Gemeldete Inzidenzen: Vorpommern-Greifswald weist Kritik ab

17.02.2021 Nach Berichten über Unstimmigkeiten bei gemeldeten Corona-Inzidenzwerten hat sich der Landkreis Vorpommern-Greifswald verteidigt. Es könne zu Unterschieden zwischen Zahlen kommen, die das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) melde und die bei Ämtern vorliegen, teilte der Landkreis am Mittwoch mit. Ursprung dafür sei allerdings ein zeitlicher Versatz, den es in allen Landkreisen in ähnlicher Form gebe. Es werde «von interessierter Seite so getan», als handele es sich um ein spezifisches Problem des Landkreises. «Mangelnde Sachkenntnis ist hier eindeutig ursächlich.»

Ein Coronavirus unter dem Mikroskop. Foto: Center for Disease Control/epa/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zuvor hatte die «Ostsee-Zeitung» berichtet, dass die vom Lagus veröffentlichten Inzidenzwerte teilweise deutlich über den Zahlen liegen, die sich aus Karten ergeben, die der Landkreis selbst auf Facebook oder Twitter veröffentlicht. Darauf habe der Geschäftsführer des Rektorats der Universität Greifswald, Thomas Jenssen, aufmerksam gemacht. Er war demnach für den 9. Februar auf 138,5 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche gekommen. Laut Lagus waren es 208,4.

Jenssen sagte, er verstehe, dass zeitliche Unterschiede zu Differenzen führen können. Allerdings bestünden die beobachteten Unterschiede für mehrere Tage und seien relativ groß. Eine mögliche Erklärung für die höheren Lagus-Zahlen sei etwa, wenn dem Lagus nachträglich Fälle gemeldet würden, die auf den Karten des Landkreises nicht mehr auftauchten.

Der Landkreissprecher Achim Froitzheim sagte, es habe zum Jahreswechsel vermehrt Nachmeldungen gegeben, weil Labore Verzug gehabt hätten und ein System umgestellt worden sei. Diese Delle habe aber aktuell keine Auswirkungen mehr. Man liefere valide Daten. Die Diskussion sei nicht hilfreich, da sie Verschwörungsmythen Vorschub leiste. Unterschiede zwischen den Daten müssten sich nach einem gewissen Zeitraum nivellieren. Maßgeblich für die Corona-Maßnahmen seien ohnehin die Lagus-Zahlen. Wie genau zeitlicher Verzug zu den höheren Lagus-Zahlen führen können, konnte er nicht erklären.

Laut Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) will das Landesgesundheitsministerium dem Thema einen schriftlichen Bericht widmen. Das Ganze müsse möglichst schnell aufgeklärt werden. «Wenn da nichts dran ist, umso besser.» Es gehe um das Vertrauen der Menschen. Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag, Nikolaus Kramer, kritisierte die «massiven Eingriffe in die Bürgerrechte», die auf Basis der Zahlen erfolgten und sprach von «Zahlenlotto».

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag laut Zahlen des Lagus vom Mittwoch in Vorpommern-Greifswald bei 171,9 und damit wesentlich höher als im Rest des Landes. Im Landkreis gelten wegen der hohen Werte verschärfte Corona-Auflagen wie etwa ein Verbot von Einreisen von außerhalb ohne triftigen Grund.

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