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MVs Kulturszene hart getroffen von Teil-Lockdown

29.10.2020 - Die Kulturszene Mecklenburg-Vorpommerns wird von den erneuten Corona-Einschränkungen hart getroffen. Das verursacht Unmut.

  • Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Lars Tietje. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Lars Tietje. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vertreter der Kulturszene Mecklenburg-Vorpommerns haben schockiert auf den Teil-Lockdown und dessen Auswirkungen reagiert. «Rational ist das schwer zu bewerten, weil wir keine Virologen sind, aber emotional ist das eine Vollkatastrophe», sagte Rainer Lemmer, Vorsitzender des Kulturwerks Mecklenburg-Vorpommerns, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Zuletzt habe es Planungen für Veranstaltungen gegeben, die nun nicht stattfinden könnten. Nach eigenen Angaben sind rund 30 Clubs und Livespielstätten Mitglied im Verband.

«Das fühlt sich an wie eine temporäre Beerdigung», sagte Lemmer. Gerade in den Wintermonaten machten Clubs ein gutes Geschäft. In den wärmeren Monaten verlagerten sich Veranstaltungen, wie etwa Konzerte und Festivals, nach draußen.

Vom kommenden Montag an soll es bundesweit bis Ende November einen Teil-Lockdown geben. Das trifft etliche Branchen, auch die Kulturszene ist davon enorm betroffen. Opern, Kinos, Konzerthäuser und Theater dürfen dann nicht öffnen.

Nach monatelangen Schließungen wegen der Corona-Pandemie hatten Clubs und Diskotheken in MV seit Anfang September grundsätzlich wieder öffnen dürfen. Jedoch durfte dort nicht getanzt werden. Inhaber konnten als Gaststätte öffnen und ebenfalls Veranstaltungen machen. Seitdem hätten kaum Clubs geöffnet, da sich dies nicht rechne und die Branche auf Details gewartet habe, wie viel Gelder sie aus einem Winter-Wirtschaftsprogramm erhalten, sagte Lemmer.

In einem millionenschweren Winter-Stabilisierungsprogramm der Landesregierung soll auch Veranstaltern geholfen werden. Es sieht etwa vor, dass Veranstalter 95 Prozent der Sachkosten, also etwa für die Planung, erstattet bekommen, wenn beispielsweise Volksfeste, Märkte und Musikfestivals coronabedingt abgesagt werden.

Der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, Lars Tietje, kritisierte die Schließung der Theater und Konzerthäuser. «Kultureinrichtungen haben mit ausgeklügelten Hygienekonzepten, klaren Regeln und disziplinierten Besuchern dafür gesorgt, dass es keinen einzigen Fall von Infektionen in den Theatern und Konzertsälen Deutschlands gegeben hat», sagte Tietje. Er sehe die Verhältnismäßigkeit der beschlossenen Maßnahmen deshalb nicht gewahrt.

Zwar heißt es vom Robert Koch-Institut (RKI), dass derzeit viele Fälle auf private Treffen und Gruppenveranstaltungen zurückgehen. Dies gilt aber nur für die Fälle, bei denen der Ursprung der Ansteckung bekannt ist. Derzeit lässt sich jedoch für den überwiegenden Teil gar nicht nachvollziehen, wo die Infektion passiert ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch gesagt, die Entwicklung sei inzwischen an einem Punkt, bei dem man bei 75 Prozent der Infektionen nicht mehr wisse, woher sie kämen.

«Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht Gemeinschaft und Kultur», sagte der Generalintendant. Am Mecklenburgischen Staatstheater habe der Beschluss der Bundeskanzlerin und Länderchefs Bestürzung ausgelöst.

Betroffen sind ebenfalls Konzerte. Etwa ein Dutzend für November geplante Auftritte im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommerns mussten abgesagt werden. «Mit den anhaltenden Konzertabsagen entfallen für uns als Veranstalter weitere Einnahmen, die wir nach den vergangenen Monaten dringend benötigt hätten, ersatzlos», sagte Intendantin Ursula Haselböck.

Ursprünglich sollten demnach in einem Festspielwinter zahlreiche ausgefallene Konzerte des Sommers nachgeholt werden. Bereits im März hätte der Festspielfrühling Rügens abgesagt werden müssen, zwischen Mai und August folgte den Angaben nach eine teilweise Absage des Festspielsommers. Insgesamt habe es während der Sommermonate 64 Veranstaltungen gegeben.

Trotz Ausgabenstopp und Kurzarbeit habe es infolge der Corona-Pandemie eine Finanzlücke von einer Million Euro gegeben. Dafür wurde laut Festspiele ein privater Rettungsschirm ausgerufen. Das Eintrittsgeld für die abgesagten Konzerte wird demnach zurückerstattet, Kunden können einen Gutschein erhalten oder den Kartenwert spenden.

Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Ralph Reichel, hatte bereits am Mittwoch mit Unverständnis auf die Pläne der Bundesregierung reagiert. «Ich kann verstehen, dass die Bundesregierung Zeichen setzen möchte, aber sie in einer der geregeltsten Einrichtungen überhaupt setzen zu wollen, kann ich nicht nachvollziehen», sagte Reichel der dpa.

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