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Fliegen im Einsatz für Klimaschutz: Forschung in Dummerstorf

12.07.2019 - In einigen Gebieten der Welt gehören Insekten zur Ernährung der Menschen. Der «Durchschnitts-Europäer» schreckt jedoch davor zurück. Dabei könnten auch hier Fliegen als wichtige Eiweißquelle dienen, meinen nicht nur Dummerstorfer Forscher.

  • Eine Hand zeigt auf eine Soldatenfliegenkolonie. Foto: Bernd Wüstneck/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Hand zeigt auf eine Soldatenfliegenkolonie. Foto: Bernd Wüstneck/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Dummerstorf (dpa/mv) - Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf hat seine Forschungen bei Rindern, Schweinen, Mäusen oder Hühnern auf Insekten ausgeweitet. «Es geht um die Erforschung der bis zu zwei Zentimeter großen Schwarzen Soldatenfliege und ihrer eiweißreichen Larven als alternative hochwertige Eiweißquelle», sagte die Leiterin des Instituts für Ernährungsphysiologie, Cornelia Metges. Die Forscher wollten möglichst viel über Insekten als umweltfreundliche Eiweißlieferanten der Zukunft erfahren. Die Fliegen leben in einem schwülwarmen Raum mit spezieller Beleuchtung - optimale klimatische Bedingungen für die Fliegen und ihre Larven.

Hintergrund sei, dass durch die wachsende Weltbevölkerung der Bedarf an Futter- und Lebensmitteln stetig steigt. Dies stehe jedoch etwa wegen der Ausscheidung von klimawirksamen Gasen bei der Nutztierhaltung im Widerspruch zur Begrenzung des Klimawandels. Die Eiweißlücke in der europäischen Nutztierhaltung werde durch Importe an Soja und Fischmehl gedeckt. «Insekten könnten hier eine wichtige Rolle spielen, da sie in der Lage sind, für den Menschen nicht nutzbare Reststoffe und Abfälle zu verwerten.» Derzeit ruhten weltweit große Erwartungen auf Insekten, insbesondere Mehlwürmern, Heuschrecken oder eben auch Soldatenfliegen, sagte Metges.

Wie die Wissenschaftlerin sagte, dauert ein Generationszyklus der Fliege rund sechs Wochen. «Aus wenigen Gramm Eiern können wir 100 Kilogramm Larven gewinnen. Das ist eine einzigartige Effizienz. Eine Larve wiegt durchschnittlich 140 Milligramm und besteht hauptsächlich aus Eiweiß und Fetten.» Der Vorteil sei, dass die Larven mit nicht nutzbaren Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie, wie Gärresten aus der Bierherstellung, Küchenabfällen oder Ernteresten ernährt werden können. Dies könne zur Schließung von Nährstoffkreisläufen beitragen.

Erst im Juni war in den Niederlanden eine der modernsten Insektenfarmen Europas eröffnet worden. Dort werden Insekten als Eiweißlieferanten für Tierfutter gezüchtet und verarbeitet. Den Angaben des Unternehmens Protix zufolge ist es weltweit die erste Fabrik, in der in großem Stil Insekten, vor allem Larven der Soldatenfliege, gezüchtet und zu Tierfutter verarbeitet werden. In der Fabrik könnten Proteine produziert werden, um rund fünf Millionen Lachse ein Jahr lang zu ernähren.

Bislang ist in der EU die Verfütterung von Insekten nur in der Fischzucht und bei Haustieren gestattet. Erwartet wird aber, dass das Verbot für die Schweine- und Geflügelzucht in Kürze aufgehoben wird.

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