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Missbrauch: Haftstrafe für Partner und Bewährung für Mutter

03.03.2020 - Ein Mädchen war monatelang verschwunden. Die Polizei fand es schließlich in der Wohnung der Mutter. Dort wurde sie versteckt und missbraucht. Gegen die Mutter und den Partner erging nun das Urteil.

  • Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess gegen eine Mutter wegen sexuellen Missbrauchs ihrer eigenen Tochter hat das Landgericht die 53-Jährige am Dienstag wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Ihr angeklagter Lebensgefährte muss wegen schweren sexuellen Missbrauchs in drei Fällen in Verbindung mit sexuellem Missbrauch einer Schutzbefohlenen sowie Entziehung einer Minderjährigen für vier Jahre und sechs Monate in Haft.

Mit diesen Urteilen blieb das Landgericht deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde hatte für den 48-jährigen Partner der Mutter zehn Jahre Haft beantragt, ebenso die Nebenklage. Für die 53-Jährige forderte sie eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. In der Anklageschrift hatte sie fast 100 Taten genannt.

Das damals 12-jährige Mädchen verschwand im Oktober 2017 aus einer Wohngruppe in Cottbus, in der sie schon länger lebte. Die Polizei suchte monatelang nach dem Kind, unter anderem mit Fahndungsplakaten. Fahnder entdeckten im März 2018 die Vermisste in der Wohnung des Paares in der Gemeinde Groß Schacksdorf (Spree-Neiße). Dort soll das Mädchen über Monate ohne Kontakt zur Außenwelt versteckt worden sein. In dieser Zeit soll die Mutter ihre Tochter gemeinsam mit ihrem Partner immer wieder sexuell missbraucht haben.

Das Gericht begründete seine Entscheidung unter anderem mit widersprüchlichen Aussagen des Opfers und fehlender «Aussagekonstanz» des Mädchens bei Vernehmungen sowie gegenüber Sachverständigen. So habe sie zur Anzahl der Taten unterschiedliche Angaben gemacht. Zudem habe die Kammer einzelne Taten weder feststellen noch genau zuordnen können.

Auch seien die Aussagen der angeklagten Mutter nicht verwertbar gewesen, stellte das Gericht fest. Die 53-Jährige hatte eigentlich von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, sei aber trotzdem weiter befragt worden. Verwertbar seien dagegen ihre Aussagen zu sexuellen Handlungen gewesen, die sie gegenüber den Medien gemacht hatte, so das Gericht.

Während der Urteilsverkündung saß die Mutter still neben ihrem Anwalt. Ihr Lebensgefährte hatte seine Partnerin vor Beginn der Verhandlung länger umarmt. Der 48-Jährige hatte bis zuletzt in Untersuchungshaft gesessen und sich trotz anwaltlicher Vertretung selbst verteidigt. In seinem Schlussplädoyer hatte er Freispruch für sich gefordert.

Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, das Urteil anfechten zu wollen und in Revision zu gehen, wie eine Sprecherin nach dem Ende der Verhandlung sagte. Das Urteil weiche in der Strafhöhe und der rechtlichen Bewertung «enorm» vom Antrag der Staatsanwaltschaft ab.

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