Pflegekräfte unter Druck: Hoher Krankenstand als Folge

23.02.2021 Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Altenpfleger ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Ihnen wurde applaudiert und es gab Sonderprämien. Doch auch ohne Pandemie ist der Alltag der Pflegekräfte hart. Und das hat Folgen.

Hände einer Pflegekraft. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hohe körperliche Belastung, zeitlicher und seelischer Druck hinterlassen bei Pflegekräften in der Altenpflege massive gesundheitliche Spuren. Wie aus dem am Dienstag in Schwerin vorgestellten Pflegereport der Barmer Ersatzkrankenkasse hervorgeht, waren in den Jahren 2016 bis 2018 in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 9 Prozent der Hilfskräfte und 7,7 Prozent der Fachkräfte krankgeschrieben. Der durchschnittliche Krankenstand über alle Berufsgruppen lag demnach in diesem Zeitraum im Nordosten bei 6,2 Prozent, bundesweit bei 5,0. Dem Bericht zufolge fielen Pflegekräfte in Pflegeheimen mit knapp 32 Tagen Krankschreibung im Jahr 44 Prozent länger aus als Beschäftigte in anderen Zweigen.

«Die Arbeitssituation in der Pflege greift die Gesundheit der Beschäftigten massiv an. Wenn sie ausfallen, werden Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belastet. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden», betonte Barmer-Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach bei der Vorstellung des Berichts in Schwerin. Besorgniserregend sei zudem, dass Beschäftigte in der Pflege auch deutlich öfter wegen gesundheitlicher Probleme früher in Rente gingen. So sei der Anteil der Pflegehilfskräfte mit einer Erwerbsminderungsrente fast doppelt so hoch wie in anderen Berufen.

Kutzbach mahnte mehr betriebliche Prävention an, um etwa Rückenleiden zu mindern und Stress vorzubeugen. Gerade in der Corona-Krise habe die psychische Belastung nochmals zugenommen, sagte Kutzbach unter Hinweis auf Besuchsbeschränkungen für Angehörige und die oft tödlichen Folgen der Infektion für Heimbewohner.

Mit planbaren Arbeitszeiten könne der Beruf familienfreundlicher werden. Auch dafür sei der Einsatz ausreichender Fach- und Hilfskräfte unverzichtbar.

Wie aus dem Pflege-Report der Barmer hervorgeht, ist die Personalausstattung in den Pflegeheimen Mecklenburg-Vorpommerns schlechter als in vielen anderen Bundesländern. Mit 20 Vollzeitstellen je 100 Heimbewohner liegt sie etwa 10 Prozent unter Bundesdurchschnitt. Ähnlich sieht es in der ambulanten Pflege aus, in der im Nordosten 9 Fachkräfte auf 100 Pflegebedürftige kommen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen im Land hat sich nach Angaben des Statistischen Amtes von 2005 bis 2019 auf nunmehr 103 000 verdoppelt. Angesichts der demografischen Entwicklung sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Vor allem in der ambulanten Pflege zeichne sich ein wachsender Bedarf an Pflegekräften ab. Nach ihren Worten waren 2019 landesweit rund 27 000 Fach- und Hilfskräfte tätig.

Um weitere Fachkräfte gewinnen zu können, sei neben geregelten Arbeitszeiten und Präventionsangeboten eine bessere Entlohnung nötig, sagte Drese. Doch dürften Verbesserungen in der Pflege nicht weiter allein den Pflegebedürftigen in Rechnung gestellt werden, die so oft in Altersarmut gerieten. Drese forderte eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung durch den Bund. Die bisherigen Reformansätze seien unzureichend und gingen zudem an den Bedürfnissen alter Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorbei, kritisierte Drese.

Schon bei der Reform der Pfleger-Ausbildung habe die Politik zu spät reagiert, konstatierte sie. Das lange Jahre geforderte Schulgeld habe viele junge Leute davon abgehalten, einen Beruf in der Pflege zu ergreifen. «Die Abschaffung war lange überfällig», sagte Drese. In Mecklenburg-Vorpommern werde seit 2020 kein Schulgeld mehr erhoben.

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