Prozess um schweren Kindesmissbrauch: Ermittler gehört

15.04.2021 Im Prozess gegen einen Mann aus Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald), dem schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen wird, sind am Donnerstag erstmals Ermittler aus Münster angehört worden. Einzelheiten dazu wollte ein Sprecher des Landgerichtes Neubrandenburg mit Verweis auf das nicht öffentliche Verfahren nicht sagen. Es sei aber weiter eine umfassende Beweisaufnahme geplant, so dass ein Urteil nicht vor Ende Mai fallen werde. Der Prozess steht im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Münster (Nordrhein-Westfalen).

Das Justizzentrum in Neubrandenburg, u.a. Sitz des Landgerichts. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-jährigen Mann vor, einen neunjährigen Jungen aus der Region Münster 2019 vier Mal in der Region Ueckermünde auf schwere Art und Weise sexuell misshandelt zu haben. Dafür war der Stiefvater mit dem Jungen aus Münster nach Vorpommern gereist und auch in andere Bundesländer, wie es von Ermittlern hieß. Die Männer hätten sich via Internet kennengelernt. Der Stiefvater, gegen den in Münster ein Verfahren läuft, gilt als Hauptbeschuldigter in dem Komplex, in dem mehrere Prozesse laufen.

In Neubrandenburg droht dem neunjährigen Opfer allerdings, dass er auch als Zeuge vor Gericht aussagen muss - im Gegensatz zu anderen Verhandlungen, wo die Angeklagten geständig waren. Der 35-jährige Ueckermünder hat sich nach Angaben von Prozessbeteiligten noch nicht geständig geäußert.

Die Öffentlichkeit war auch ausgeschlossen worden, da dem Mann die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung droht. Er soll mit dem Hauptbeschuldigten, dem Stiefvater, per Handy auch Bilder von dem Missbrauch in Ueckermünde ausgetauscht haben. Es ist bisher der einzige Verdachtsfall in dem Tatkomplex in Mecklenburg-Vorpommern. Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt.

Im Tatkomplex Münster geht es um sexuelle Gewalt an einer Vielzahl von Kindern und große Netzwerke. Laut Polizei gibt es 44 Verdächtige, von denen 29 in Untersuchungshaft sitzen, und etwa 30 missbrauchte Kinder. Zwei Komplizen des Stiefvaters wurden im Februar zu mehr als sieben Jahren und mehr als vier Jahren Haft verurteilt.

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