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Corona-Krise sorgt für weitere Einschränkungen

23.03.2020 - Mehr als zwei Menschen an einem öffentlichen Platz sind in Zeiten der Corona-Krise oft schon zu viel. Um die Infektionswelle zu bremsen, wird das öffentliche Leben immer mehr eingeschränkt. Mit welchem Erfolg, das zeigt sich mit deutlicher zeitlicher Verzögerung.

  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Aufenthalt im Freien ist nur noch in Kleinstgruppen erlaubt und das Öffnungsverbot für Geschäfte gilt von Dienstag an in Mecklenburg-Vorpommern auch für Garten- und Baumärkte. In einer Telefonkonferenz hat die Landesregierung in Schwerin am Montag die zuvor zwischen Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie für Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt. Demnach ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur noch alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Familie gestattet. «Jetzt müssen alle die Regeln einhalten! Nur dann ist es möglich, die schnelle Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern», betonte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Garten- und Baumärkte waren am Montag für längere Zeit das letzte Mal geöffnet. Gewerbliche Kunden werden dem Beschluss der Landesregierung zufolge weiterhin bedient, für Privatkunden dürfen die Märkte Liefer- und Abholdienste einrichten. Die Schließungen sind umstritten, da damit auch Möglichkeiten eingeschränkt werden, Zwangsurlaub und Freistellungen von der Arbeit für Haus- und Gartenarbeiten zu nutzen. Zudem müssen zusätzlich zu den meisten Geschäften und den Restaurants nun auch Friseure, Kosmetik- und Massagesalons sowie Nagel-, Sonnen- und Tattoo-Studios geschlossen bleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Geöffnet bleiben weiterhin Supermärkte und andere Geschäfte, die Waren des täglichen Bedarfs anbieten.

Trotz der seit Montag geltenden Kontaktbeschränkungen rechnet der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger mit einem weiteren Anstieg der Coronavirus-Infektionen auch in Mecklenburg-Vorpommern. Bislang sei der Nordosten bei der Entwicklung der Infektionszahlen anderen Bundesländern mehrere Tage hinterher. Frühestens in einer Woche lasse sich absehen, ob die bisherigen Maßnahmen gegen die rasche Ausbreitung des Lungenerkrankung wirkten, oder ob der Anstieg in Mecklenburg-Vorpommern ungebremst losgehe, sagte Reisinger der Deutschen Presse-Agentur. In der Öffentlichkeit dürfen seit Montag nicht mehr als zwei Personen zusammen sein. Ausgenommen sind Familien.

In Mecklenburg-Vorpommern waren bis Sonntagnachmittag 201 Menschen mit einer Infektion registriert worden, zehn befanden sich in stationärer Behandlung. Reisinger rechnete damit, dass laut statistischen Berechnungen im Nordosten rund 2000 Menschen leben, die bereits jetzt infiziert sind. Diese hätten entweder noch keine Symptome entwickelt oder bei ihnen sei die Infektion sehr leicht verlaufen. Jeder Tag mit einem verhaltenen Anstieg der Infektionszahlen sei als ein gutes Zeichen zu betrachten, betonte Reisinger.

Unterdessen wappnet sich das Land vorsorglich für einen drastischen Anstieg schwerster Infektionen. Wie Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagte, soll die Verteilung von Patienten in vier Regionen jeweils zentral durch die großen Kliniken in Rostock, Schwerin, Greifswald und Neubrandenburg erfolgen. 28 der landesweit 37 Krankenhäuser hätten die notwendigen Voraussetzungen und würden in das Verteilsystem einbezogen.

Aktuell stehen laut Glawe landesweit 512 Intensivbetten bereit, weitere 300 würden als Reserve eingelagert. Für den Fall, dass Kliniken keine Patienten mehr aufnehmen können, seien fünf derzeit nicht genutzte Reha-Einrichtungen als zusätzliche Aufnahmestationen festgelegt worden. Zum Schutz und zur Entlastung der Hausärzte sollen landesweit vier Fieberzentren aufgebaut werden, in denen entschieden wird, ob bei auftretenden Beschwerden bei Patienten Tests auf Covid-19 nötig sind. Die Finanzierung der Maßnahmen sei sichergestellt, es gehe um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. «Entscheidend sind nicht die kaufmännischen Gesichtspunkte, sondern um die Gesichtspunkte, die der Arzt festlegt», betonte Glawe.

Ministerpräsidentin Schwesig warnte andere Politiker davor, die Krise zur Profilierung zu nutzen. «Ich kann nur an alle appellieren, an alle Politiker, dass Machtspiele und Schaulaufen in so einer Situation nichts in diesen Entscheidungen zu suchen haben», sagte sie im Deutschlandfunk. Es gelte vielmehr, jetzt parteiübergreifend und länderübergreifend zusammenzuhalten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will an strengeren Regelungen festhalten, als Bund und Länder am Sonntag vereinbart hatten.

Schwesig stellte weitere Wirtschaftshilfen des Landes in Aussicht. Vergangene Woche war zunächst ein Hilfspaket über 100 Millionen Euro geschnürt worden. Nun will das Kabinett am Dienstag über weitergehende Hilfen für die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns beraten. Geld dafür sei vorhanden. Das Land habe für Notfälle wie diesen Rücklagen gebildet. Laut Schwesig will zudem der Bund Kleinst- und Kleinunternehmern stärker unter die Arme greifen.

Der Bauverband Mecklenburg-Vorpommern forderte die öffentlichen Auftraggeber auf, sich an ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Unternehmen zu halten. «Wir müssen in der jetzigen, durch die Corona-Krise enorm schwierigen Situation zu lange auf das Geld warten», beklagte der Hauptgeschäftsführer des Bauverbands, Jörg Schnell. Dabei gehe es um Aufträge, bei denen die geforderten Leistungen schon erbracht worden sind.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) richtet eine kostenlose Seelsorge-Hotline ein. Damit wolle man besonders alten, kranken und sozial isolierten Menschen in der Krise Ansprechpartner bieten, teilte die Nordkirche mit. Unter der Nummer 0800 4540106 werden insgesamt 35 ausgebildete Seelsorger täglich von 14 bis 18 Uhr als Gesprächspartner erreichbar sein. Das Hilfsangebot parallel zur klassischen bundesweiten Telefonseelsorge richte sich an jeden, unabhängig von Glaube oder Religionszugehörigkeit, sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt.

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