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Karat am Fenster: Werbung für Veranstalter und Chemnitz

14.06.2020 - Die Ost-Rockband Karat gibt ein Konzert vor außergewöhnlicher Kulisse. Sänger Claudius Dreilich und seine Kollegen erheben dabei die Stimme für die coronageschädigte Veranstalterbranche.

  • Die Band Karat gibt ein Hotelzimmer-Konzert im Garten des Hotels. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Band Karat gibt ein Hotelzimmer-Konzert im Garten des Hotels. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auf der Dachterrasse wurde beschwingt getanzt, an den offenen Fenstern lauthals mitgesungen und in den Freiluft-Lounges vergnügt gefeiert: Beim ihrem ersten Hotelzimmer-Rockkonzert hat die Band Karat («Über sieben Brücken») am Samstag in Chemnitz ihre Fans begeistert. Es war ein Konzert, wie es die Ost-Rocker in ihrer 45-jährigen Bandgeschichte noch nicht erlebt hatten. «Es ist ein wenig ungewohnt, aber schön», sagte Claudius Dreilich, der 2005 als Sänger die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Herbert übernommen hatte.

Eigentlich hatten die fünf Musiker für den Abend einen Auftritt im Rahmen ihrer Jubiläumstour in Thale im Harz geplant. Wegen der Corona-Einschränkungen aber kam alles anders: Der Großteil der Tournee wurde verschoben, statt vor mehreren Tausend dicht gedrängten Menschen traten sie vor nur 234 zahlenden Zuschauern auf, die - entsprechend der Abstandsregeln - aus Zimmer- und Suiten-Fenstern, von der Dachterrasse sowie aus umzäunten Freiluft-Lounges den musikalischen Querschnitt aus 45 Jahren bejubelten.

Am 20. Mai hatte Karat in Erfurt ein Autokonzert gegeben, bei dem die Zuschauer hupten statt zu klatschen. In Chemnitz freuten sich Dreilich und seine Kollegen daher über «echte Menschen, keine Autos». «Wir als Musiker konnten hier spüren, Applaus ist immer noch das Beste an Gage», sagte der Sänger. Zuerst hätten sie der Idee, im Innenhof eines Hotels aufzutreten, etwas skeptisch gegenüber gestanden, doch seien sie schnell überzeugt worden. «Die Hotelgeschichte finde ich irgendwie süß und muggelig», sagte Dreilich.

Karat, neben den Puhdys, City und Silly eine der bekanntesten Bands der DDR, ging es in Chemnitz aber um mehr als nur ein Konzert. Die Musiker wollten kraftvoll aufmerksam machen auf die Nöte der Veranstaltungsbranche - wegen der Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen weder Konzerte noch Großveranstaltungen oder Volksfeste stattfinden. Der gesamten Branche sei die Arbeitsgrundlage entzogen worden, sagte Dreilich. «Wir wollten medial ein Zeichen setzen: Die Kunst darf nicht still sein. Das haben wir heute bewiesen».

Nach Angaben der «Initiative für die Veranstaltungswirtschaft» beschäftigen rund 321 000 Unternehmen in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr hatten die Firmen demnach 2,9 Millionen Veranstaltungen verschiedener Größe mit mehr als 826 Millionen Besuchen organisiert. Der Umsatz betrug danach 2019 fast 211 Milliarden Euro. Neben Messe- und Bühnenbauern sowie Caterern gehören auch Ton- und Lichttechniker und Schausteller zu der Branche, die insgesamt 154 Zweige umfasst.

Zwei Chemnitzer Agenturen hatten den Abend im Hotelhof auf die Beine gestellt. Ein hoher fünfstelliger Betrag stand für das Ereignis zur Verfügung, den die Stadt Chemnitz im Rahmen ihrer Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 mitfinanziert hat.

«Rein wirtschaftlich wäre diese Veranstaltung hier nicht möglich, wenn es nicht eine Förderung geben würde», sagte Claudius Dreilich. Nach dpa-Informationen hat die Stadt einen niedrigen fünfstelligen Betrag beigesteuert. «Alles, was wir jetzt investieren, bekommen wir zehn- bis hundertfach zurück durch den Titel», erklärte Sören Uhle, Geschäftsführer der stadteigenen Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungs GmbH (CWE). In Karat hat die Bewerbung nun auch prominente Fürsprecher gefunden. «Wir wollen auch, dass Chemnitz Kulturhauptstadt 2025 wird», sagte Dreilich und kündigte an, dass die Band dann auch wieder auftreten will.

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