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Beschäftigte in MV mit geringstem Einkommen

22.07.2019 - Auch die jüngsten Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit zeigen die krassen Lohnunterschiede zwischen Ost und West. Zwar gab es auch in den östlichen Bundesländern Lohnsteigerungen. Doch die Kluft ist weiterhin groß.

  • Verschiedene Geldscheine stecken in einem Geldbeutel. Foto: Lino Mirgeler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Verschiedene Geldscheine stecken in einem Geldbeutel. Foto: Lino Mirgeler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nürnberg/Schwerin (dpa/mv) - Mecklenburg-Vorpommern steckt weiter im Lohnkeller Deutschlands fest. Wie aus am Montag von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg veröffentlichten Daten hervorgeht, lag 2018 das mittlere Bruttomonatsentgelt für sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte im Nordosten bei 2496 Euro. Das waren etwa 800 Euro unter dem bundesdeutschen Mittel (Medianwert) von 3304 Euro und entsprach knapp 73 Prozent des in Westdeutschland gezahlten Monatslohns. Dieser erreichte 2018 im Mittel 3434 Euro.

Damit bestätigte sich erneut, dass Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen im Westen und sich das Pendeln zu Arbeitsstätten etwa in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen nach wie vor lohnt. Dort liegen die Bruttogehälter im Schnitt bei 3045 sowie 3175 Euro. In Hamburg, dem Spitzenreiter im Länderranking, erreichten die monatlichen Bruttoentgelte nach Berechnungen der Bundesagentur im Mittel sogar 3718 Euro.

Selbst in Brandenburg lag der Monatsverdienst mit 2593 Euro um fast 100 Euro über dem in Mecklenburg-Vorpommern. Dank der in Berlin gezahlten Löhne von im Mittel 3175 Euro erreichte das Ost-Einkommen mit 2707 Euro im Monat fast 79 Prozent des Westniveaus.

Experten sehen als Gründe für das fortbestehende Lohngefälle die niedrigere Industriedichte sowie die vergleichsweise geringe Tarifbindung der Firmen im Osten. So lagen etwa in den Automobilhochburgen Ingolstadt und Wolfsburg die mittleren Monatseinkommen bei fast 4900 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie im strukturschwachen Landkreis Vorpommern-Rügen, für dessen Bewohner die Bundesagentur für Arbeit ein mittleres Monatseinkommen von etwa 2303 Euro berechnete. Nur zwei Regionen in Sachsen wiesen geringere Werte auf.

Bundesweit waren 2018 die Bruttoverdienste der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vergleich zu 2017 um knapp drei Prozent gestiegen. Gründe für die Zunahme sind nach Einschätzung einer BA-Statistikexpertin neben der Erhöhung der Tarifgehälter auch ein wachsenden Anteil gut qualifizierter Beschäftigter, die in der Regel höhere Bruttoeinkommen beziehen.

Die Einkommensunterschiede nach Geschlechtern bestehen derweil fort: Während das mittlere Bruttogehalt von Männern im Vorjahr bei 3468 Euro lag, betrug es bei Frauen lediglich 3014 Euro. Die jüngste Statistik zeigt auch, dass sich eine gute Ausbildung beim Bruttogehalt auszahlt: So brachten es Beschäftigte mit einem akademischen Abschluss 2018 im Mittel auf ein monatliches Bruttoeinkommen von 5113 Euro. Beschäftigte ohne Berufsabschluss mussten sich hingegen mit 2461 Euro zufrieden geben. Noch größer fällt der Unterschied zwischen Hilfsarbeitern und Beschäftigten mit Expertenstatus aus.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte zu Jahresbeginn die Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern ermahnt, im eigenen Interesse den Widerstand gegen Tarifverträge aufzugeben. Gute Leute würden nur in gute Betriebe mit guter Arbeit und guten Löhnen gehen, sagte der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn. Er reagierte damit auf zunehmende Klagen der Wirtschaft im Nordosten über fehlende Fachkräfte und die fortbestehende Lohnkluft zwischen Ost und West, die als Grund für die noch immer hohen Pendlerzahlen gilt. Laut Bundesagentur für Arbeit gehen etwa 75 000 Arbeitnehmer aus dem Nordosten einer Beschäftigung in anderen Bundesländern nach.

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