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Kritik am Dorschfangverbot von Wissenschaftlern und Fischern

24.07.2019 - Der EU-Kommission schlägt wegen des Fangverbots für Dorsch aus der östlichen Ostsee von allen Seiten Kritik entgegen. Von überflüssig bis nicht weitgehend genug reichen die Kommentare.

  • Ein Fischkutter fährt nach einer Fangfahrt in den kleinen Hafen von Timmendorf auf der Ostseeinsel Poel. Foto: Jens Büttner/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Fischkutter fährt nach einer Fangfahrt in den kleinen Hafen von Timmendorf auf der Ostseeinsel Poel. Foto: Jens Büttner/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Rostock/Sassnitz (dpa/mv) - Das plötzliche Fangverbot für Dorsche aus der östlichen Ostsee sehen Agrarminister Till Backhaus (SPD), Fischer und Wissenschaftler kritisch. Umweltschützern geht das Fangverbot dagegen nicht weit genug.

Backhaus empörte sich am Mittwoch über das Fangverbot. Die EU-Kommission selbst weise auf ihrer Internetseite darauf hin, dass sich die natürliche Sterblichkeit des östlichen Dorschbestands etwa dreimal stärker auswirke als die fischereiliche Sterblichkeit. Die Fischerei sei aber momentan die einzige Stellschraube, an der gedreht werden könne. Backhaus warf der Bundesregierung vor, sich nicht vehement genug für den Erhalt der traditionellen Kutter- und Küstenfischerei einzusetzen. Er forderte Alternativen zur Quotenregelung. Die Forschung zu den Ursachen und dem Umgang mit dem Klimawandel müsse besser werden. Die bisherigen wissenschaftlichen Systeme hätten versagt.

Der Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, erklärte: «Der Dorschbestand erholt sich nicht, selbst wenn man die Fischerei für die nächsten fünf Jahre schließt.» Der östliche Dorschbestand sei zusammengebrochen. Zimmermann zufolge hieß die Empfehlung der Wissenschaftler des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES): So wenig wie möglich Dorsch der östlichen Ostsee zu entnehmen und so viel Fischerei wie möglich zu gestatten. Zudem hätten die Wissenschaftler die EU-Kommission davor gewarnt, mitten im Jahr die bestehende Quote zu widerrufen. Viele Fischer würden nun ihre Quote 2019 nicht ausschöpfen können. Zudem befürchtet Zimmermann jetzt einen Ansturm auf den Dorsch in der westlichen Ostsee.

Da Dorsch fast immer als Beifang in den Netzen der Schwarmfischerei auf Heringe und Sprotten lande, müsste man streng genommen zwischen Rügen und Helsinki die Fischerei ganz einstellen. Das wäre nicht angemessen, sagte Zimmermann. Der Effekt auf den Dorschbestand läge vielleicht bei einer Zunahme um 3 Prozent. Dafür würden die Fischer auf den Fang einer halben Million Tonne anderer Fische pro Jahr verzichten müssen.

Die EU-Kommission habe daher einige Ausnahmen zugelassen, etwa für die kleinen Küstenfischer. Sie dürfen in den kommenden sechs Wochen mit Kuttern unter zwölf Metern Länge weiterhin Plattfische fangen, wenn auch nur in der Sechs-Seemeilen-Zone. Dorsche seien jetzt vom Rückwurfverbot ausgenommen - Fischer müssen sie nicht mehr als Beifang mit an Land nehmen und riskieren somit keine Strafen.

Der Präsident des Landesfischereiverbandes, Norbert Kahlfuß, warf der EU-Kommission Aktionismus vor. Wenigstens hätten die Fischer in den östlichen Fanggebieten Mecklenburg-Vorpommerns, wo sich die Bestände westlicher und östlicher Dorsche mischen, bislang etwa 70 Prozent ihrer Dorschquote für 2019 ausgeschöpft. Auch hätten nur wenige Fischer im Land größere Fahrzeuge - diese kämen eher aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Als größtes Problem sieht Kahlfuß das nächste Jahr. Wenn die Quoten für die Brotfische Hering und Dorsch drastisch gesenkt würden, könne die Industrie diese Fische nicht mehr nutzen, die Mengen seien zu gering.

Die Umweltorganisation WWF Deutschland kritisiert die Ausnahmen vom Fangverbot. «Wie das kontrolliert werden soll, ist völlig rätselhaft», sagte die Fischereiexpertin Stella Nemecky. Mit dem derzeitigen Kontrollaufkommen in der Ostsee sei das nicht umsetzbar. Zudem sei gar kein Fangstopp erlassen: Rund 70 Prozent der deutschen Fischerboote in der Ostsee sind nicht von dem Verbot betroffen, weil sie keine zwölf Meter lang sind. Damit dürfe nur etwas mehr als die Hälfte des östlichen Dorsches nicht gefischt werden.

Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack monierte, dass das Fangverbot auf 2019 begrenzt sei und Dorschbeifänge in anderen Fischereien erlaube. «Dabei geraten vor allem Jungfische und laichfähige Tiere in die Netze. Den Bestand sichern kann nur ein für mehrere Jahre geltendes komplettes Fangverbot», sagte er.

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