Aufnahme, die vom U.S. National Institutes of Health im Februar 2020 zur Verfügung gestellt wurde, zeigt das Virus, das COVID-19 verursacht. Foto: Uncredited/NIAID-RML/via Ap/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hilfe, Mangel, Not und Solidarität: Die Corona-Krise beschäftigt weiter die Menschen, Betriebe und Institutionen in Hessen. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen stieg auch am Donnerstag wieder.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) rief die Menschen angesichts der strengen Kontaktregeln in der Corona-Krise zur Geduld auf. Jetzt Versprechungen zu machen, «dass wir nach Ostern wieder ins normale Leben zurückkehren, halte ich - zurzeit wenigstens - für unverantwortlich».

In einer Videobotschaft bedankte er sich bei den Bürgern für das Verständnis für die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens und die Reduzierung der Kontakte mit Freunden und Familie. «Aber es ist eine Zeit, die auch wieder vorbei geht.» Dies sei aber nötig, um die Pandemie zu verlangsamen. Deshalb sollten die Vorgaben unbedingt befolgt werden. Es gebe viel Solidarität in der Gesellschaft und eine Vielzahl von Hilfsangeboten. «Das kann man nicht staatlich verordnen, da kann man sich nur für bedanken.»

Die wichtigsten Themen des Tages zu Covid-19 im Überblick:

PFLEGEHIM UNTER QUARANTÄNE

Nach der Infektion einer Mitarbeiterin mit dem Coronavirus ist ein Altenpflegeheim in Herborn unter Quarantäne gestellt worden. Derzeit gebe es in der Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zehn Verdachtsfälle, also Menschen, die sich ebenfalls mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert haben könnten, teilte der Lahn-Dill-Kreis am Donnerstagabend mit. Die Mitarbeiterin des DRK-Pflegeheims befinde sich in häuslicher Isolation, und die Bewohner seien in ihren Zimmern unter Quarantäne gestellt worden. Insgesamt leben nach Angaben einer Sprecherin rund 30 Menschen in der Einrichtung. Unter den Verdachtsfällen seien sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner. Die Testergebnisse stünden noch aus, hieß es. Eine der zehn betroffenen Personen zeige bereits Symptome und sei am Donnerstag per Isolationstransport in die Lahn-Dill-Kliniken nach Wetzlar gebracht worden. Auch eine Mitarbeiterin sei ins Klinikum Wetzlar gebracht worden.

MANGEL IN DER ALTENPFLEGE

Schutzausrüstung gegen das Coronavirus ist auch in der Altenpflege in Hessen Mangelware. «Die Wohlfahrtsverbände in der Liga Hessen und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste beklagen derzeit einen gravierenden Mangel an Schutzausrüstung, der die Versorgung alter und behinderter Menschen in der ambulanten und der stationären Pflege akut gefährdet», erklärten die Verbände in Wiesbaden. Es fehle an Grundausstattung wie Desinfektionsmitteln, Einmalhandschuhen und Schutzkitteln. Bei einem Covid-19-Verdacht seien zudem spezielle Schutzmasken mit Filter, Schutzanzüge sowie Schutzbrillen nötig. Zudem spiele die Altenpflege im Krisenmanagement der Landesregierung bisher eine untergeordnete Rolle.

WEITER STEIGENDE INFEKTIONSZAHLEN

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen ist in Hessen weiter gestiegen. Das Sozialministerium in Wiesbaden meldete am Donnerstag (Stand 14.00 Uhr) einen Anstieg um 261 Fälle im Vergleich zum Vortag auf nun 2170. Die Zahl der Todesfälle, die auf den Erreger Sars-CoV-2 zurückgeführt werden, blieb der Statistik des Ministeriums zufolge bei sechs. Hanau meldete später den Tod einer mit dem Coronavirus Infizierten über 90-Jährigen, die in häuslicher Quarantäne lebte.

KONTROLLEN NUR BEI VERDACHT

Eine lückenlose Kontrolle von Passagieren am Frankfurter Flughafen auf Corona-Infektionen ist nach Auskunft des Gesundheitsamts weder möglich noch sinnvoll. Teilweise kämen die Einreisenden aus Ländern, in denen es viel weniger Erkrankte als in Deutschland gebe, sagte Udo Götsch vom Frankfurter Gesundheitsamt. Die Pandemie sei bundesweit in eine Phase eingetreten, in der das Virus innerhalb des Landes weitergegeben und nicht mehr von außen hinein getragen werde. Kontrollen und Untersuchungen gebe es, wenn Verdachts- oder Krankheitsfälle gemeldet würden.

KURZARBEIT BEI CONDOR

Die Ferienfluggesellschaft Condor will einen großen Teil ihrer Belegschaft wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit schicken. Mit den Gewerkschaften seien für alle Berufsgruppen Vereinbarungen erzielt worden, erklärte eine Sprecherin am Donnerstag in Frankfurt. Auch habe man wie andere Fluggesellschaften auch zusätzliche Staatshilfen beantragt. Der genaue Umfang der Kurzarbeit werde später festgelegt, sagte die Sprecherin. Sie soll in allen Bereichen des Unternehmens mit knapp 5000 Beschäftigten greifen.

