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Kleine Anfrage: Oft fehlende Fachkunde bei Pädagogen

07.10.2019 - Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat Schwierigkeiten, seinen Bedarf an Lehrern zu decken. Nun zeigt sich, dass Pädagogen zudem häufig in Fächern zum Einsatz kommen, für die sie gar nicht ausgebildet sind.

  • An den Schulen in MV wird der Unterricht zu großen Teilen von Lehrern ohne nötige Fachausbildung erteilt. Foto: Marijan Murat/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    An den Schulen in MV wird der Unterricht zu großen Teilen von Lehrern ohne nötige Fachausbildung erteilt. Foto: Marijan Murat/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schwerin (dpa/mv) - An den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wird der Unterricht zu großen Teilen von Lehrern ohne nötige Fachausbildung erteilt. Vor allem Sport, Musik und Kunst werden häufig von Lehrkräften unterrichtet, denen die jeweilige Lehrbefähigung fehlt. Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervorgeht, unterrichteten im vorigen Schuljahr 1066 Lehrer das Fach Kunst, ohne eine Ausbildung dafür erhalten zu haben. Im Fach Sport waren 731 Pädagogen fachfremd eingesetzt, in Musik waren es 609.

Vor allem an den etwa 240 Grundschulen im Land fehlt den Angaben zufolge häufig Fachpersonal. So gaben dort 320 Lehrer Sportunterricht, obwohl sie keine Sportlehrer waren. Musik unterrichteten dort gar 475 Lehrkräfte ohne Fachausbildung. Zahlen für das laufende Schuljahr lagen noch nicht vor.

Linksfraktionschefin Simone Oldenburg macht für den offenkundigen Fachlehrermangel auch die hohen Anforderungen beim Studium verantwortlich. «Lehramtsstudierende, die später die Fächer Sport, Musik und Kunst unterrichten möchten, müssen Aufnahmeprüfungen für Leistungssportler, Starmusiker sowie Picassos ablegen – und fallen reihenweise durch», berichtete die frühere Schuldirektorin. In den naturwissenschaftlichen Richtungen sitzen Lehramtsstudenten mit künftigen Forschern in Vorlesungen und werfen Erhebungen zufolge oft vorzeitig das Handtuch. Die mehrfach angekündigte grundlegende Reform der Lehrerausbildung steht bislang aus.

Durch die zum Teil überzogenen fachlichen Anforderungen und übermäßig anspruchsvollen Aufnahmeprüfungen gingen dem Land jährlich hunderte Lehrkräfte verloren, beklagte Oldenburg. Die Vakanzen an den Schulen müssten dann mit Notbesetzungen gefüllt werden. Zum Teil seien dies Seiteneinsteiger, ohne Aufnahmeprüfung oder gar ohne Lehramtsstudium. «Erneut liefert das Bildungsministerium ein Stück aus dem Tollhaus», sagte Oldenburg. Das Ministerium agiere planlos und an der Realität vorbei.

Das Land hatte nach Angaben von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zum Beginn des neuen Schuljahres mehr als 600 Lehrer neu eingestellt. Ein gutes Drittel davon waren sogenannte Seiteneinsteiger, Fachleute ohne reguläre pädagogische Ausbildung, die laut Martin berufsbegleitend qualifiziert werden. Doch hatten Anfang September nur 41 von 220 neu eingestellten Lehrern ohne Lehrbefähigung den Kompaktkurs für Pädagogik absolviert, bevor sie vor die Schüler traten.

Nach Angaben des GEW-Landesvorsitzenden Maik Walm ist der Bedarf an Lehrern größer als bislang angenommen. Bis 2030 benötige das Land 8700 neue Lehrer, als Ersatz für altersbedingt ausscheidende Pädagogen und als Reaktion auf wachsende Schülerzahlen. Das seien 80 Prozent der jetzt arbeitenden Lehrerinnen und Lehrer, machte der Gewerkschafter die Dimension deutlich.

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