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Ende einer Ära: Der «Rügener Badejunge» verlässt die Insel

29.08.2019 - Der Rügener Badejunge von der Insel Rügen ist Geschichte. In diesen Tagen verlässt der letzte Camembert die Käserei in Bergen auf Rügen, anschließend wird das Werk abgewickelt. Der Käse kommt zukünftig aus Thüringen.

  • Verschiedene Sorten des Camembert "Rügener Badejunge". Foto: Stefan Sauer/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Verschiedene Sorten des Camembert "Rügener Badejunge". Foto: Stefan Sauer/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bergen (dpa) - Der traditionsreiche Camembert «Rügener Badejunge» wird nach 66 Jahren nicht mehr auf der Insel Rügen produziert. «Die letzte Produktion des Rügener Badejunge in Bergen ist erfolgt, jetzt beginnen die Abwicklungsarbeiten im Werk», sagt Oliver Bartelt, Sprecher des Werksbetreibers Deutsches Milchkontor (DMK). Den Badejungen stellte DMK für die Firma Rotkäppchen Peter Jülich GmbH her, die die Produktion nach Thüringen verlagerte. Mittlerweile verkaufte sie die Marke an eine französische Firma weiter. Nach Firmenangaben ist der Badejunge der meistverkaufte deutsche Camembert.

In Bergen müssen sich etwas mehr als 50 Mitarbeiter nach einem anderen Job umsehen. 14 von ihnen sind bei anderen DMK-Standorten im Nordosten untergekommen, etwa Dargun und Altentreptow (beide Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), sagt Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Sie müssten umziehen, weil das Pendeln auf die Insel Rügen im Schichtbetrieb und wegen der Touristenmassen im Sommer auf den Straßen nicht möglich sei.

Vor zwei Jahren hatte DMK die Schließung aus Kostengründen angekündigt. Zwischen 2012 und 2016 habe das Werk jährlich rund zwei Millionen Euro Verlust gemacht, sagt Bartelt. Weil die Anlagen nur für Weichkäse geeignet seien, hätte nach dem Badejungen nur ein anderer Camembert produziert werden können, doch der Markt dafür sei gesättigt. «Ein solcher Schritt wäre unwirtschaftlich gewesen», sagt Bartelt.

Dahms bezweifelt dagegen, dass das Werk so lange Verlust gemacht habe, sonst hätte DMK das Produkt wohl nicht so lange geführt. Es sei ein Fehler gewesen, dass DMK bei der Übernahme der Käserei nicht auch die Marke Badejunge mit übernommen habe. «Mit der Marke ist geschachert worden, auf Kosten des Standort Bergen», sagt er.

Dass der Badejunge nun aus Altenburg in Thüringen kommen soll, sei nah an Produkttäuschung, sagt Dahms. «Wenn wir Regionalität haben wollen, dann müssen wir Regionalität schützen.» Doch für besseren Schutz regionaler Marken müsse die Bundespolitik sorgen, vielleicht auch auf europäischer Ebene. «Wenn der Markt zu weit offen ist, dann ist er nicht ganz dicht.» Zumal der Thüringer Badejunge nicht derselbe wie der von Rügen sein könne: «Die Seeluft bringt was für die Milch, das geht in Thüringen nicht.» Für die Produktion in Bergen sei fast ausschließlich Milch von umliegenden Milchbauern genutzt worden.

Um die gibt es eine weitere Kontroverse, denn für DMK war die Kündigung der Rügener Milchbauern, die Käserei weiter mit Milch zu beliefern, ein weiterer Grund für die Werksschließung. «Heißt, wir hätten Milch vom Festland auf die Insel fahren müssen», sagte Bartelt. Mit der Kündigung sollte Druck auf DMK aufgebaut werden, das Werk zu erhalten, hält Dahms dagegen. Also hoch gepokert und verloren? «Woanders gewonnen», sagt der Gewerkschafter. Denn so sei es gelungen, einen guten Sozialplan für die Beschäftigten auszuhandeln. Die Mitarbeiter, die an einen anderen DMK-Standort wechseln, bekommen eine üppige Umzugshilfe von der Firma und wer das Unternehmen verlasse, noch deutlich höhere Abfindungen, sagt Dahms.

DMK will die Bergener Käserei nun verkaufen. Aktuell sei man mit einem möglichen, aber branchenfremden Käufer in Verhandlungen.

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