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Frösche und Kröten auf Straßen: Hochzeitszug endet tödlich

23.02.2020 - Die relativ warmen Nächte mit Regen haben die ersten Frösche, Kröten und Molche aus der Winterruhe geweckt. Sie wandern zur Paarung zu ihren Laichgewässern, was oft lebensgefährlich ist.

  • Ein Schild informiert am Straßenrand über eine mögliche Krötenwanderung. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild informiert am Straßenrand über eine mögliche Krötenwanderung. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Greifswald (dpa/mv) - Bei Nachttemperaturen von mehr als fünf Grad und Regen sind viele Molche, Frösche und Kröten nicht mehr im Winterversteck zu halten: Sie sind auf Liebe eingestellt und machen sich auf den Hochzeitszug zu den Laichgewässern. Amphibien zieht es stets zu dem Teich, Tümpel oder See, in dem sie zur Welt kamen. Wenn sie dabei Straßen überqueren müssen, endet die Wanderung oft tragisch.

In Eldena bei Greifswald machten Anwohner den Naturschutzbund (Nabu) vor Jahren auf viele überfahrene Tiere aufmerksam, sagt Jonas Kotlarz. Seitdem wird dort regelmäßig im zeitigen Frühjahr ein Krötenzaun errichtet, an dem in Abständen Eimer eingegraben sind. Der Student hat den Aufbau koordiniert und einen Einsatzplan für die kommenden Wochen aufgestellt. Etwa zehn Nabu-Mitglieder wechseln sich dabei ab, anfangs einmal, auf dem Höhepunkt der Wanderung zweimal täglich die Eimer mit den Tieren über die Straße zu tragen. Bei der Gelegenheit werden die Amphibien gezählt, Art, Alter und Geschlecht bestimmt. Allein in den ersten drei Nächten Mitte Februar seien 250 Tiere in die Eimer gegangen, sagt Kotlarz. «Dabei ist der Zaun nur 50 Meter lang.»

«Je wärmer es wird, desto mehr Tiere wachen auf und laufen los», sagt der Landschaftsökologe Falk Ortlieb, Mitglied im Nabu-Landesvorstand und in der Fachgruppe Feldherpetologie. Den Anfang machen stets Teich- und Kammmolche. Gras-, Moor- und Springfrösche folgen. Später wandern Erd- und Knoblauchkröten, Rotbauchunken, Wechsel- und Kreuzkröten. «Amphibien wandern nur so weit, wie sie müssen», sagt Ortlieb. Erdkröten als größte unter den einheimischen Lurchen legen schon mal ein bis zwei Kilometer zum Laichgewässer zurück, die Molche als kleinste kriechen lieber nur 50 bis 100 Meter weit.

In Schwerin haben Nabu-Mitglieder an der B321 ebenfalls einen Krötenzaun errichtet. Nach einer Nacht mit Temperaturen wenig über Null finden die Helfer am Morgen nur vier Erdkröten. Es sei im Moment einfach wieder zu kalt, meint die Ehrenamtlerin Christiane Raymonde.

Amphibienleiteinrichtungen stehen nach Angaben der Rostocker Biologin Christina Augustin in Mecklenburg-Vorpommern am ehesten um die Städte herum. Meist betreuten mehreren Leute einen Zaun, um sich die Arbeit zu teilen. Neben den mobilen Zäunen gibt es auch stationäre, die im Zuge des Straßenbaus mitgeplant wurden und die Tiere durch Tunnel auf die andere Fahrbahnseite leiten. Augustin mahnte Autofahrer, an Straßenabschnitten mit Krötenzäunen langsam zu fahren, um Tiere und Ehrenamtler nicht zu gefährden. Selbst wenn Amphibien nicht überfahren werden, könnte sie allein der Strömungsdruck der Fahrzeuge töten. Er bringe ihre inneren Organe zum Platzen.

Sorgen macht Ortlieb, dass trotz der jüngsten Regenfälle viele Feldsölle trocken sind. Nach den beiden Dürre-Sommern habe vielleicht nur die Hälfte der Kleingewässer genügend Wasser, schätzt er. Da Amphibien beim Ablaichen sehr auf ihre Geburtsstätten fixiert sind, kommt es zu Ausfällen, wenn sich keine Alternative in der Nähe findet. Die an Krötenzäunen eingesammelten Tiere in fremde Gewässer zu bringen, funktioniert laut Ortlieb nicht: «Amphibien haben ihren eigenen Kopf. Sie wandern ab, wenn es ihnen nicht gefällt.»

Grundsätzlich ist es um die Amphibien nicht gut bestellt. Kreuz- und Wechselkröten sind in Mecklenburg-Vorpommern vom Aussterben bedroht. «Wir wissen nicht, warum», sagt Ortlieb. Die Hauptursachen vermutet er in der Land- und Forstwirtschaft mit Entwässerung und Chemikalieneinsatz, im Straßenverkehr und Siedlungsbau. Auch der Klimawandel sei nicht auszuschließen. Ein milder Winter könnte zwar einjährigen Tieren genutzt haben, andererseits würden Amphibien Energie verbrauchen, wenn sie wegen warmer Temperaturen häufig aufwachen. Zudem fehlt es auf angesätem Grünland an Futterinsekten wie Kellerasseln, Spinnen und Käfern.

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