Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

86-Jährige verliert 300 000 Euro: Schockanrufe häufen sich

29.01.2021 - 300 000 Euro haben Betrüger von einer Rentnerin im Landkreis Rostock mit einem Schockanruf erbeutet. Die Masche ist längst kein Einzelfall. Für neue Tricks nutzen Betrüger jetzt auch die Corona-Pandemie.

  • Ein Telefonhörer liegt auf einem Tisch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Telefonhörer liegt auf einem Tisch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit einem sogenannten Schockanruf haben Trickbetrüger eine Rentnerin im Landkreis Rostock um 300 000 Euro gebracht. «Das ist wirklich eine Hausnummer», sagte Sophie Pawelke vom Polizeipräsidium Rostock am Freitag. Ihr sei kein vergleichbarer Fall im Bereich des Präsidiums bekannt mit einer derartig hohen Schadenssumme. Die Chancen, das Geld wieder zu bekommen stünden schlecht. Auch in anderen Landesteilen häuft sich die Masche - und es ist eine neue hinzugekommen.

Die 86-Jährige im Landkreis Rostock war laut Polizei von ihrem vermeintlichen Sohn angerufen worden. Er habe einen schweren Unfall verursacht und brauche dringend Geld, um die Schäden zu regeln. Er könne nicht selbst zum Abholen kommen und werde einen befreundeten Rechtsanwalt als Boten schicken. Dieser hat laut Polizei dann das Geld bei der Frau zu Hause abgeholt. Erst als die Frau später ihren wirklichen Sohn anrief, flog der Schwindel auf.

In der Region um Rostock meldete die Polizei zuletzt fast 40 Trickbetrugsanrufe - an einem Tag. So viele habe es auch in Vorpommern-Rügen innerhalb weniger Tage gegeben, wie die Polizei in Neubrandenburg Anfang der Woche mitteilte - und das sind nur die bekannten Fälle. «Das haben wir immer mal wieder in Wellen», sagte Claudia Tupeit vom dortigen Präsidium. Die Betrüger arbeiteten die Regionen nacheinander ab. Auch im Osten des Landes habe es in den letzten ein bis zwei Jahren keinen Fall mit einer derartig hohen Schadenssumme gegeben wie im aktuellen Fall.

Im Raum Stralsund hatte vor kurzem eine vermeintliche Polizistin eine 82-Jährige per Telefon darüber informiert, dass ihre Tochter einen Verkehrsunfall mit einem Todesopfer gehabt habe. Nur gegen eine fünfstellige Kaution werde die Tochter freigelassen. Die Seniorin war schon dabei, die Geldübergabe vorzubereiten, als sie zufällig doch ihre Tochter anrief - die hatte keinen Unfall, sondern saß laut Polizei gerade zu Hause und machte Hausaufgaben mit dem Enkelkind. «Dadurch ist der Betrug dann aufgefallen», sagte Tupeit. Weniger glimpflich verlief der ähnliche Fall einer 84-Jährigen aus Stralsund - sie verlor 13 000 Euro. In Deutschland gibt es keine Kaution, mit der jemand vorzeitig aus dem Polizeigewahrsam geholt werden kann.

Hinter den Anrufen stecken laut Tupeit meistens größere Gruppierungen, die von Polen, der Ukraine oder der Türkei aus arbeiteten. «In großangelegten Banden.» Die Betrüger schauten speziell nach alt klingenden Namen, gerne auch nach Frauen. «Weil man davon ausgeht, dass zum Beispiel eine Elfriede Schmidt oder eine Anneliese Müller nicht stellvertretend für ihren Mann drinsteht, sondern alleinstehend sein könnte.»

Eine neue Masche wurde zuletzt im Westen des Landes bekannt. Ein vermeintlicher Dr. Weber vom Klinikum in Schwerin habe sich bei einer 65-Jährigen aus dem Bereich Lübstorf gemeldet, wie die Polizeiinspektion Wismar am Freitag mitteilte. Der falsche Arzt behauptete demnach sowohl die Tochter als auch der Schwiegersohn lägen mit Corona auf der Intensivstation und forderte Geld für teure Medikamente. Dieser sowie zwei weitere Anrufe von Dr. Weber bei einer 81-Jährigen bei Pinnow und einer 57-Jährigen aus Alt Meteln blieben glücklicherweise folgenlos.

Die betrügerischen Anrufe haben zahlreiche Varianten. Teilweise geht es auch um Bankdaten, Gewinnspiele, vorgetäuschte Liebesbeziehungen, vermeintliche Enkel in Geldnöten oder falsche Polizisten. Die Polizei bittet die Bevölkerung, skeptisch zu bleiben, wenn plötzlich jemand am Telefon Geld verlangt, erst recht, wenn derjenige aus irgendwelchen Gründen das Geld nicht selbst abholen kann. «Übergeben Sie nie Geld an Fremde», heißt es.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren