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Mordmotiv von Wittenburg bleibt Rätsel

14.05.2019 - Ein 85-Jähriger wird in seinem Bett im Schlaf ermordet. Vor Gericht steht der afghanische Geliebte seiner Tochter, der bei ihm die Garage aufräumen sollte. Das Tatmotiv bleibt nach der Vernehmung des einzigen Tatzeugen, eines Privatpflegers aus Bosnien, im Dunkeln.

  • Der Angeklagte (r.) im Schweriner Landgericht. Foto: Jens Büttner/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Angeklagte (r.) im Schweriner Landgericht. Foto: Jens Büttner/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schwerin (dpa/mv) - Im Prozess um den Mord an einem schlafenden Rentner in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) bleibt das Tatmotiv nach der Vernehmung des einzigen Tatzeugen rätselhaft. Er habe keine Erklärung für das, was in jener Nacht im November vergangenen Jahres passiert ist, sagte der bosnische Privatpfleger des 85-Jährigen am Dienstag im Landgericht Schwerin.

Der Angeklagte, ein afghanischer Flüchtling unklaren Alters, soll dem alten Mann die Kehle durchgeschnitten haben. Der 19 Jahre alte Zeuge, den die Tochter des Opfers als Pfleger für ihren Vater engagiert hatte, erklärte, er habe die Tat am Bildschirm eines Babyfons beobachtet. Die Kamera sei im Zimmer des 85-Jährigen installiert gewesen, um dessen Schlaf zu überwachen. Wenn der alte Herr nachts etwas brauchte, habe er nach dem Pfleger gerufen und er sei gekommen, etwa um ihm zu trinken zu geben oder ihn auf die Toilette zu begleiten.

Der Angeklagte sei erst am Vorabend aus seiner Asylbewerberunterkunft in Sachsen nach Wittenburg gekommen, berichtete der Pfleger. Man habe sich ein bisschen unterhalten, viel sei es wegen der geringen Deutschkenntnisse des Afghanen nicht gewesen. Der Bosnier hingegen spricht gut Deutsch. Er war als Kind in Deutschland und ging dort zur Schule, wie er sagte.

Gegen zwei Uhr sei er plötzlich wach geworden und habe auf den Bildschirm des Babyfons neben seinem Bett geschaut. Er habe gesehen, wie der Angeklagte dem alten Mann die Bettdecke über den Kopf zog, sich über ihn beugte und Bewegungen wie beim Brotschneiden machte. Der Rentner habe noch nach ihm, dem Pfleger, gerufen und geröchelt. Dann sei der Angeklagte aus dem Bild verschwunden und es sei still gewesen. «Ich hatte sehr viel Angst», sagte der Zeuge.

Er sei vorsichtig nach unten gegangen, wo das Zimmer des Rentners in dem Einfamilienhaus war, habe blutige Spuren von Schuhen gesehen und dass die sonst verschlossene Haustür nur angelehnt war. Das Auto des alten Mannes sei nicht an seinem Platz gewesen. Später habe er es einige Meter entfernt in einem Busch gesehen. Der Angeklagte habe wohl versucht, mit dem Wagen zu fliehen, möglicherweise habe er nicht fahren können. Im Zimmer des Opfers sei viel Blut gewesen, auch die Bettdecke sei rot von Blut gewesen. Der Afghane wurde noch am selben Tag an einer Auffahrt der Autobahn 24 in Schleswig-Holstein aufgegriffen und festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte schon früh ein politisches Motiv für die Tat ausgeschlossen. Am ersten Verhandlungstag war klar geworden, dass der Angeklagte ein intimes Verhältnis mit der Tochter des Opfers hatte. Dies hatte die Tochter als Zeugin bestätigt. Auch sie konnte sich bei ihrer Vernehmung die Tat nicht erklären. Der Flüchtling habe ihren Vater schon einmal im Sommer kurzzeitig gepflegt, hatte sie erklärt.

Der Angeklagte, in dessen Personaldokumenten als Geburtsdatum der 1. Januar 1998 eingetragen ist, den die Staatsanwaltschaft und die Tochter des Opfers aber für mehrere Jahre älter halten, schweigt bisher. Unmittelbar nach der Tat, so der Pfleger, habe der Afghane auf Deutsch in Richtung seines Opfers gesagt: «Es tut mir leid.»

Der Mord hatte in Wittenburg Entsetzen und Verunsicherung ausgelöst. Stadt und Kirche organisierten ein Gedenken, die AfD hielt Mahnwachen ab.

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