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Backhaus sieht Fischerei vor strukturellen Veränderungen

04.06.2019 - Die Küsten- und Kutterfischer erleben schon seit Jahren unruhige Zeiten, viele Betriebe müssten schließen. Auch die Aussichten für 2020 sehen schlecht aus.

  • Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD). Foto: Danny Gohlke/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD). Foto: Danny Gohlke/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schwerin (dpa/mv) - Bei einer Umsetzung der empfohlenen Begrenzung des Dorsch- und Heringfangs in der Ostsee im Jahr 2020 sieht Agrarminister Till Backhaus (SPD) die Kutter- und Küstenfischerei vor erheblichen strukturellen Veränderungen. Diese könnten sich regional auch auf den Tourismus nachteilig auswirken, sagte Backhaus am Dienstag in Schwerin. Etwa die Hälfte der 228 Haupterwerbsbetriebe sei gravierend von den Kürzungen ihrer Fangmöglichkeiten betroffen.

Der Internationale Rat für Meeresforschung hatte vergangene Woche empfohlen, die Fischerei auf den Hering in der westlichen Ostsee und den Dorsch in der östlichen Ostsee einzustellen. Die Dorsch-Fangmenge in der westlichen Ostsee solle um mindestens 53 Prozent verringert werden, die der Sprotte um 25 Prozent. Diese Empfehlungen sind nicht bindend - sie dienen aber als wissenschaftliche Grundlage für die Fangquoten, die der EU-Ministerrat im Oktober festlegt.

«Die bisherige Annahme, dass sich die Bestände mit der Anwendung des im Jahr 2016 in Kraft getretenen Mehrjahresplanes für Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee zügig positiv entwickeln werden, hat sich somit nicht bestätigt», sagte Backhaus. Die Nachwuchsproduktion des Dorschs und des Herings in der westlichen Ostsee sei durch Umweltveränderungen beeinträchtigt. Dem müsse mit einem langfristigen Erholungsplan mit wirtschaftlich vertretbaren Quoten Rechnung getragen werden, sagte Backhaus.

Der Chef des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, bestätigte, dass die Vorhersagen zur Bestandsentwicklung beim Dorsch der westlichen Ostsee weniger optimistisch als im vergangenen Jahr gedacht sind. Bei zwei Zählungen sei ein «unfassbar starker Nachwuchsjahrgang 2016» ermittelt worden. «Wir haben immer gesagt, dass es große Unsicherheitsfaktoren gibt.» Ein Jahr später sei festgestellt worden, dass der 2016er-Jahrgang doch nur halb so groß war. Damit sei auch klar gewesen, dass die Aussichten für die Folgejahre nicht so positiv ausfallen wie zunächst angenommen.

Es sei davon auszugehen, dass die Erwärmung der Ostsee durch den Klimawandel eine große Rolle bei der Entwicklung der Fischpopulation spielen könne. Für den Hering der westlichen Ostsee sei dies inzwischen nachgewiesen. Dies sei jedoch anders beim Dorsch in der westlichen Ostsee. «Der wurde jahrelang kräftig überfischt und hat dann einem natürlichen Prozess folgend extrem variable Nachwuchsjahrgänge produziert», sagte Zimmermann. So gab es 2015 einen fast kompletten Ausfall und 2016 einen sehr starken Jahrgang. 2017 und 2018 seien es wieder extrem schwache Nachwuchsjahrgänge.

Das Land werde die traditionelle Fischerei weiter unterstützen, sagte Backhaus. 2017 und 2018 seien an 133 Unternehmen bei einer zeitweiligen Stilllegung der Herings- und Dorschfischerei Überbrückungsbeihilfen in Höhe von 2,63 Millionen Euro ausgezahlt worden. Auch für 2019 seien 2,3 Millionen Euro vorgesehen. Für die Freizeitfischerei auf den Dorsch empfahl er, die Regelungen beizubehalten, da 2019 die Quotenerhöhung für die Berufsfischerei nicht vollständig auf die Freizeitfischerei umgelegt wurde.

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