COMMERZBANK WILL BEI HILFEN GENAU PRÜFEN

Die Commerzbank will bei Anträgen auf KfW-Corona-Hilfen trotz hohen Tempos genau hinschauen. «Wir haben zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt, um die Fülle der Anträge zu bearbeiten», sagte der für Privat- und Unternehmerkunden zuständige Vorstand Michael Mandel der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. «Trotzdem müssen wir jeden Kreditantrag sehr genau prüfen.» Firmenkundenchef Roland Boekhout verwies auf die Risiken, die zumindest zum Teil nach wie vor bei den Geschäftsbanken verbleiben. «Die 90-prozentige Haftungsübernahme des Staates hilft natürlich bei der Bewilligung von Krediten, aber sie ersetzt nicht die individuelle Risikoprüfung.» Eine Komplettübernahme der Haftung würde den Prozess natürlich noch beschleunigen

SORGE BEI KLINIKBETREIBER

Europas größter privater Klinikbetreiber Fresenius blickt mit Sorge auf eine weitere Zuspitzung der Lage in der Coronavirus-Krise. «Ich kann nicht garantieren, dass unser Personal und unsere Ausrüstung zum Höhepunkt der Krise ausreichen werden», sagte Vorstandschef Stephan Sturm der «Wirtschaftswoche». Er könne aber versichern, «dass wir alles Menschenmögliche tun werden.» Die Entwicklung verlaufe «viel dynamischer» als von ihm erwartet. In Deutschland betreibt der Bad Homburger Konzern unter der Marke Helios 86 Krankenhäuser. In diesen werde derzeit eine «niedrige dreistellige Zahl» an Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, behandelt.

GELDER AUCH FÜR SPORTVEREINE

Von dem hessischen Soforthilfeprogramm im Kampf gegen die Corona-Pandemie soll auch der Sport profitieren. «Hessen lässt seine Vereine und Verbände in der aktuellen Situation nicht im Stich», erklärte ein Sprecher des Sportministeriums in Wiesbaden auf Anfrage. Demnach sollen Soforthilfen für Sportvereine und Sportverbände möglich sein, vor allem wenn die Existenz durch ausfallende Einnahmen gefährdet ist. «Der Sport in Hessen und damit nicht nur der Amateur-Fußball ist von den Auswirkungen des Corona-Virus sehr stark betroffen», teilte das Sportministerium mit. Der Profi-Sport könne alle Instrumente der Wirtschaftshilfe in Anspruch nehmen, beispielsweise Bürgschaften oder Kurzarbeitergeld.

BAUERN HOFFEN AUF ARBEITER AUS DEUTSCHLAND

Nach dem Einreiseverbot für ausländische Saisonarbeiter setzen Hessens Bauern ihre Hoffnungen auf inländische Arbeitskräfte. «Jede helfende Hand ist willkommen», erklärte Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands am Donnerstag. Für den erfolgreichen Einsatz von inländischen Erntehelfern seien Lockerungen der bestehenden gesetzlichen Regelungen nötig. Ohne zusätzliche Arbeitskräfte drohten bei Sonderkulturen wie Spargel, Kohl, Salat und Möhren Engpässe und Preisanstiege.

KEIN ABI OHNE PRÜFUNG

Der hessische Philologenverband lehnt ein Abitur ohne Abschlussprüfungen strikt ab. Sollte die Corona-Pandemie keine Abiturprüfungen mehr zulassen, werde es aber sicher auch alternative Lösungen geben, erklärte der Verbandsvorsitzende Reinhard Schwab in Wiesbaden, ohne das zu konkretisieren. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte zuvor betont, dass sich alle Schüler in Hessen sicher sein können, dass ihnen in jedem Fall die Möglichkeit zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife geboten werde. Nach derzeitigen Planungen will Hessen seine Abiturienten trotz der Corona-Krise weiter wie geplant bis zum 2. April schriftlich prüfen.

SOLIDARITÄT

Hessen nimmt 14 schwerkranke Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich auf. Zehn Kranke stammen aus der hessischen Partnerregion Emilia-Romagna in Italien und vier aus der französischen Region Grand Est, wie die Staatskanzlei in Wiesbaden mitteilte. Zu der einmaligen Aktion habe sich die Landesregierung auf Bitten von italienischer und französischer Seite entschlossen. «In der Krise stehen wir zusammen», erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). «In diesen schweren Zeiten zeigt sich wahre Freundschaft.» Die Patienten sollen landesweit auf mehrere Krankenhäuser verteilt und dort notmedizinisch behandelt werden.

WOHNZIMMERANDACHT

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) startet an diesem Freitag ein neues Format für Online-Gottesdienste in Wohnzimmeratmosphäre. Neben den bestehenden Angeboten, Gottesdienste in Kirchen via Internet zu empfangen, sollen nun unter dem Motto «Living Room» jeden Freitag Wohnzimmer-Andachten angeboten werden, teilte die EKHN mit. Der Titel sei in Zeiten der Kontaktsperre bewusst ausgesucht worden. Dort sollen Menschen persönlich und ermutigend erzählen, warum der christliche Glaube gerade in herausfordernden Zeiten eine kostbare Kraft sein kann. Die Sendung würde absichtlich freitags gesendet, um die Bildschirme für die großen Fernsehgottesdienste frei zu halten.

KÜNDIGUNG VON ZEITKARTEN BEIM RMV

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) erleichtert die Kündigung von Zeitkarten. Die Kündigungsfrist zum Monatsende sei von 20 auf 10 Tage verkürzt worden, zudem würden keine Bearbeitungsgebühren mehr erhoben, erklärte der RMV auf Anfrage. Über weitere Lösungen werde beraten, die «sowohl die Lage der Fahrgäste als auch die Notwendigkeit einer nachhaltigen Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs mit einbeziehen, der im Sinne der Daseinsvorsorge auch in Corona-Zeiten weiterfährt», erklärte der RMV. Der nordhessische Verkehrsverbund NVV dünnt derweil sein Angebot ab Samstag nochmals aus, unter anderem bei der Kurhessenbahn zwischen Kassel und Korbach sowie Brilon und Frankenberg.

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