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Angeklagter bestreitet Vorwürfe im Mordprozess um Leonie

09.12.2019 - Am 12. Januar stirbt eine Sechsjährige in der Wohnung ihrer Familie. Dem Stiefvater wird vorgeworfen, das Kind mehrfach schwer misshandelt zu haben. Im Prozess meldet sich der Angeklagte nun erstmals zu Wort.

  • Der angeklagte Stiefvater im Gerichtssaal. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der angeklagte Stiefvater im Gerichtssaal. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neubrandenburg (dpa/mv) - Im Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie hat der angeklagte Stiefvater erstmals ausgesagt und die Vorwürfe zurückgewiesen. Leonie sei am 12. Januar mit einem Puppenwagen die Treppe im Hausflur hinuntergestürzt, teilte der 28-Jährige in einer schriftlichen Erklärung mit, die seine Anwälte am Montag am Landgericht Neubrandenburg vortrugen. Sonst habe er keine Erklärungen für Verletzungen des Mädchens und ihres Bruders. Fragen dazu vom Gericht oder anderen Prozessbeteiligten ließ der Stiefvater nicht zu. «Da die Mutter von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch macht, will er auch keine Fragen beantworten», sagte Verteidiger Bernd Raitor.

Der Angeklagte erklärte aber, er habe gesehen, wie Leonies Mutter nach Weihnachten 2018 das Mädchen so getreten habe, so dass es mit dem Kopf gegen eine Wand geprallt sei. So hieß es in der Erklärung. Grund sei, dass die Mutter «mit aller Macht verhindern wollte», dass Leonie Kontakt mit ihrem leiblichen Vater aus Wolgast bekam, vermutete er. Das habe er bei der Polizei verschwiegen, um «die Lebensgefährtin nicht zu belasten.»
 
Leonie war am 12. Januar tot in der Wohnung der Mutter und ihres Lebensgefährten in Torgelow (Vorpommern-Greifswald) gefunden worden. Dem Stiefvater wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen vorgeworfen. Er soll das Mädchen mehrfach so misshandelt haben, dass es an den Folgen starb. Auch Misshandlungen bei Leonies zweijährigem Bruder von November 2018 bis Januar 2019 werden ihm angelastet.

Der 12. Januar sei bis zum Treppensturz ein normaler Tag gewesen, hieß es in der Erklärung. Man wollte für das Wochenende Einkaufen gehen. «Wir wollten 30 bis 40 Euro ausgeben.» Er habe in der Küche geraucht und dann «ein eigenartiges Geräusch gehört.» Dann habe Leonie auf dem ersten Treppenabsatz mit dem Kopf an der Marmorplatte gelegen. «Sie hat aus der Nase und vielleicht auch aus dem Mund geblutet.» Er habe er sie hoch ins Bett getragen, mit einem Kühlakku sei der Kopf gekühlt worden.

Die Familie sei dann gar nicht mehr Einkaufen gewesen. Damit widersprach der Stiefvater Angaben der Mutter. Diese will zur Zeit des Treppensturzes zum Einkaufen gewesen sein. Medizinische Hilfe habe Leonie abgelehnt.

Auch zum 8. Januar, dem Tag als es einen Streit zwischen dem Erwachsenen gegeben hatte, äußerte sich der Angeklagte. Ja, es habe Streit gegeben, aber ohne die Kinder. Dann sei er nach Anklam gefahren und habe von dort keine Betäubungsmittel, sondern als ein Versöhnungsgeschenk Piercing-Schmuck mitgebracht.

Er habe aber «weder davor noch danach Leonie geschlagen.» Mehrere 110-Notrufe vom Handy der Mutter, die aber schnell abgebrochen wurden, habe er gewählt. Dabei sei es um eine Bedrohung durch den leiblichen Vater der Kinder gegangen. Der Angeklagte und der leibliche Vater Leonies, der als Nebenkläger vor Gericht auftritt, waren einmal Arbeitskollegen und befreundet. In der Zeit in Wolgast wandte sich die 25-jährige Mutter später dem jetzigen Angeklagten zu. Mit ihm war sie Mitte 2018 von Wolgast nach Torgelow gezogen und hatte ein Baby von ihm bekommen.

Der Prozess soll am 3. Januar mit den Gutachten einer Gerichtsmedizinerin und eines Psychiaters fortgesetzt werden, sagte Richter Jochen Unterlöhner. Ein Urteil wird nach bisheriger Planung für den 9. Januar erwartet.

 

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