Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Debatte um Corona-Krisenmanagement in Vorpommern-Greifswald

08.02.2021 - Der Landkreis Vorpommern-Greifswald ist weiterhin der Corona-Hotspot in Mecklenburg-Vorpommern. Dass sich gerade der zuständige Landrat und CDU-Landeschef nun für Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen ausspricht, sorgt für Diskussionen und Streit.

  • Michael Sack (CDU), Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Michael Sack (CDU), Landrat des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Verhalten und Corona-Krisenmanagement des Landrats von Vorpommern-Greifswald und CDU-Landesvorsitzenden Michael Sack gerät zunehmend in den Fokus. Die jüngste Kritik entzündete sich an dessen Forderung nach Lockerungen der aktuell geltenden Schutzmaßnahmen. Dass «ausgerechnet das Oberhaupt des Landkreises mit den höchsten Corona-Zahlen im Land» die Forderung nach einer Öffnung von Friseursalons und Schulen ab Mitte Februar erhebe, müsse doch sehr verwundern, sagte die Landtagsabgeordnete der Linken, Jeannine Rösler, am Montag in Schwerin.

«Nur im Landkreis Vorpommern-Greifswald scheint die Lage von Tag zu Tag dramatischer zu werden. Was läuft dort schief?», fragte der SPD-Abgeordnete Philipp da Cunha auf Twitter. Die Kreisverwaltung solle lieber die für Hotspots verabredeten Maßnahmen umsetzen, als von Lockerungen zu reden. Sack hatte am Wochenende in der «Ostsee-Zeitung» gefordert, an den Schulen «wieder den Normalfall» herzustellen und auch Gaststätten ein «verlässliches Öffnungsszenario» zu gewähren. Zuvor schon übte er Kritik an der Organisation der Corona-Schutzimpfungen im Land.

Bereits am Freitag hatte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) deutlich gemacht, dass in Kreisen mit sehr vielen Neuinfektionen verstärkte Bemühungen zur Verringerung der Ansteckungen erforderlich seien. «Unser Land muss in den Inzidenzen weiter runterkommen, damit wir weitere Öffnungsschritte machen können. Und deshalb ist es wichtig, dass gerade in den Regionen des Landes, wo die Zahlen hoch sind, konsequent gehandelt wird», sagte Schwesig, ohne aber Sack dabei direkt anzusprechen.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock war die Sieben-Tage-Inzidenz in Vorpommern-Greifswald am Wochenende wieder deutlich über 200 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche angestiegen. Damit lag der Wert mehr als doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt, der knapp 84 betrug. Vorpommern-Greifswald ist der einzige Kreis im Nordosten, der aktuell als Hochrisikogebiet gilt.

Bei anhaltend hohen Inzidenzwerten von über 200 sollte der Landrat alles unternehmen, damit die Lage in Vorpommern-Greifswald besser wird, mahnte Rösler. Dazu seien rechtssichere und nachvollziehbare Regelungen für die Bevölkerung erforderlich. «Und auch ein Blick in die Pflegeheime verdeutlicht den großen Handlungsdruck vor Ort», mahnte die Oppositionspolitikerin. Zuletzt war es in einem Heim in Anklam zu einem massiven Virus-Ausbruch gekommen.

Die Landtagsabgeordnete und CDU-Landesvize Ann Christin von Allwörden nahm Sack gegen Kritik in Schutz. «Vor Ort wird nach meiner Wahrnehmung mit großer Ernsthaftigkeit daran gearbeitet, die Inzidenz zu senken - unter anderem mit seit einiger Zeit verbesserten Kontrollen an der Grenze zu Polen. Dass Landkreise, die an der Grenze zu Polen und Tschechien liegen, eine erhöhte Inzidenz aufweisen, ist ein bundesweit zu beobachtendes Phänomen», betonte von Allwörden und warnte davor, das Infektionsgeschehen «für einen Wahlkampf der peinlicheren Art» zu nutzen.

Den schrecklichen Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim zu instrumentalisieren sei zudem «menschlich unanständig». Trotz der nicht nur in Anklam schwierigen Infektionslage brauche es landesweiter und auch bundesweiter Signale, wann und unter welchen Bedingungen mit Lockerungen zu rechnen sei. «Viele Menschen und nicht zuletzt die Wirtschaft warten auf entsprechende Signale. Zugleich gibt es gute Gründe dafür, bei den Schulen und auch bei Friseuren mit ersten Lockerungen zu beginnen», erklärte von Allwörden. Vielerorts werde illegal ohne Hygienekonzepte frisiert.

Rösler nannte Sacks Agieren hingegen «unglaubwürdig». Als CDU-Landeschef sitze er mit am Kabinettstisch und habe alle Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mitgetragen. «In Vorpommern-Greifswald nun so zu tun, als ginge ihn das nichts an, ist schlicht unredlich.» Sie erwarte, dass SPD und CDU in Regierungsverantwortung an einem Strang ziehen, um die Infektionszahlen so weit wie möglich zu drücken.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren