Museen starten Projekt zur Entdeckung von Alfred Heinsohn

20.03.2021 Museen in Mecklenburg-Vorpommern wollen dem Hamburger Maler Alfred Heinsohn den Platz in der Kunstgeschichte verschaffen, den er ihrer Meinung nach verdient und bislang nicht inne hat. Für einen Werkkatalog suchen sie Bilder in Privatbesitz.

Das Kunstmuseum in Schwaan. Foto: picture alliance / dpa-tmn/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Spätimpressionistische Landschaften, modern-kantige Kühe, Szenen aus dem Hamburger Hafen: Der Maler Alfred Heinsohn (1875-1927) verdient nach Meinung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern und des Kunstmuseums in Schwaan (Landkreis Rostock) einen Platz in der Kunstgeschichte, den er bislang nicht innehat. Sie haben zu seiner «Entdeckung» aufgerufen und dazu ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt gestartet. Für einen ersten Werkkatalog suchen sie Bilder von Heinsohn in Privatbesitz.

«Alfred Heinsohn ist eine der tragenden Persönlichkeiten der Schwaaner Künstlerkolonie gewesen», sagt der Leiter des Kunstmuseums in Schwaan, Heiko Brunner. Heinsohn sei in der Weimarer Malschule ausgebildet worden und habe über den Maler Franz Bunke zur Künstlerkolonie in der malerisch gelegenen Kleinstadt Schwaan gefunden, die seit 1880 Künstler zum Zeichnen nach der Natur anzog. «Er hat die größte Entwicklung von allen durchgemacht», sagt Brunner. Nach dem Ersten Weltkrieg sei Heinsohn nach Hamburg zurückgekehrt, habe dort weiter gemalt, aber nicht so recht Anschluss finden können. «1927 hat er sich das Leben genommen.»

Aus dem Spätimpressionismus kommend, habe sich Heinsohn mit der Zeit zu einem Vordenker der Malerei entwickelt, sagt Brunner. Dafür stehe vor allem das späte Werk «Kühe». Die flächige, kantige Darstellung der Tiere sei schon sehr modern gewesen. Das habe nicht jeder verstanden. Nach Brunners Worten sind mehr als 100 Ölgemälde und Aquarelle von Alfred Heinsohn bekannt, dazu zahlreiche Zeichnungen. Einige befinden sich im Kunstmuseum Schwaan, das sich der Künstlerkolonie widmet, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 Bestand hatte. Zahlreiche Arbeiten sind in Privatbesitz.

Die Kunstforscher aus Schwaan und Schwerin hoffen, dass Besitzer von Heinsohn-Gemälden sich melden, um ihre Bilder in den Katalog aufnehmen zu lassen. So soll das Werk des Künstlers möglichst umfassend dargestellt werden. «Bitte melden Sie sich telefonisch oder per E-Mail im Kunstmuseum Schwaan», bitten sie. «Sie erhalten einen Termin und wir erfassen Ihre Bilder für den Werkkatalog. Ein professionelles Foto für die Publikation wird vor Ort angefertigt.» Eine Restauratorin prüfe den konservatorischen Zustand. «Archivmaterial oder auch Geschichten rund um den Erwerb der Werke sind herzlich willkommen.» Die persönlichen Daten würden vertraulich behandelt.

Neben dem Werkkatalog ist auch eine große Heinsohn-Ausstellung im Kunstmuseum Schwaan geplant. Sie soll vom 14. August bis Ende November gezeigt werden.

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