Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Enquete-Kommission zur Gesundheitsversorgung eingesetzt

14.05.2020 - Verwaiste Landarztpraxen und die Schließung von Klinikbereichen gelten als Indizien für Mängel in der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Enquete-Kommission des Landtags soll das System unter die Lupe nehmen und Lösungsvorschläge machen.

  • Landtagssitzung in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Landtagssitzung in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Landtag in Schwerin hat am Donnerstag die Einsetzung einer weiteren Enquete-Kommission beschlossen. In dem Gremium sollen Abgeordnete gemeinsam mit Fachleuten beraten, wie die Gesundheitsversorgung in ganz Mecklenburg-Vorpommern auf Dauer sichergestellt werden kann und auch Konzepte dafür entwickeln. Die Kommission soll aus 21 Mitgliedern bestehen, sich noch vor der Sommerpause konstituieren und vor Ende der Legislaturperiode im Spätsommer 2021 einen Bericht vorlegen.

Das Gesundheitssystem sei insgesamt gut aufgestellt, sagte der CDU-Abgeordnete Sebastian Ehlers mit Verweis auf die bisherige Bewältigung der Corona-Epidemie. Doch stehe das Gesundheitswesen angesichts einer älter werdenden Bevölkerung, Ärztemangels auf dem Lande, medizintechnischer Entwicklungen oder veränderter Bedürfnisse vor großen Herausforderungen. Es gelte, alle Krankenhäuser und Versorgungsstandorte im Land zu stärken. «Das Patientenwohl und eine gesicherte medizinische Versorgung müssen bei allen Überlegungen oben stehen», mahnte Ehlers.

Neben Lücken im Netz der Hausärzte hatte zuletzt auch die Schließung von zum Teil defizitären Klinikabteilungen für Schlagzeilen gesorgt. Betroffen waren insbesondere Kinder- und Geburtenstationen, wie etwa in Wolgast, Parchim oder nun in Crivitz. Das hatte Rufe nach einer Rekommunalisierung privatisierter Krankenhäuser laut werden lassen.

Auch solche Wegen seien zur Sicherung einer bedarfsgerechten medizinischen Versorgung denkbar, sagte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Er begrüßte die Initiative des Parlaments, von der sein Haus wichtige Anregungen erwarte. «Es geht um ein schlüssiges Gesamtkonzept», sagte Glawe. Hoffnungen setze er auf eine engere Verzahnung von ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung. "Wenn es gelänge, im Interesse einer patientenorientierteren medizinischen Versorgung die sektoralen Versorgungsgrenzen abzubauen, wäre dies ein ganz erheblicher Fortschritt», machte Glawe deutlich. Nach seinen Angaben wurden seit 1990 rund 2,8 Milliarden Euro in die Krankenhäuser des Landes investiert. Alle derzeit bestehenden Standorte gelte es zu erhalten.

Julian Barlen von der SPD-Fraktion bezeichnete eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung als «elementaren Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge». Zentrale Aufgabe sei, den Anspruch der Menschen auf gute Versorgung mit der Versorgungsstruktur in Einklang zu bringen. «Alle Menschen in unserem Land, Jung wie Alt, brauchen eine gute Gesundheitsversorgung - egal, ob auf dem Land oder in der Stadt.» Auch Barlen verwies auf zunehmende Personalknappheit, die zu lokalen Versorgungsengpässen führe.

Nach Ansicht Torsten Koplins von der oppositionellen Linksfraktion bietet die Enquete-Kommission die Chance, über Jahre anhaltenden Versäumnisse der Landesregierung in der Gesundheitspolitik aufzuzeigen und wettzumachen. «Über das in allen Bereichen drängende Fachkräfteproblem haben SPD und CDU lange schwadroniert und nichts Wirkungsvolles auf die Beine gestellt, außer im Geleitzug mit anderen Bundesländern eine Landarztquote einzuführen, die frühestens in zehn bis elf Jahren Wirkung zeigen wird», konstatierte Koplin.

Gunther Jess von der AfD-Fraktion zog den Sinn der Enquete-Kommission in Zweifel und kritisierte die damit verbundenen Kosten von jährlich etwa 780 000 Euro. «Der alte Spruch «Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis» scheint seine Aktualität nichts eingebüßt zu haben», sagte Jess. Die Problemlagen im Gesundheitsbereich seien längst bekannt und zum Teil auch im Bericht der vorherigen Enquete-Kommission «Älter werden in MV» beschrieben. Es sei Aufgabe des Gesundheitsministeriums, weitere notwendige Analysen vorzunehmen und zu handeln.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren