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Bund gewährt Überbrückungshilfe für MV Werften

06.10.2020 - Der Rettungsschirm des Bundes schützt auch die MV Werften. Nach coronabedingtem Stillstand über mehr als sechs Monate soll dort der Bau von Kreuzfahrtschiffen nun wieder anlaufen.

  • Blick auf den Schriftzug am Gelände der MV Werften. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf den Schriftzug am Gelände der MV Werften. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Freigabe von 193 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes an die MV Werften hat in Mecklenburg-Vorpommern die Hoffnung auf einen Fortbestand der Schiffbaubetriebe gestärkt. «Wir sind einen deutlichen Schritt vorangekommen. Der Rettungsschirm des Bundes hat sich für die MV Werften geöffnet», konstatierte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), nachdem am späten Montagabend aus Berlin endgültig grünes Licht für den Überbrückungskredit gekommen war. Mit Hilfe des Geldes soll der wegen der Corona-Krise zum Großteil ruhende Schiffbau wieder aufgenommen werden. Auch bei Werftenleitung und Arbeitnehmervertretung wurde die Entscheidung mit Freude aufgenommen.

Die MV Werften benötigen früheren Angaben zufolge Darlehen in Höhe von insgesamt 570 Millionen Euro, nachdem der Mutterkonzern Genting Hongkong durch coronabedingt fehlende Einnahmen aus Kreuzschifffahrt und Glücksspiel in finanzielle Schieflage geraten war. Um aber endgültig unter den Rettungsschirm des Bundes zu kommen, sind noch Gutachten zu den Zukunftschancen der Werften und Genting erforderlich, die für Dezember erwartet werden. Ziel bleibe es, möglichst bis zum Ende des Jahres eine längerfristige Finanzierung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds zu erreichen, erklärte Glawe. Angaben zu den Kreditbedingungen machte er nicht.

Nach den Worten des Ministers ist mit der vorgezogenen Kreditgewährung ein erstes Etappenziel erreicht, das den Werften in Wismar, Rostock und Stralsund Planungssicherheit bis in das Frühjahr hinein gewähre. Der Löwenanteil des Überbrückungskredits wird für das in Stralsund gebaute eisgängige Kreuzfahrtschiff «Endeavor» eingesetzt, das im April übergeben werden soll.

«Wir können nunmehr die Fertigstellung unseres Expeditionsschiffes «Endeavor» vorantreiben. Darüber hinaus wird bei Global Dream, unter Wahrung der Hygieneregeln, die Fertigung zum nächsten Fertigungsmeilenstein fortgeführt», kündigte Werften-Geschäftsführer Peter Fetten an.

Mit der Entscheidung des Bundes werden laut Glawe nun auch die noch vorhandenen 43 Millionen Euro auf dem Projektkonto für das Kreuzfahrtschiff «Global I» frei, das in Wismar auf seine Fertigstellung wartet. Damit könne ab Oktober die Produktion an allen drei Werftstandorten wieder hochlaufen, hieß es. Der Großteil der mehr als 3000 Beschäftigten ist coronabedingt derzeit noch in Kurzarbeit.

Die IG Metall Küste begrüßte die Entscheidung des Bundes, eine Zwischenfinanzierung für die MV Werften zu ermöglichen. «Mit der Unterstützung von Bundes- und Landesregierung kann die Arbeit auf den Werften in einigen Bereichen endlich wieder losgehen», erklärte Bezirksleiter Daniel Friedrich. Für die Beschäftigten ende somit eine monatelange Hängepartie, und die Werften-Gruppe bekomme Zeit, sich neu aufzustellen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller hob die Bedeutung der Werften als industrielle Kerne des Landes hervor. «Mit ihnen ist eine erhebliche Wertschöpfung verbunden, auf die unser Land dringend angewiesen ist. Genting hat in den vergangenen Jahren einen Beitrag zur Behebung eines strukturellen Defizites Mecklenburg-Vorpommerns geleistet: Verglichen mit anderen Bundesländern haben wir nämlich zu wenige Industriearbeitsplätze und damit auch im Durchschnitt niedrigere Einkommen», erklärte Waldmüller. Er sei überzeugt, «dass der Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur eine lange Tradition, sondern auch Zukunft hat».

Kritik an der Kreditgewährung ohne vorliegendes Gutachten kam von der FDP. «Für den Steuerzahler ist das eine Hochrisiko-Anlage, denn keiner von uns weiß, ob es die MV-Werften nach den Landtagswahlen 2021 noch geben wird», sagte der Barther FDP-Bundestagsabgeordnete Hagen Reinhold. Bisher gebe es keine Gutachten, die vermuten ließen, dass Genting die Kredite zurückzahlen könne. «Dabei sprechen wir von einer enormen Summe, nämlich von rund zwei Millionen Euro am Tag, um die Werften bis zum Jahresende über Wasser zu halten», rechnete Reinhold vor.

Der Multikonzern Genting hatte 2016 die Werften in Wismar, Rostock und Stralsund übernommen, um dort Kreuzfahrtschiffe für eigene Reedereien bauen zu lassen. Laut Glawe investierte der Konzern seither rund 1,6 Milliarden Euro in die Werften und den Bau von Schiffen. Die Corona-Krise hatte die Genting-Gruppe aber hart getroffen, die nach eigenen Angaben eine Neustrukturierung zur Lösung seiner Finanzprobleme plant.

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