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600 Millionen Euro Hilfe für MV-Werften

23.04.2020 - In der Corona-Krise sind die MV-Werften ins Schlingern geraten und konnten Rechnungen bei ihren Zulieferern nicht begleichen. Der Staat will jetzt beiden Seiten helfen. Es handelt sich um den industriellen Kern des Landes.

  • Die Schiffbauhalle der MV-Werft in Stralsund. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Schiffbauhalle der MV-Werft in Stralsund. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die in der Corona-Krise in schweres Fahrwasser geratenen MV-Werften können auf 600 Millionen Euro Staatshilfen bis Jahresende hoffen. Diese Summe nannte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung des Wirtschafts- und Finanzausschusses des Landtags. Offen ist demnach noch, ob die Unterstützung als Kredit, Bürgschaft oder in anderer Form gewährt wird. «Wir verhandeln mit dem Gesellschafter, Bund und Banken weiter. Mit einem Ergebnis rechnen wir in den kommenden Wochen», sagte Glawe nach der Ausschusssitzung.

Die Zulieferer sollen wegen unbezahlter Lieferungen an die MV-Werften mit bis zu 50 Millionen Euro unterstützt werden. Diese Liquiditätshilfen müssen später zurückgezahlt werden, wenn für die MV-Werften eine Fortführungs- und Finanzierungslösung mit dem Eigentümer Genting Hongkong, dem Bund und den beteiligten Banken steht. Dann wird offensichtlich davon ausgegangen, dass die Werften ihre Rechnungen bei den Zulieferern begleichen.

«Wie viele Unternehmen bleiben auch die Werften in Norddeutschland nicht von den Folgen der Corona-Krise verschont», sagte Glawe. Der Kreuzfahrtmarkt, für den die MV-Werften produzieren, ist eingebrochen. Aufgrund der Pandemie wurden zudem Lieferketten unterbrochen und Grenzen geschlossen. Auf den MV-Werften mit rund 3000 Beschäftigten herrscht Kurzarbeit.

Die Situation auf den MV-Werften spitze sich zu, berichtete der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. Das Unternehmen brauche Geld und Zeit, um auf den Einbruch auf dem Kreuzfahrtmarkt reagieren zu können. «Der Schiffbau ist der industrielle Kern des Landes, der mit einem gemeinsamen Kraftakt von Banken, Bund, Land und Unternehmen gesichert werden muss», appellierte Friedrich. Die Arbeitsplätze und Standorte der MV-Werften in Rostock, Stralsund und Wismar sowie bei zahlreichen Zulieferern müssten gesichert werden. «Alle Beteiligten sind jetzt gefordert.»

Im Landtag fielen die Reaktionen auf die in Aussicht gestellte Hilfe für die Werften in dreistelliger Millionenhöhe unterschiedlich aus. Der CDU-Abgeordnete Egbert Liskow unterstützt die Linie seines Parteifreundes Glawe uneingeschränkt. «Die maritime Wirtschaft, und dabei an vorderster Stelle die Werften, ist eine der Schlüsselbranchen für Mecklenburg-Vorpommern», sagte er. Die CDU setze sich deshalb dafür ein, dass das Land alles in seiner Macht Stehende tut, Werften und Zulieferunternehmen in der aktuellen Krise und darüber hinaus beizustehen.

Der Vorsitzende der oppositionellen AfD-Fraktion Nikolaus Kramer sagte hingegen: «Den MV-Werften wurden im vergangenen April von Bund und Land Bürgschaften von jeweils 375 Millionen Euro zugesagt.» Das sei schon sehr viel Geld und dabei solle man es auch belassen, bis mehr valide Zahlen vorlägen, um die Sache zu bewerten. «Das darf nicht zum Fass ohne Boden werden.» Die Linken-Abgeordnete Jeannine Rösler konnte am Donnerstag nicht einschätzen, ob die in Aussicht gestellten 600 Millionen Euro reichen werden, um die MV-Werften wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen.

Der Sprecher für Maritime Wirtschaft der FDP-Bundestagsfraktion, Hagen Reinhold aus Rostock, äußerte sich erstaunt über die große Summe aus dem Landeshaushalt für die MV-Werften. «Woher bekommt Glawe das Geld?», fragte er und äußerte die Vermutung, dass der Corona-Topf des Bundes als «kreative Finanzierungslösung» für die Werften ganz gelegen käme. «Corona darf nicht zum Selbstbedienungsladen für schlechte Unternehmensführung oder andere Probleme werden», warnte Reinhold. Glawe müsse transparent machen, seit wann die Finanzierungsprobleme bestehen. Wenn er das nicht könne, sei die Frage, wozu verschiedene Wirtschaftsprüfer permanent die Finanzlage der Werften überwachten.

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